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19.07.2016

15:32 Uhr

Europäische Zentralbank

Firmen kommen leichter an Bankkredite

Banken in der Euro-Zone haben ihre Kreditbedingungen gelockert, Unternehmen kamen zuletzt leichter an Darlehen. Wie sich das Brexit-Votum auf das Kreditgeschäft auswirkt, lässt sich laut EZB noch nicht abschätzen.

In ihrem vierteljährlichen Bericht befragte die EZB im Juni 141 Geldinstitute aus dem Euro-Raum. dpa

EZB-Gebäude in Frankfurt

In ihrem vierteljährlichen Bericht befragte die EZB im Juni 141 Geldinstitute aus dem Euro-Raum.

FrankfurtDie Geldflut der EZB und der Wettbewerb unter den Banken beleben zunehmend das Kreditgeschäft in der Euro-Zone. Im zweiten Quartal seien Unternehmen leichter an Bank-Darlehen gekommen, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem am Dienstag veröffentlichten jüngsten Kreditbericht mit.

Der Wettbewerb unter den Instituten sei einer der Hauptgründe. Der Umfrage zufolge lockerten die Geldinstitute ihre Kreditbedingungen etwas stärker als in der vorangegangenen Erhebung erwartet worden war. Für das dritte Quartal würden die Banken von weitgehend unveränderten Standards für Darlehen an Unternehmen ausgehen.

Wie sich das Votum der Briten für einen EU-Ausstieg auf das Kreditgeschäft auswirke, ließe sich noch nicht abschätzen. Die Banken hätten noch kein klares Bild. In ihrem vierteljährlichen Bericht befragte die EZB im Juni 141 Geldinstitute aus dem Euro-Raum. Der Erhebung zufolge hat die Nachfrage nach Krediten bei allen Darlehensarten weiter zugenommen.

Die Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB: OMT und QE

Das „Outright-Monetary-Transactions“-Programm...

...wurde 2012 auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise beschlossen. „OMT“ steht für „Outright Monetary Transactions“, was übersetzt „direkte geldpolitische Geschäfte“ bedeutet.

(Quelle: Reuters)

Die Situation

Mit dem Programm sollen gezielt Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern aufgekauft werden, um extreme Renditeausschläge bei den Papieren einzudämmen. Als es beschlossen wurde, waren mit Italien und Spanien die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ins Fadenkreuz von Investoren geraten. Die Zinsaufschläge der Staatsanleihen schossen in die Höhe – den Staaten fiel es zunehmend schwerer, ihre Schulden zu bedienen. Die Länder drohten in eine gefährliche Schieflage zu geraten.

Das Ziel

Mit OMT-Käufen kann die EZB in genau solchen Situationen gezielt gegensteuern. Denn Investoren steht die Notenbank dann als mächtiger Gegenspieler mit prinzipiell unerschöpflicher Finanzkraft gegenüber. Voraussetzung für den Ankauf von Staatsanleihen im Rahmen von OMT ist jedoch, dass sich das betreffende Land einem Rettungsprogramm unterwirft.

Die Praxis

OMT wurde noch nie aktiviert. Es gilt dennoch neben dem berühmt gewordenen Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, die Notenbank werde alles tun („Whatever it takes“), um den Euro zu verteidigen, als stärkste Waffe im Kampf gegen die Schuldenkrise und Spekulationen gegen den Euro. Schon die Ankündigung, die EZB werde wenn erforderlich unbegrenzt Anleihen aufkaufen, beruhigte damals die Märkte.

Die Kritik

Kritiker werfen der EZB vor, mit OMT gezielt einzelne Krisenstaaten mit der Notenpresse indirekt zu finanzieren. Denn Staatsanleihenkäufe hätten unter anderem zur Folge, dass die Zinsaufschläge der betreffenden Bonds sinken, so dass die Länder ihre Schuldendienste leichter leisten können. Die Notenbank argumentiert, ihr gehe es darum, den Zusammenhalt des Währungsraums zu wahren und Verzerrungen auf den Märkten zu beheben. Deren Funktionieren ist für ihre Geldpolitik von größter Bedeutung, weil sie als erste auf Zinsänderungen und andere EZB-Schritte reagieren. Seien diese Märkte gestört, könne die Geldpolitik nicht wirken, argumentiert die Notenbank.

Das „Quantitative Easing“ dagegen...

...ist ein Abwehrgeschütz gegen eine Deflation. Seit März 2015 kauft die EZB zusammen mit den nationalen Notenbanken im Währungsraum im Rahmen eines anderen Programms – „QE“ genannt – Staatsanleihen der Euro-Länder auf. „QE“ steht dabei für „Quantitative Easing“, was ins Deutsche übersetzt quantitative Lockerung bedeutet.

Das Ziel von „QE“

QE soll die derzeit aus EZB-Sicht viel zu niedrige Inflation künstlich anheizen. So soll eine ruinöse Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, nachlassendem Konsum und zurückgehenden Investitionen verhindert werden. Dies nennen Volkswirte „Deflation“. Dagegen gibt es kaum ein wirksames geldpolitisches Mittel. Das zeigt etwa der Blick auf Japan, wo die Wirtschaft gut ein Jahrzehnt lang in einer Deflation gefangen war.

Der Unterschied

QE wird als geldpolitisches Instrument für ganz andere Zwecke eingesetzt als OMT. Letztendlich ist bei QE die Wiederherstellung von Preisstabilität das Ziel, was die EZB als Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent definiert. Denn dann besteht ein ausreichender Sicherheitsabstand zu einer Deflation. Bis mindestens Ende März 2017 will die EZB im Rahmen dieses Programms Staatsanleihen und andere Wertpapiere – darunter seit kurzem auch Firmenanleihen – im Volumen von insgesamt 1,74 Billionen Euro erwerben. Pro Monat sind Wertpapierkäufe im Volumen von 80 Milliarden Euro geplant.

Seit März 2015 fluten die Währungshüter über den Kauf von Staatsanleihen Monat für Monat Milliarden in das Finanzsystem der Währungsunion. Seit Juni erwerben die Euro-Wächter zudem auch Firmenanleihen. Banken sollen mit den Käufen dazu angeregt werden, mehr Darlehen an Firmen und Haushalte auszureichen, statt selbst in Anleihen zu investieren.

Auf diesem Weg will die Notenbank der Wirtschaft auf die Sprünge helfen und die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflation nach oben treiben. Im Juni zogen die Verbraucherpreise lediglich um 0,1 Prozent an – als Idealwert für die Wirtschaft strebt die EZB aber knapp zwei Prozent Inflation an.

Von

rtr

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