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20.01.2017

11:42 Uhr

Europäische Zentralbank

Inflationsziel liegt noch in weiter Ferne

Bis die EZB ihr Inflationsziel von zwei Prozent erreicht, wird es laut Experten noch mindestens bis 2021 dauern. Momentan kauft sie Staatsanleihen und Wertpapiere in Milliardenhöhe, um für einen Preisauftrieb zu sorgen.

Bis die Zentralbank ihr Inflationsziel erreicht, wird es Experten zufolge noch mindestens vier Jahre dauern. dpa

EZB in Frankfurt am Main

Bis die Zentralbank ihr Inflationsziel erreicht, wird es Experten zufolge noch mindestens vier Jahre dauern.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) wird Experten zufolge noch mehrere Jahre ihr Inflationsziel nicht erreichen. Der Anstieg der Verbraucherpreise wird laut einer Umfrage unter professionellen EZB-Beobachtern erst 2021 mit 1,8 Prozent wieder nahe am angestrebten Niveau liegen, wie die Notenbank am Freitag mitteilte.

Die Währungshüter peilen knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum an. Das schafft nach ihrer Ansicht einen ausreichenden Abstand zu einer gefährlichen Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und rückläufigen Investitionen. Inzwischen verfehlt die EZB ihr Inflationsziel bereits seit Frühjahr 2013.

Für das laufende Jahr hoben die Experten ihre Inflations-Prognose wegen des Anstiegs der Energiepreise auf 1,4 (Oktober: 1,2) Prozent an. Für 2018 erwarten sie nun eine Teuerung von 1,5 (1,4) Prozent, für 2019 einen Zuwachs auf 1,6 Prozent. Die EZB befragt jedes Vierteljahr Experten zu ihren Inflations- und Wachstumsprognosen. Ihre eigenen Vorhersagen wird sie am 9. März veröffentlichen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Davon wird auch abhängen, wie die Notenbank ihre Geldpolitik weiter ausrichtet. Derzeit erwirbt sie Woche für Woche Staatsanleihen und andere Wertpapiere in Milliardenhöhe, um die Konjunktur zu stützen und für mehr Preisauftrieb zu sorgen. Zudem hält die EZB ihre Leitzinsen seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent.

Ihre Wachstumsprognosen für die Euro-Zone ließen die EZB-Beobachter weitgehend unverändert. Für dieses Jahr hoben sie ihre Schätzung leicht auf 1,5 (1,4) Prozent an. Für 2018 und 2019 wird jeweils ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent erwartet. Im Jahr 2021 sollen es 1,6 Prozent sein.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Herr Heinz Keizer

20.01.2017, 12:04 Uhr

Abgesehen davon, dass man die Inflation erst bei 2 % beginnen läßt, könnte ich mir vorstellen, dass wir die schon Ende 2017 erreichen. Das wird aber Draghi nicht beeindrucken. Er wird weiterhin Staatsfinanzierung betreiben und den hochverschuldeten Ländern einen unberechtigten Zinsvorteil verschaffen.

Herr Old Harold

20.01.2017, 12:48 Uhr

In Zeiten, wo die deutsche Rechtschreibung dem ständig sinkenden Bildungsniveau der deutschen Bevölkerung permanent angepasst werden muss, sollte man, statt von "Inflationsziel" von "Geldentwertungsziel" sprechen, damit auch der letzte Dödel weiß, was gemeint ist.

Herr horst langner

20.01.2017, 13:14 Uhr

So lange ein Italiener als EZB Präsident fungiert, kann es ja mit der Wirtschaft nicht vorwärts gehen, sieht man doch am eigenen Land, das die anderen Länder das mit machen ist mir ein Rätsel.

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