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04.02.2016

12:40 Uhr

EZB-Chef Mario Draghi

„Keine Rechtfertigung für Untätigkeit“

VonJan Mallien

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, strebt trotz der weltweit geringen Preisentwicklung eine Inflation von zwei Prozent an. Seine Botschaft: „Wenn wir den Willen haben, dann haben wir auch Mittel.“

Am 1. Februar verteidigte Draghi die Geldpolitik der EZB vor dem Europaparlament. dpa

EZB-Präsident Mario Draghi

Am 1. Februar verteidigte Draghi die Geldpolitik der EZB vor dem Europaparlament.

Frankfurt am MainAusgerechnet auf einer Veranstaltung der Bundesbank hat EZB-Chef Mario Draghi eindringlich vor der Gefahr einer längerfristig zu niedrigen Inflation gewarnt. „Je länger die Inflation zu niedrig ist, umso größer ist die Gefahr, dass sich die Inflation nicht automatisch wieder dem Ziel annähert“, sagte er. Gleichzeitig widersprach er dem Argument, die Notenbank könne nicht viel gegen die geringe Inflation ausrichten.

Historisch hat sich die Bundesbank immer besonders vor zu hoher Inflation gesorgt. Momentan aber liegt die Preissteigerung in den 19 Ländern der Eurozone bei nur 0,4 Prozent im Jahr – und damit meilenweit entfernt vom mittelfristigen EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Daher wachsen die Zweifel, ob die EZB ihr Ziel auf absehbare Zeit erfüllen kann.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Einige Ökonomen machen für die Abweichung strukturelle Faktoren verantwortlich, wie etwa die demografische Entwicklung, technologischen Fortschritt und die Globalisierung. Draghi räumt ein, dass diese Faktoren einen Einfluss auf die Inflation haben könnten. „Nichts aber deutet darauf hin, dass sie dauerhaft wirken.“ So werde der Preisverfall bei Energiepreisen allein schon wegen des Basiseffekts irgendwann aufhören. Gemeint ist, dass bei sinkenden Energiepreisen auch der Vergleichswert vom Vorjahr immer niedriger wird. Ähnlich sei dies beim elektronischen Handel. Draghi betonte, die Notenbank werde nicht vor der niedrigen Inflation kapitulieren: „Wenn wir den Willen haben, unser Ziel zu erreichen, dann haben wir auch die Mittel dazu.“

Zwar sei es eine Herausforderung, für die 19 wirtschaftlich sehr unterschiedlichen Staaten des Euroraumes eine gemeinsame Geldpolitik zu betreiben. „Aber diese Herausforderungen können gemildert werden. Sie rechtfertigen nicht Untätigkeit.“

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