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20.09.2016

16:53 Uhr

Ex-US-Notenbanker Randall Kroszner

„Die Welt geht wegen höherer Zinsen nicht unter“

VonFrank Wiebe

Der Ökonom und ehemalige US-Notenbanker Randall Kroszner spricht im Interview über die bevorstehende Zinsentscheidung der Federal Reserve, die Folgen langfristiger Niedrigzinsen und die Unabhängigkeit der Geldpolitik.

Ob, wann und wie die Fed die Zinsen erhöht, ist weiter offen. dpa

US-Notenbank Fed in Washington

Ob, wann und wie die Fed die Zinsen erhöht, ist weiter offen.

New YorkRandall Kroszner ist ein echter Kenner: Von 2006 bis 2009, also auch auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, war er als einer der Gouverneure der Fed mitverantwortlich für die amerikanische Geldpolitik. Umso gespannter blickt er dieser Tage auf die anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank. Bereits von 2001 bis 2003 war der Mitglied des ökonomischen Beraterstabs von Präsident George W. Bush. Heute lehrt er an der Booth School of Business der Universität Chicago.

Herr Kroszner, erwarten Sie am Mittwoch eine Zinserhöhung der US-Notenbank?
Nein. Aber ich gehe davon aus, dass sie noch in diesem Jahr die Zinsen weiter anhebt.

Im vergangenen Dezember hat die Notenbank den Zins von nahe Null auf eine Spanne zwischen 0,25 bis 0,5 Prozent angehoben. Der nächste Schritt wird wohl ebenfalls einen viertel Prozentpunkt betragen. Wie geht es dann weiter?
Nach den heutigen Prognosen wird die Fed die Zinsen bis auf drei Prozent anheben. Das kann aber noch drei Jahre dauern.

„Ich gehe davon aus, dass die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen weiter anhebt.“ Imago

Randall Kroszner

„Ich gehe davon aus, dass die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen weiter anhebt.“

Vor kurzer Zeit galt die Marke von mehr als vier Prozent als Ziel. Warum hat sich das geändert?
Früher gab es die Zwei-plus-Zwei-Regel. Als neutral für die US-Wirtschaft galt ein realer Zins – also berechnet nach Abzug der Inflation – von zwei Prozent. Zuzüglich der Inflation von zwei Prozent war man in der Summe bei vier Prozent. Die Inflationsprognose ist unverändert, doch die Fed geht jetzt von einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung aus, bei der der neutrale reale Zins bei rund einem Prozent liegt.

Vor kurzem hat John Williams, Chef der Fed San Francisco, vorgeschlagen, das Inflationsziel höher als bei zwei Prozent anzusetzen. Er will damit mehr Flexibilität für die Fed schaffen. Was halten Sie davon?
Wenn wir uns heute eine Welt nach unseren Wünschen ausmalen, würden wahrscheinlich auch in der Fed viele lieber ein etwas höheres Inflationsziel anpeilen. Eine Erhöhung in der aktuellen Situation würde allerdings die Glaubwürdigkeit der Fed beschädigen. Der Nachteil wäre größer als der Nutzen.

US-Notenbank Federal Reserve: Volkswirte glauben an Zögern Janet Yellens

US-Notenbank Federal Reserve

Volkswirte glauben an Zögern Janet Yellens

Die Märkte schauen gebannt auf Mittwoch – dann wird die US-Notenbank ihren Zinsentscheid verkünden. Eine Zinserhöhung gilt als unwahrscheinlich und das könnte auch für den Rest des Jahres so bleiben.

Aber stellen wir uns Folgendes vor: Die Fed erhöht die Zinsen im Dezember und im nächsten Jahr kommt es zu einer Rezession. Dann hat sie kaum Spielraum, die Zinsen wieder zu senken und so der Entwicklung entgegenzusteuern.
Sie könnte wieder beginnen, Anleihen zu kaufen. Das hat Fed-Chefin Janet Yellen für diesen Fall auch schon angedeutet. Diese Maßnahme ist mit der mittlerweile auf 4,5 Billionen Dollar angeschwollenen Bilanzsumme zwar nicht mehr so wirkungsvoll wie früher, sie ist aber auch nicht wirkungslos.

Eine andere Frage ist, ob es der Fed gelingt, mit den kurzfristigen auch die langfristigen Zinsen zu beeinflussen. Sehen Sie ein Problem darin, dass die derzeit so niedrig sind?
Niedrige Langfristzinsen können zwei Gründe haben: Einmal den, dass die Investoren pessimistisch sind – das ist negativ. Oder, dass viel Kapital in die USA fließt – das ist positiv. Ich glaube, zurzeit spielt beides eine etwa gleichgewichtige Rolle.

Kommentare (8)

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Herr Percy Stuart

20.09.2016, 17:08 Uhr

Dert Zins ist doch der Preis des Geldes!
Ich würde gerne mal wissen, wer sich weiter verschulden soll, um die Zinsgewinne zu realisieren?
Oder wird das alles wieder über „Strukturreformen => anderes Wort für Kürzungen, Produktivitätssteigerungen und Sozialabbau“ beim Normalbürger erkauft?!
Da machen WIR, die das alles wieder (er)tragen müssen, nicht mehr länger mit.
Niemand will sich mehr verschulden, geschweige denn, als ewige Zinsknechte des (Groß)Kapitals sein einmaliges Leben fristen.
Eure Zinsgewinne, sind unsere Armut!

Frau Annette Bollmohr

20.09.2016, 17:17 Uhr

„Die Welt geht wegen höherer Zinsen nicht unter“

Sicher nicht. Die Frage ist nur, ob die in dem derzeitigen globalen wirtschaftspolitischen Umfeld viel nützen werden (und wenn ja, wem).

Das weiß man ja immer erst hinterher.

Herr Chris Woodley

20.09.2016, 17:26 Uhr

Egal ... MALLE IST NUR EINMAL IM JAHR

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