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01.11.2016

14:32 Uhr

EZB-Chef fünf Jahre im Amt  

Draghis Kritiker liegen meistens falsch

VonJan Mallien

EZB-Chef Mario Draghi hat in seiner fünfjährigen Amtszeit durchaus Fehler gemacht. Seine Kritiker konzentrieren sich aber häufig auf falsche Punkte – und liegen weit daneben. Eine Analyse.

Seit 1. November 2011 ist Mario Draghi Präsident der EZB. AP

Mario Draghi

Seit 1. November 2011 ist Mario Draghi Präsident der EZB.

Mario Draghi und die Deutschen führen keine Liebesbeziehung. Schon vor seinem Amtsantritt als EZB-Präsident wurde er vom deutschen Boulevard mit Häme und nationalen Stereotypen überzogen. „Mamma mia, bei den Italienern gehört Inflation zum Leben wie Tomatensoße zur Pasta!“, schrieb zum Beispiel die Bild-Zeitung.

Heute wissen wir: Nie war die Inflation in der Euro-Zone und in Deutschland so niedrig wie in der Amtszeit von Mario Draghi. 2015 stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland um gerade einmal 0,3 Prozent. Selbst zu Zeiten der Bundesbank hat es das nicht gegeben. Die meisten internationalen Ökonomen würden sich inzwischen wünschen, dass die Preise endlich stärker steigen. Denn sie fürchten nicht etwa Inflation, sondern eine sich selbst verstärkende Spirale aus sinkenden Preisen, Löhnen und wirtschaftlichem Niedergang.

Die Schlagzeile ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Kritiker von Draghi oft weit daneben liegen. Dabei gäbe es durchaus berechtigte Kritik. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Zentralbanken und Negativzinsen

Japan

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,1 Prozent

Schweiz

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,75 Prozent (15.01.2016)

Einlagenzinssatz für Banken: gestaffelt -0,75 Prozent

Dänemark

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,05 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,65 Prozent

Schweden

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,5 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,5 Prozent

Euro-Zone

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,4 Prozent

Ein weiterer populärer Vorwurf lautet: Draghi enteignet mit seiner Niedrigzinspolitik die (deutschen) Sparer. Tatsächlich sind die nominalen Zinsen, die Sparer von ihrer Bank bekommen, so niedrig wie nie. Entscheidend für die Sparer sind jedoch die Realzinsen. Das ist der Betrag, der den Sparern von ihren Zinsen nach Abzug der Inflation bleibt.

Das bedeutet: Je höher die Inflation, desto höher muss auch der Zins sein, um die Kaufkraft der Ersparnisse zu erhalten. Umgekehrt genügen bei einer geringen Inflation bereits niedrigere Zinsen.

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Seit nunmehr fünf Jahren ist Mario Draghi Präsident der Europäischen Zentralbank. Seine Politik steht oft im Kreuzfeuer der Kritik. Doch für die Probleme der Euro-Zone gibt es keine einfachen Lösungen. Eine Analyse.

Die (Nominal-) Zinsen sind zwar so niedrig wie nie, aber die Inflation ist sogar noch stärker gesunken. Die Deutsche Bundesbank kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass solche negativen Realzinsen in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland „eher die Regel als die Ausnahme“ gewesen seien. Sparer haben in der Vergangenheit vielleicht auch mal Zinsen von drei oder vier Prozent bekommen, aber damals lag die Inflation dann auch zum Beispiel bei fünf Prozent. Das heißt: Die Kaufkraft der Ersparnisse ist geschrumpft.

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