Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.11.2014

12:17 Uhr

EZB bereit zu Staatsanleihe-Käufen

„Wir werden das tun, was wir tun müssen“

EZB-Präsident Mario Draghi macht die Tür zum Kauf von Staatsanleihen weit auf. Die Notenbank sei „ohne unnötige Verzögerung“ dazu bereit. Der Euro fällt rasch, die Aktienmärkte jubeln.

EZB-Präsident Mario Draghi in der Frankfurter Oper: „Wir werden das tun, was wir tun müssen“. dpa

EZB-Präsident Mario Draghi in der Frankfurter Oper: „Wir werden das tun, was wir tun müssen“.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) kommt dem Einsatz noch massiverer Geschütze gegen die drohende Deflation immer näher. EZB-Präsident Mario Draghi erklärte am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt, er werde die schwache Teuerung wenn nötig mit allen Mitteln anheizen, um die Konjunktur in der Euro-Zone zu beleben. „Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie es unser Auftrag verlangt.“

Dafür sei die EZB unter seiner Führung bereit, bei Bedarf noch stärker an den Finanzmärkten zu intervenieren und über Wertpapierkäufe – auch den umstrittenen Kauf von Staatspapieren – mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen – „ohne unnötige Verzögerung“.

Mario Draghis Krisenkurs in Zitaten

Amtsantritt am 3.November 2011 in Frankfurt

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung.“

26. Juli 2012 in London

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

EZB-Sitzung am 4. Juli 2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

Nach der Leitzinssenkung am 7. November 2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern – das sehen wir nicht.“

Gespräch mit Altkanzler Schmidt am 7. November 2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

EZB-Sitzung am 3. April 2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

EZB-Sitzung am 8. Mai 2014

„Der EZB-Rat fühlt sich wohl damit, beim nächsten Mal zu handeln.“

EZB-Konferenz am 26. Mai 2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

Die Inflation in der Euro-Zone liegt derzeit bei durchschnittlich 0,4 Prozent, die Zielmarke der EZB liegt bei knapp zwei Prozent. Der EZB-Rat entscheidet das nächste Mal Anfang Dezember über den geldpolitischen Kurs der Zentralbank.

Viele Fachleute rechnen in diesem Jahr aber nicht mehr mit dem Einsatz weiterer Maßnahmen, weil zahlreiche der jüngsten EZB-Beschlüsse noch nicht vollständig umgesetzt sind. Dennoch halten sich die Spekulationen auf breit angelegte Staatsanleihenkäufe der EZB, die damit anderen Notenbanken nacheifern würde. Draghi selbst hatte zuletzt wiederholt diese Möglichkeit – im Fachjargon der Währungshüter Quantitative Easing (QE) genannt – angedeutet.

Mit seinen klaren Worten schickte Draghi den Euro am Devisenmarkt deshalb massiv auf Talfahrt. Der Wert der Gemeinschaftswährung fiel binnen weniger Minuten um mehr als einen US-Cent auf 1,2431 Dollar. Dax und EuroStoxx legten am Freitag jeweils rund 1,7 Prozent auf 9654 und 3156 Zähler zu.

Die EZB hat zuletzt mit dem massenhaften Aufkauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen begonnen und pumpt in den nächsten zwei Jahren zudem viele Milliarden in das Finanzsystem. Sie will ihre Bilanz um rund eine Billion aufblähen. Um dies zu erreichen, könnten die Notenbanker demnächst auch Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aufkaufen. Letzteres ist in Deutschland heftig umstritten, ebenso im EZB-Rat.

Börse am Mittag

Dank Draghi: Dax schießt überraschend in die Höhe

Börse am Mittag: Dank Draghi: Dax schießt überraschend in die Höhe

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (66)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Margrit Steer

21.11.2014, 12:15 Uhr

Da kann man nur noch sagen, "willkommen 2. schwarzer Freitag"

Herr Josef Schmidt

21.11.2014, 12:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr C. Falk

21.11.2014, 12:31 Uhr

Zu Draghi und seiner Politik kann man alles notwendige erfahren in einem Interview mit dem Berliner Ökonomen
Markus C.Kerber, der auch den HB-Lesern kein Unbekannter sein dürfte.

Zu finden auf youtube oder bei RT-tv.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×