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25.08.2015

18:24 Uhr

Export-Werte erhöhen Crash-Gefahr

Die Deutschen lieben es deutsch

VonJessica Schwarzer

Der China-Crash ist für deutsche Anleger einmal glimpflich ausgegangen – der Dax hat sich erholt. Gefahren lauern trotzdem im Depot, weil dort zu viele deutsche Unternehmen liegen, mit hohem Exportanteil auch nach China.

Nicht nur Börsenpsychologen warnen vor dem "Home Bias". Getty Images

Gefährliche Heimatverliebtheit

Nicht nur Börsenpsychologen warnen vor dem "Home Bias".

Düsseldorf„Nicht alle Eier in einen Korb legen“, lautet eine alte Börsenweisheit. Sie besagt, dass Anleger ihre Investments breit verteilen sollten – über mehrere Anlageklassen und viele Einzelwerte, Branchen und Länder. Doch deutsche Privatanleger wollen von dieser Risikostreuung scheinbar nichts hören, sie setzen vor allem auf heimische Aktien. Zwei Drittel aller beim Onlinebroker Comdirect verwahrten Aktien sind inländische Titel. Bei anderen Banken dürfte das Ergebnis ähnlich ausfallen.

Die Heimatverliebtheit der Deutschen – Experten sprechen von „Home Bias“ – ist auch an der Börse Stuttgart zu beobachten. „Deutsche Privatanleger sind extrem auf den Dax fokussiert“, sagt Holger Schleicher, Leiter des Handels mit verbrieften Derivaten. Ein ähnliches Bild zeigt sich am Handelsplatz München: Unter den zehn beliebtesten Aktien, die im ersten Halbjahr 2015 dort gehandelt werden, befinden sich neun deutsche, acht Dax-Aktien und nur ein Ausreißer aus den USA. Immerhin 55 Prozent des Handelsvolumens an der Börse München entfallen auf deutsche Titel.

„Bei den großen deutschen Einzelaktien dürfte auch die Bekanntheit der jeweiligen Unternehmen eine Rolle für die Anlageentscheidung spielen“, so Schleicher von der Börse Stuttgart. „Und nicht zuletzt schwingt sicherlich auch ein Stück Lokalpatriotismus mit.“

Das denken Deutsche über Aktien

„Mit Aktien bzw. Aktienfonds kann man in kurzer Zeit viel Geld verdienen.“

Trifft voll zu: 14
Trifft weitgehend zu: 18
Trifft teilweise zu: 32
Trifft eher nicht zu: 17
Überhaupt nicht zutreffend: 19

Angaben in Prozent.
Die Umfrage befasst sich mit Aktien bzw. Aktienfonds (im folgenden nur „Aktien“).

„Mit Aktien kann man von den Erfolgen deutscher Unternehmen profitieren.“

Trifft voll zu: 10
Trifft weitgehend zu: 25
Trifft teilweise zu: 43
Trifft eher nicht zu: 11
Überhaupt nicht zutreffend: 11

„ Eine Geldanlage in Aktien bringt langfristig mehr Rendite als andere Anlageformen.“

Trifft voll zu: 9
Trifft weitgehend zu: 20
Trifft teilweise zu: 40
Trifft eher nicht zu: 16
Überhaupt nicht zutreffend: 15

„Eine Geldanlage in Aktien ist unsicher und riskant.“

Trifft voll zu: 25
Trifft weitgehend zu: 19
Trifft teilweise zu: 33
Trifft eher nicht zu: 13
Überhaupt nicht zutreffend: 10

„Eine Geldanlage in Aktien ist einfach.“

Trifft voll zu: 7
Trifft weitgehend zu: 13
Trifft teilweise zu: 30
Trifft eher nicht zu: 24
Überhaupt nicht zutreffend: 26

„ Eine Geldanlage in Aktien erfordert gute wirtschaftliche Kenntnisse.“

Trifft voll zu: 29
Trifft weitgehend zu: 25
Trifft teilweise zu: 14
Trifft eher nicht zu: 5
Überhaupt nicht zutreffend: 8

„ Eine Geldanlage in Aktien ist auch für kleinere Anlagebeträge sinnvoll.“

Trifft voll zu: 6
Trifft weitgehend zu: 11
Trifft teilweise zu: 28
Trifft eher nicht zu: 27
Überhaupt nicht zutreffend: 28

Würden Sie 10.000 Euro für 25 Jahre in Aktien anlegen?

Den gesamten Betrag: 2
Mehr als die Hälfte: 11
Weniger als die Hälfte: 31
Nichts davon: 55

Wie häufig sprechen Sie über das Thema Aktien?

Häufig: 2
Gelegentlich: 8
Selten: 22
Nie: 67

Veränderung der Einstellung zu Aktien nach der Finanzkrise

Positiver: 3
Negativer: 31
Nicht verändert: 67

Natürlich ist Deutschland eine der größten Volkswirtschaften und verfügt über viele hoch kompetente, innovative und zukunftsträchtige Kapitalgesellschaften. Doch solche Heimatgewichtungen gehen zu weit. Denn damit hängt ihr Engagement sehr stark von der heimischen Wirtschaft ab. Das ist in den Jahren, in denen die deutsche Exportmaschine läuft wie am Schnürchen, sicher gut.

Nur kann sich das auch irgendwann wieder ändern. Gerät der deutsche Wachstumsmotor ins Stottern, dann würgt das auch die Rendite im Depot ab Auch mit einer weltweit differenzierten Streuung hat die Heimatverliebtheit nichts mehr zu tun. Im Weltaktienindex MSCI World kommt Deutschland gerade mal auf einen Anteil von knapp vier Prozent. In den Depots der Privatanleger sieht das ganz anders aus.

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