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27.02.2017

13:52 Uhr

Europäische Zentralbank

Banken vergeben mehr Kredite an Unternehmen

Die Geldflut der EZB erreicht mehr Unternehmen. Banken haben im Januar in der Euro-Zone rund 2,3 Prozent mehr Kredite an Firmen vergeben als im Vorjahreszeitraum. Auch die Geldmenge legt kräftig zu – und damit die Inflationsgefahr.

Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank steht nach wie vor stark in der Kritik. dpa

Europäische Zentralbank

Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank steht nach wie vor stark in der Kritik.

FrankfurtDie Geldflut der EZB kommt langsam bei den Unternehmen in der Euro-Zone an. Im Januar vergaben Banken dort 2,3 Prozent mehr Kredite an Firmen als vor Jahresfrist, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag in Frankfurt mitteilte. Auch im Dezember hatte das Plus bereits in dieser Höhe gelegen. An Privathaushalte reichten die Institute im Januar 2,2 Prozent mehr Darlehen aus. Das ist der kräftigste Anstieg seit 2011.

Ökonomen reagierten positiv auf die Zahlen: „Das ist eine weitere gute Nachricht für die Euro-Zone, nachdem zuletzt die Stimmung in den Unternehmen einen deutlichen Sprung nach oben gemacht hatte“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Die Daten zu den Finanzierungen untermauerten die Erwartung, dass die Wirtschaft im ersten Quartal kräftig wachsen werde.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Die EZB hält die Leitzinsen seit Jahren schon extrem niedrig. So will sie für günstige Finanzierungsbedingungen sorgen. Zudem pumpen die Euro-Wächter Woche für Woche über den Kauf von Staatsanleihen Milliarden in das Finanzsystem. Diese Wertpapiere sollen so für Banken unattraktiv werden. Sie sollen aus EZB-Sicht lieber mehr Darlehen vergeben. Erst im Dezember hatte die Notenbank die in Deutschland umstrittenen Käufe um neun Monate bis Ende 2017 verlängert. Dadurch steigt der Gesamtumfang auf 2,28 Billionen Euro.

Die für die Euro-Zone wichtige Geldmenge M3 nahm im Januar um 4,9 Prozent zu. Experten hatten 4,8 Prozent erwartet. Zu M3 zählen unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Wächst die Geldmenge stark, signalisiert dies eine potenzielle Inflationsgefahr.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich unterdessen im Februar leicht verbessert. Das entsprechende Barometer für den Währungsraum legte um 0,1 auf 108,0 Punkte zu, wie die EU-Kommission mitteilte. Unter anderem in der Industrie und bei den Dienstleistern besserte sich die Laune.

Laut einer gemeinschaftlichen Prognose von zehn europäischen Forschungsinstituten - darunter das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel - dürfte der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes im Euro-Raum dieses Jahr bei 1,6 und 2018 dann bei 1,5 Prozent liegen. „Der Aufschwung in Europa ist auf moderatem Niveau stabil, die Aussichten geben durchaus Grund zum Optimismus, wenn auch nicht zur Euphorie, sagte IfW-Experte Klaus-Jürgen Gern.

Von

rtr

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