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15.01.2012

17:10 Uhr

Ex-Chefvolkswirt schreibt Brandbrief

Jürgen Stark attackiert die EZB-Strategie

Jürgen Stark hat das Verhalten seiner ehemaligen Kollegen bei der EZB massiv kritisiert. Der Ex-Chefvolkswirt wirft der Zentralbank nach Medienberichten vor, ihre Kompetenzen extrem ausgedehnt zu haben.

Jürgen Stark, der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank. dpa

Jürgen Stark, der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank.

HamburgDer frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hat das Verhalten der Institution in der Euro-Krise heftig kritisiert und nachträglich die Gründe für seinen Rücktritt geliefert. In einem Abschiedsbrief werfe Stark seinen Ex-Kollegen im EZB-Rat vor, Entscheidungen getroffen zu haben, „die das Mandat der EZB ins Extreme gedehnt haben“, berichtet der „Spiegel“.

Er sehe das Risiko, dass die Notenbank wegen ihrer Aufkäufe am Anleihemarkt zunehmend „unter fiskalischer Dominanz operiere“. Es sei eine „Illusion zu glauben, dass die Geldpolitik große strukturelle und fiskalische Probleme in der Eurozone lösen kann“.

Wann immer in der Geschichte sich eine Notenbank der Haushaltspolitik untergeordnet habe, musste sie Zugeständnisse bei ihrer eigentlichen Aufgabe machen, den Geldwert stabil zu halten, schrieb Stark demnach an die 1.600 Beschäftigten der Notenbank.

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Von

dapd

Kommentare (9)

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Thomas-Melber-Stuttgart

15.01.2012, 17:39 Uhr

Kompetenzen extrem ausgedehnt - oder überdehnt? Vielleicht sogar überschritten? Wäre das dann überhaupt gedeckt? Wußten die Marktteilnehmer - oder hätten es wissen müssen - daß Geschäfte gar nicht mehr legal weil vertrags- bzw. rechtswidrig waren? Somit Geschäfte auch anfechtbar sein könnten?

Rapid

15.01.2012, 17:48 Uhr

Man kann darüber steiten ob der Rückzug von Jürgen Stark angemessen war oder ob er die Stellung hätte halten müssen.
Eines kann er jetzt auf jeden Fall, frei reden und seine Meinung frei äußern, auch ein Vorteil für einen Mann, der sich nicht ein "X" für ein "U" vorzumachen bereit ist.

Blickensdoerfer

15.01.2012, 18:07 Uhr

"In einem Abschiedsbrief werfe Stark seinen Ex-Kollegen im EZB-Rat vor, Entscheidungen getroffen zu haben, „die das Mandat der EZB ins Extreme gedehnt haben, . . ."
Getroffene Entscheidungen hätten das Mandat ins Extreme gedehnt.Die EZB habe also nicht vertrags- und rechtswidrig Entscheidungen getroffen, weil ja das Dehnen und das Extreme nicht weiter hinterfragbar ist, zumal ja nur Entscheidungen gedehnt haben. Jeder weiß doch, was das ist, was es bedeutet. Jürge Stark auch?

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