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19.01.2017

10:27 Uhr

EZB-Ausblick

Mario Draghis Inflations-Dilemma

VonJan Mallien

Der Notenbankchef ist vor der heutigen EZB-Ratssitzung in einer schweren Lage. Die Preise in Deutschland ziehen an, doch anderswo in der Euro-Zone stagnieren sie. Mario Draghi gerät von allen Seiten unter Druck.

EZB-Chef Draghi: Die steigende Inflation bringt die Notenbank ihrem Preisziel näher, aber macht das Leben für den Italiener nicht unbedingt leichter. Reuters, Sascha Rheker

Mario Draghi

EZB-Chef Draghi: Die steigende Inflation bringt die Notenbank ihrem Preisziel näher, aber macht das Leben für den Italiener nicht unbedingt leichter.

FrankfurtEin lila Monster mit Wampe, klaffenden Zahnlücken und rotem Irokesenschnitt, das mit Geldscheinen um sich wirft. So stellt sich die Europäische Zentralbank (EZB) die Inflation vor - zumindest in einem Lehrfilm für Schüler, den sie auf ihrer Webseite anbietet.

Lange schien das Monster verschwunden zu sein, doch nun ist es wieder erwacht. Im Dezember stiegen die Preise in Deutschland um 1,7 Prozent - und damit deutlich stärker als in den anderen Euro-Ländern. In Italien und Griechenland lag die Teuerung im gleichen Zeitraum nur knapp über der Nullgrenze. Das bringt die Europäische Zentralbank (EZB) und ihren Chef Mario Draghi in Schwierigkeiten.

Ifo-Chef Clemens Fuest: „Die EZB sollte die Anleihekäufe reduzieren“

Ifo-Chef Clemens Fuest

Premium „Die EZB sollte die Anleihekäufe reduzieren“

Der Chef des Ifo-Instituts geht davon aus, dass sich die Deutschen an eine höhere Inflation gewöhnen müssen. Im Interview spricht er über die Unterschiede im Euro-Raum und einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik.

Denn vor allem in Deutschland drängen Politiker und Ökonomen auf ein schnelles Auslaufen der milliardenschweren Anleihekäufe der Notenbank. „Die EZB sollte die Anleihekäufe ab April um monatlich zehn Milliarden Euro reduzieren,“ sagt der Chef des Münchner Ifo-Instituts Clemens Fuest. Ihm gehe es um das Signal, dass die EZB nicht plane, die Inflation über knapp zwei Prozent hinaus ansteigen zu lassen.

Auch von politischer Seite nimmt der Druck zu. Die höhere Inflation in Deutschland sorgt dafür, dass die Zinsen für Sparer den Kaufkraftverlust nicht mehr ausgleichen. Dadurch droht die Geldpolitik auch ein Wahlkampfthema für die Bundestagswahlen zu werden.

Zentralbanken und Negativzinsen

Japan

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,1 Prozent

Schweiz

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,75 Prozent (15.01.2016)

Einlagenzinssatz für Banken: gestaffelt -0,75 Prozent

Dänemark

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,05 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,65 Prozent

Schweden

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,5 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,5 Prozent

Euro-Zone

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,4 Prozent

„Es wird vermutlich richtig sein, wenn die EZB in diesem Jahr anfängt, den Einstieg aus dem Ausstieg zu wagen“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kürzlich in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Er teile die Sorgen der deutschen Sparer. Diese Sorgen würden in diesem Jahr mit der anziehenden Inflation noch größer.

Kommentare (32)

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Herr Peter Kastner

19.01.2017, 10:41 Uhr

Wenn die Zinsschere zwischen USA und Europa weiter auseinandergeht, und alles deutet darauf hin, wird es massive Kapitalabflüsse in Richtung USA geben, wenn dort Geld wieder Zinsen abwirft. Wer will denn in Europa noch Strafzinsen zahlen?
Oder es werden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Schöne Aussichten...

Account gelöscht!

19.01.2017, 10:46 Uhr

EU-Deutschland hat halt keinen Volkswirtschaftler Trump und sein Team sondern eine im DDR System aufgewachsene Merkel die statt Marktwirtschaft die Grün-Sozialistsiche Planwirtschaft ala DDR in EU-Deutschland eingeführt hat.
Stichwort...CO2 freie Gesellschaft, Energiewende, Kernkraftausstieg, Fleischverbot, Genderwahn...alles "Grüne" Themen, die von einer Kommunistisch geprägten Merkel im Schwarzen Schafspelz mitgetragen und damit unterstützt worden ist.

Rainer von Horn

19.01.2017, 10:51 Uhr

Zitat:
"Im Dezember stiegen die Preise in Deutschland um 1,7 Prozent - und damit deutlich stärker als in den anderen Euro-Ländern."

Da die EZB Geldpolitik für den gesamten Euroraum macht und nicht für Deutschland alleine, hatr die EZB also gar kein Problem. Vor allem, wenn man sich auf die Entwicklung der Kerninflation zurückzieht. Also weiter wie gehabt...

@Herr Kastner
Am Ende wird in Deutschland nichts aber auch gar nichts mehr übrig sein, von dem Land, das es mal war. Alles geopfert für "europäische Werte". Und da gehören scheinbar Strafzinsen und Kapitalverkehrskontrollen genauso dazu wie die Abschaffung von Bargeld und das Edelmetallverbot.

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