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19.04.2006

21:27 Uhr

Experten sehen „Vertrauenskrise“

Kapital flieht aus Immobilienfonds

VonAnke Rezmer

Die offenen Immobilienfonds kommen nicht aus der Krise heraus. Auch im März haben Anleger wieder Einlagen in Milliardenhöhe abgezogen. Obwohl sich die Branche um vertrauensbildende Maßnahmen bemüht, erwarten Spitzenmanager zunächst keine Entspannung der Lage.

DÜSSELDORF/FRANKFURT/BERLIN. Seit Jahresbeginn waren es insgesamt 7,5 Mrd. Euro – das sind zehn Prozent des Fondsvermögens. Dies belegen die gestern veröffentlichten Zahlen des Fondsverbandes BVI. „Die Branche steckt mitten in einem Bereinigungsprozess, der noch rund sechs Monate anhalten dürfte“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Deka Immobilien Investment, Fritz Oelrich, dem Handelsblatt.

Offene Immobilienfonds waren im Dezember in die Krise geraten, nachdem die Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate ihren Fonds „Grundbesitz-Invest“ für drei Monate geschlossen hatte. Erstmals konnten Anleger in dieser Zeit ihre Anteile nicht verkaufen – obwohl die Zusage täglicher Verfügbarkeit ein zentrales Argument der Branche ist.

Ausgelöst hatten die Schließung des „Grundbesitz-Invest“ und zweier weiterer Fonds vor allem Großanleger: Wegen drohender Wertberichtigungen zogen sie große Geldsummen ab und brachten die Fonds damit in Liquiditätsnot. Die Tendenz ist ungebrochen: Im März zogen Anleger 2,1 Mrd. Euro aus offenen Immobilienfonds ab, im Februar waren es 1,2 Mrd Euro, im Januar 4,2 Mrd. Euro. Allein der Fonds der Deutschen Bank verlor seit seiner erneuten Öffnung im März gut 1,3 Mrd. Euro. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte gestern: „Wir werden alles tun, damit der Fonds offen bleibt.“

Trotz der massiven Abflüsse erklärte der Fondsverband BVI, das Vertrauen der Anleger sei „partiell zurückgekehrt“. Rechne man den „Grundbesitz-Invest“ heraus, zeige sich, dass die Rückflüsse im März gegenüber Februar und Januar abgenommen hätten. Während der Fondsverband hofft, in den kommenden drei Monaten wieder Mittelzuflüsse zu verzeichnen, bewerten Immobilienfondsexperten wie der Fachjournalist Stefan Loipfinger die Zahlen ganz anders. Sie zeigten, „dass das Vertrauen in die gesamte Branche erschüttert ist“, sagte Loipfinger.

Um verlorenes Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hat der BVI Ende Januar ein Regelwerk vorgestellt, das mehr Transparenz schaffen und eine bessere Liquiditätssteuerung ermöglichen soll. Nach Angaben des Verbands haben inzwischen alle 18 Anbieter offener Immobilienfonds das Regelwerk unterschrieben.

Kritikern geht die freiwillige Selbstverpflichtung allerdings nicht weit genug. „Nur verbindliche Maßnahmen können das Vertrauen der Anleger wieder herstellen“, sagte Loipfinger. Darüber hinaus bringe die geplante einjährige Kündigungsfrist für Großanleger nichts, da sie leicht zu umgehen sei. Loipfinger schlägt deshalb vor, die Branche solle sich mit nach Laufzeiten gestaffelten Preisabschlägen davor schützen, dass Großanleger ihre Anteile schon nach kurzer Zeit wieder verkaufen.

Für die Fondsgesellschaften drängt die Zeit, den Ruf ihres einstigen Verkaufsschlagers wieder aufzupolieren. Denn die offenen Immobilienfonds dürften im kommenden Jahr starke Konkurrenz erhalten: durch die Einführung von Immobilien-Aktien, den so genannten Real Estate Investment Trusts (Reits). Diese jederzeit handelbaren Aktien „könnten die Totengräber der offenen Immobilienfonds werden“, sagte Stefan Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Reits haben im Gegensatz zu den renditeschwachen offenen Immobilienfonds nicht den Systemfehler, dass mit kurzfristigem Kapital besonders langfristige Anlagen finanziert werden.

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