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27.07.2016

14:52 Uhr

EZB-Anleihenkäufe

Kreditvergabe an Unternehmen im Euro-Raum zieht an

Seit Monaten pumpt die EZB über den Kauf von Staatsanleihen Milliarden in das Finanzsystem, seit kurzem kauft sie auch Firmenanleihen auf. Die EZB-Maßnahmen scheinen sich nun positiv auf die Kreditvergabe auszuwirken.

Mit Käufen von Firmenanleihen will die EZB die Renditen der Titel drücken und sie so für Banken als Investment unattraktiv machen. dpa

EZB-Chef Mario Draghi

Mit Käufen von Firmenanleihen will die EZB die Renditen der Titel drücken und sie so für Banken als Investment unattraktiv machen.

FrankfurtDie Flut an billigem Zentralbank-Geld findet langsam den Weg in die Wirtschaft. Geldhäuser in der Euro-Zone reichten im Juni 1,7 Prozent mehr Kredite an nicht zur Finanzbranche zählende Unternehmen aus, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Im Mai hatten sie noch 1,6 Prozent mehr Darlehen vergeben. An Privathaushalte gewährten die Institute im Juni ebenfalls 1,7 Prozent mehr Kredite als vor Jahresfrist.

Seit März 2015 pumpen die Euro-Wächter über den Kauf von Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem. Das noch bis mindestens Ende März 2017 laufende EZB-Programm ist inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegt. Seit kurzem umfasst es auch Firmenanleihen.

Mit den in Deutschland umstrittenen Käufen will die EZB die Renditen der Titel drücken und sie so für Banken als Investment unattraktiv machen. Stattdessen sollen sie mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben. Denn das nützt der Konjunktur und sorgt so dafür, dass die aus EZB-Sicht momentan unerwünscht niedrige Inflation im Währungsraum wieder zunimmt.

Die Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB: OMT und QE

Das „Outright-Monetary-Transactions“-Programm...

...wurde 2012 auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise beschlossen. „OMT“ steht für „Outright Monetary Transactions“, was übersetzt „direkte geldpolitische Geschäfte“ bedeutet.

(Quelle: Reuters)

Die Situation

Mit dem Programm sollen gezielt Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern aufgekauft werden, um extreme Renditeausschläge bei den Papieren einzudämmen. Als es beschlossen wurde, waren mit Italien und Spanien die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ins Fadenkreuz von Investoren geraten. Die Zinsaufschläge der Staatsanleihen schossen in die Höhe – den Staaten fiel es zunehmend schwerer, ihre Schulden zu bedienen. Die Länder drohten in eine gefährliche Schieflage zu geraten.

Das Ziel

Mit OMT-Käufen kann die EZB in genau solchen Situationen gezielt gegensteuern. Denn Investoren steht die Notenbank dann als mächtiger Gegenspieler mit prinzipiell unerschöpflicher Finanzkraft gegenüber. Voraussetzung für den Ankauf von Staatsanleihen im Rahmen von OMT ist jedoch, dass sich das betreffende Land einem Rettungsprogramm unterwirft.

Die Praxis

OMT wurde noch nie aktiviert. Es gilt dennoch neben dem berühmt gewordenen Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, die Notenbank werde alles tun („Whatever it takes“), um den Euro zu verteidigen, als stärkste Waffe im Kampf gegen die Schuldenkrise und Spekulationen gegen den Euro. Schon die Ankündigung, die EZB werde wenn erforderlich unbegrenzt Anleihen aufkaufen, beruhigte damals die Märkte.

Die Kritik

Kritiker werfen der EZB vor, mit OMT gezielt einzelne Krisenstaaten mit der Notenpresse indirekt zu finanzieren. Denn Staatsanleihenkäufe hätten unter anderem zur Folge, dass die Zinsaufschläge der betreffenden Bonds sinken, so dass die Länder ihre Schuldendienste leichter leisten können. Die Notenbank argumentiert, ihr gehe es darum, den Zusammenhalt des Währungsraums zu wahren und Verzerrungen auf den Märkten zu beheben. Deren Funktionieren ist für ihre Geldpolitik von größter Bedeutung, weil sie als erste auf Zinsänderungen und andere EZB-Schritte reagieren. Seien diese Märkte gestört, könne die Geldpolitik nicht wirken, argumentiert die Notenbank.

Das „Quantitative Easing“ dagegen...

...ist ein Abwehrgeschütz gegen eine Deflation. Seit März 2015 kauft die EZB zusammen mit den nationalen Notenbanken im Währungsraum im Rahmen eines anderen Programms – „QE“ genannt – Staatsanleihen der Euro-Länder auf. „QE“ steht dabei für „Quantitative Easing“, was ins Deutsche übersetzt quantitative Lockerung bedeutet.

Das Ziel von „QE“

QE soll die derzeit aus EZB-Sicht viel zu niedrige Inflation künstlich anheizen. So soll eine ruinöse Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, nachlassendem Konsum und zurückgehenden Investitionen verhindert werden. Dies nennen Volkswirte „Deflation“. Dagegen gibt es kaum ein wirksames geldpolitisches Mittel. Das zeigt etwa der Blick auf Japan, wo die Wirtschaft gut ein Jahrzehnt lang in einer Deflation gefangen war.

Der Unterschied

QE wird als geldpolitisches Instrument für ganz andere Zwecke eingesetzt als OMT. Letztendlich ist bei QE die Wiederherstellung von Preisstabilität das Ziel, was die EZB als Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent definiert. Denn dann besteht ein ausreichender Sicherheitsabstand zu einer Deflation. Bis mindestens Ende März 2017 will die EZB im Rahmen dieses Programms Staatsanleihen und andere Wertpapiere – darunter seit kurzem auch Firmenanleihen – im Volumen von insgesamt 1,74 Billionen Euro erwerben. Pro Monat sind Wertpapierkäufe im Volumen von 80 Milliarden Euro geplant.

Die für die Euro-Zone wichtige Geldmenge M3 nahm im Juni um 5,0 Prozent zu. Experten hatten genau damit gerechnet. Zur Geldmenge M3 zählen unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere, sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Von

rtr

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