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30.03.2017

20:18 Uhr

Europäische Zentralbank

Mehrere Ratsmitglieder wollen den Kurs halten

tDie Strategie der EZB sei für 2017 im wesentlichen fixiert. Einen Grund, etwas daran zu ändern, sehen die Zentralbanker nicht. Österreichs Notenbankchef Nowotny plädiert für eine Politik der ruhigen Hand.

Die Notenbank hält den Leitzins aktuell auf dem Rekordtief von null Prozent. dpa

EZB

Die Notenbank hält den Leitzins aktuell auf dem Rekordtief von null Prozent.

Wien/Berlin/FrankfurtMehrere Top-Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) haben für die Beibehaltung des aktuellen geldpolitischen Kurses der Währungshüter plädiert. Ein Ratsmitglied sprach sich allerdings am Donnerstag dafür aus, die Tür für ein rascheres Eindämmen der ultralockeren Geldpolitik nicht zu verschließen. Der Druck auf die EZB, einen vorsichtigen Kurswechsel einzuleiten, dürfte Experten zufolge angesichts der jüngsten Daten zur Preisentwicklung in Deutschland nachlassen. Laut statistischem Bundesamt sank die Inflation in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone im März erstmals seit knapp einem Jahr.

„Es ist wichtig, dass Notenbanken eine Politik der ruhigen Hand verfolgen“, sagte Österreichs Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny in Wien. Die Strategie der EZB sei für 2017 im wesentlichen fixiert. „Und es ist aus meiner Sicht kein Anlass gegeben, von dieser Strategie abzugehen.“ Finnlands Notenbank-Chef Erkki Liikanen sprach sich in Helsinki dafür aus, den aktuellen geldpolitischen Ausblick beizubehalten. „Wir müssen zu unseren Zusagen stehen“, sagte das Ratsmitglied. Die Euro-Notenbank hatte auf ihrer Zinssitzung im März bekräftigt, dass die Schlüsselzinsen weit über die Zeit des laufenden Anleihenkaufprogramms hinaus auf dem aktuellen Niveau oder sogar noch niedriger liegen werden.

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Die EZB hält den Leitzins aktuell auf dem Rekordtief von null Prozent. Zudem pumpt sie über den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem der Euro-Zone, um die Konjunktur anzuheizen und für mehr Inflation zu sorgen. Die Käufe sollen noch bis Jahresende fortgesetzt werden und dann ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen. „Nur wenn sich die Wirtschaft sogar besser entwickelt als wir jetzt in unseren Schätzungen erwarten, könnten wir erwägen, das Tapering vorzuziehen“, sagte der Zentralbankchef der Niederlande, Klaas Knot. Unter „Tapering“ wird im Notenbank-Jargon das Abschmelzen der Wertpapier-Käufe bis auf null verstanden.

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Laut EZB-Chefvolkswirt Peter Praet gewinnt die wirtschaftliche Erholung der Euro-Zone zwar an Schwung. Aber die Inflationsdynamik sei immer noch verhalten. „Die sich festigende Erholung hat sich noch nicht übertragen in eine dauerhafte Verstärkung der Inflationsdynamik“, sagte der oberste EZB-Ökonom in Berlin. Die EZB strebt eine Teuerung von knapp unter zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an. Doch der ölpreisbedingte Anstieg der Teuerung in der Euro-Zone auf 2,0 Prozent im Februar ist womöglich nur von kurzer Dauer. In Deutschland sank die Inflation im März bereits wieder auf 1,6 Prozent, nachdem sich Waren und Dienstleistungen im Februar noch um 2,2 Prozent verteuert hatten.

Von

rtr

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