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22.03.2016

12:46 Uhr

EZB-Bankenaufseherin Nouy

„Faule Kredite belasten Profitabilität der Banken“

Die oberste Bankenaufseherin in Europa, Danièle Nouy, sieht die Bilanzen europäischer Banken noch immer durch viele faule Kredite belastet. Die EZB werde die Situation prüfen – und maßgeschneiderte Pläne erarbeiten.

„Die EZB wird in den nächsten Quartalen die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle der Banken sorgfältig untersuchen“ AFP; Files; Francois Guillot

Bankenaufseherin Danièle Nouy

„Die EZB wird in den nächsten Quartalen die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle der Banken sorgfältig untersuchen“

Frankfurt am MainGeldhäuser im Währungsraum haben aus Sicht der EZB-Bankenaufsicht immer noch viel zu hohe Bestände an notleidenden Krediten in ihren Büchern. „Faule Kredite belasten die Profitabilität und das Kapital, sie bremsen die Fähigkeit der Banken, neue Kredite an Kunden zu vergeben“, sagte die oberste Bankenaufseherin der Europäischen Zentralbank (EZB), Daniele Nouy, am Dienstag vor einem Ausschuss des Europaparlaments in Brüssel.

Die allgemeine Lage der Institute habe sich 2015 zwar verbessert. Die vielen Problemdarlehen seien aber eine Herausforderung. Nach Einschätzung der Französin behindern unter anderem ineffektive Insolvenzgesetze in manchen Ländern einen raschen Abbau. Auch die niedrigen Zinsen im Euro-Raum könnten zu schwachen Gewinnaussichten der Häuser beitragen.

Die Idee, faule Kredite in großem Umfang einfach abzuschreiben, wies Nouy zurück. Sie sei skeptisch, ob ein einzelnes Werkzeug auf unterschiedliche Situationen passe. „Das würde auch gegen die Errichtung einer vernünftigen Kultur gehen, die besagt 'man begleicht seine Schulden'.“

„Die EZB wird in den nächsten Quartalen die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle der Banken sorgfältig untersuchen“, kündigte Nouy an. Die Bankenaufsicht werde auch dieses Jahr eng mit den Geldhäusern zusammenarbeiten und für sie individuelle und maßgeschneiderte Pläne erarbeiten. Es werde zwar einige Zeit dauern, notleidende Kredite abzubauen. „Über die nächsten paar Jahre können aber gute Fortschritte erwartet werden“, sagte die Französin.

Die Bankenaufseherin bekräftigte ihre Sorge, die aktuell sehr niedrigen Zinsen im Euro-Raum könnten die Gewinnstärke mancher Geldhäuser eintrüben. „Mittelfristig könnte dies die Tragfähigkeit einiger Geschäftsmodelle beeinflussen“, warnte sie. Die EZB hatte kürzlich alle Leitzinsen gesenkt – den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld sogar erstmals auf 0,0 Prozent.

Die EZB ist seit Herbst 2014 für die direkte Aufsicht über die 129 größten Geldhäuser in der Währungsunion zuständig. In Deutschland überwacht sie unter anderem die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Von

rtr

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