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18.09.2015

01:19 Uhr

Experten zur Fed-Entscheidung

„Es gab keinen akuten Grund, an der Zinsschraube zu drehen.“

Die US-Notenbank Fed rührt nicht am Leitzins- das hatten die meisten Wirtschaftsexperten so erwartet. Doch nicht alle finden die Entscheidung konsequent – und auch der Blick in die Zukunft fällt unterschiedlich aus.

Während der Ansprache von Fed-Chefin Janet Yellen in Washington: Die US-Notenbank wird den Leitzins im September nicht anheben. AFP

Federal Reserve

Während der Ansprache von Fed-Chefin Janet Yellen in Washington: Die US-Notenbank wird den Leitzins im September nicht anheben.

Washington/BerlinDie US-Notenbank Fed beendet die Ära des billigen Geldes noch nicht. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Finanzsystems bleibt in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent, wie die Währungshüter am Donnerstag mitteilten.

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Der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, kann die Entscheidung der US-Notenbank, die Leitzinsen konstant zu halten, nachvollziehen. Der Ökonom rechnet aber mit einer baldigen Erhöhung.

Die meisten Beobachter hatten damit gerechnet, dass Fed-Chefin Janet Yellen die Zinswende wegen des jüngsten Börsenbebens in China und Sorgen um eine Abkühlung der Weltwirtschaft vorerst noch aufschieben würde. In ersten Reaktionen unter Experten zeigen sich viele Facetten.

Liana Buchholz, Hauptgeschäftsführerin Bundesverband öffentlicher Banken (VÖB)

"Die amerikanische Notenbank verzögert die Zinserhöhung und spielt mit ihrer Glaubwürdigkeit. Obwohl die Fed eines ihrer erklärten Ziele, die Vollbeschäftigung, nahezu erreicht hat, traut sie es der US-Konjunktur noch nicht zu, eine erste Zinserhöhung zu verkraften. An den Märkten verlängert die Fed durch ihr Zögern die Unsicherheit über die lang erwartete Zinswende in den USA.

Von einer Zinserhöhung für Europa ist auch die Europäische Zentralbank (EZB) noch weit entfernt. Vor einem ersten Zinsschritt - frühestens im Jahr 2017 - muss zunächst das Anleihen-Kaufprogramm enden. Ob dies bereits, wie zunächst angedeutet, im Herbst 2016 der Fall ist, erscheint heute unwahrscheinlich. Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns somit noch länger begleiten."

Ulrich Kater, Chefvolkswirt Dekabank:

"Die Fed geht auf Nummer sicher. Sie will ihre bisherigen Erfolge bei der Stärkung der US-Wirtschaft nicht aufs Spiel setzen, indem sie mitten in die gegenwärtigen globalen Unsicherheiten die Zinsen erhöht.

Viele Schwellenländer haben erhebliche Probleme bei der Konjunktur und in ihren Finanzsystemen. Das soll durch eine US-Zinserhöhung nicht noch verstärkt werden. Diese Risiken werden sich erst in den kommenden Wochen besser einschätzen lassen, so dass zwar ein Zinsschritt in diesem Jahr immer noch möglich ist.

Die Entscheidung verdeutlich aber, dass ein Ausstieg aus der Nullzinswelt sehr mühsam ist und sehr lange dauern wird. Die Finanzmärkte sehen dies ebenso und haben daher nur moderat auf die Zinsentscheidung reagiert."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank Liechtenstein:

"Die US-Notenbank hielt still. Dies war an den Finanzmärkten so auch mehrheitlich erwartet worden. Es gab keinen akuten Grund, an der Zinsschraube zu drehen. Eine Leitzinserhöhung im Dezember bleibt das wahrscheinlichste Szenario. Die Fed dürfte vorerst noch weiter abwarten wollen.

Im Dezember sollte es aber dann soweit sein. Reagiert Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit."

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