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29.06.2015

16:36 Uhr

EZB-Anleihenkaufprogramm

Währungshüter kaufen weiter Staatsanleihen

Das EZB-Kaufprogramm geht weiter in die Offensive: Die Anleihenbestände stiegen mit 193,9 Milliarden Euro auf ein Rekordlevel. Allein in der vergangenen Woche sollen knapp zwölf Milliarden Euro ausgegeben worden sein.

Die Sonne scheint durch eine Fahne der Europäischen Union (EU) vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. dpa

EU-Flagge vor der EZB in Frankfurt

Die Sonne scheint durch eine Fahne der Europäischen Union (EU) vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank hat ihr riesiges Anleihen-Kaufprogramm in der vergangenen Woche in großen Schritten vorangetrieben. Die EZB und die nationalen Notenbanken erwarben seit Programmstart am 9. März inzwischen öffentliche Schuldtitel für insgesamt 193,9 Milliarden Euro, wie die Währungshüter am Montag in Frankfurt mitteilten. Damit nahm die EZB im Vergleich zur Vorwoche für etwa 11,7 Milliarden Euro zusätzliche Papiere in ihre Bücher. In der Gesamtzahl sind bis zum 26. Juni abgewickelte Käufe enthalten.

Die Euro-Wächter wollen pro Monat im Schnitt Wertpapiere im Umfang von etwa 60 Milliarden Euro erwerben. Dazu zählen neben Staatsbonds auch Pfandbriefe ("Covered Bonds") und Hypothekenpapiere ("ABS"). Bis mindestens September 2016 soll das Programm laufen und insgesamt ein Volumen von 1,14 Billionen Euro haben. Vor der Urlaubszeit will EZB-Chef Mario Draghi die Käufe bescheunigen. Im Juli und im August sollen dann weniger Wertpapiere gekauft werden.

Mit der großen Geldschwemme will Draghi erreichen, dass Banken wieder mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben, was letztlich die Konjunktur anschieben und die Inflation antreiben soll. Denn durch die Käufe sollen Investitionen in Anleihen für Finanzinstitute weniger rentabel werden.

Nutznießer niedriger Zinsen

Staat

Der Staat verschuldet sich günstig. Für Steuerzahler bedeuten niedrigere Zinsausgaben des Staates tendenziell eine Entlastung.

Unternehmen

Unternehmen können sich günstig finanzieren. Das sichert und schafft Arbeitsplätze.

Häuslebauer

Wer einen Baukredit benötigt oder eine Anschlussfinanzierung, freut sich über niedrige Zinsen.

Das Ziel: Sie sollen stattdessen mehr Darlehen ausreichen. Die aktuell sehr niedrige Inflation im Währungsraum soll auf diese Weise wieder in Richtung des EZB-Ziels von knapp zwei Prozent bewegt werden. Die EZB sieht eine solche Rate als förderlich für die Wirtschaftsentwicklung an. Im Mai zog die Teuerung nur um 0,3 Prozent an.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

29.06.2015, 18:14 Uhr

Vielleicht etwas abwegig, wächst dennoch der Verdacht, die Staatsanleihen werden von der EZB vor allem deswegen angekauft, weil damit das Bankensystem gegen zu viele potentiell faule Eier im Nest geschützt werden soll.

Nachdem es mit Griechenland so fix ging, daß man sich in Brüssel immer noch die dicken Augen reibt, muß Politik und Notenbank auf alles gefasst sein - und natürlich vor allem der Steuerzahler.

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