Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2013

10:25 Uhr

EZB-Chefvolkswirt im Interview

„Europas Banken können sich selbst retten“

ExklusivDer EZB-Chefökonom ist zuversichtlich, dass die Steuerzahler nicht noch einmal für die Bankenrettung zahlen müssen. Aber auch Peter Praet weiß noch lange nicht, wie hoch der tatsächliche Kapitalbedarf sein wird.

FrankfurtDer Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Peter Praet, ist optimistisch, dass die europäischen Banken gerettet werden können, ohne die Steuerzahler erneut zu belasten. „Mein erster Eindruck ist, dass der Rekapitalisierungsbedarf überall vom Privatsektor gestemmt werden kann“, sagt Praet im Interview mit dem Handelsblatt.

Exakt werde die Notenbank den Kapitalbedarf aber frühestens in einem Jahr kennen. Erst dann könnten auch die Überprüfungen der Bankbilanzen und die Stresstests abgeschlossen sein, ergänzte der Belgier Praet.

Die EZB übernimmt im zweiten Halbjahr 2014 die Aufsicht über die europäischen Banken. Bevor es dazu kommt, gibt es jedoch noch eine Menge Arbeit. Anfang 2014 führt die EZB bei den Instituten eine Bilanzprüfung und einen Stresstest durch. Mit der Bilanzprüfung will die Notenbank feststellen, ob in den Banken, für die sie künftig zuständig sein soll, noch unerkannte Risiken schlummern.

Mögliche Kapitallücken sollen noch vor dem Start der Bankenunion geschlossen werden. An die Bilanzprüfung soll sich im Frühjahr ein Stresstest anschließen, der zeigt, wo die Banken in einer Krise am stärksten verwundbar sind.

Bei der Bilanzprüfung und den Stresstests muss die EZB zunächst auf externe Berater zurückgreifen. Man werde sich auch externer Dienstleister bedienen, kündigt Praet an. Um schnell arbeitsfähig zu werden muss Praet, der in der EZB auch für Personal zuständig ist, tausend Aufsichtsexperten einstellen.

Wegen des Aufgabenzuwachses fürchtet der Chefvolkswirt eine „mögliche Überlastung“ der EZB. Die Euro-Zone sei mit zu wenig handlungsfähigen Institutionen gegründet worden. „Dafür zahlen wir jetzt den Preis.“

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Die jüngste Ankündigung der EZB, die Zinsen „auf lange Zeit“ niedrig zu lassen oder sogar erneut zu senken, verteidigt Praet. Er sieht darin ein „starkes Signal“. Um Missverständnissen in der Interpretation von EZB-Entscheidungen vorzubeugen, schlägt Praet vor, „früher oder später“ Sitzungsprotokolle einzuführen. Die Frage, ob er zu Beginn der vergangenen EZB-Sitzung eine weitere Zinssenkung vorgeschlagen hatte, beantwortet der in dem Interview nur indirekt.

Das ganze Interview finden Sie zum Download im Handelsblatt-Shop.

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

allemeineentchen

12.07.2013, 10:38 Uhr

Sehr geehrter Herr Preat,
im Gegensatz zu Ihnen glaube ich nicht, daß sich die Bankenrettung durch den Steuerzahler erledigt hat. Die
Banken werden neue Wege finden, um genau diese Option zu erhalten. Darauf fußt schließlich deren Geschäftsmodell :
Hohe Risiken eingehen, dadurch hohe private Gewinne generieren, dann bei Eintritt des Risikofalles den
Steuerzahler heranziehen und dadurch die eigenen Gewinne
sichern !

Account gelöscht!

12.07.2013, 10:43 Uhr

Erster April? Wie sollen Abschreibungen in einem fraktionellen Reservesystem funktionieren? Wie? Wo kommt das Kapital zur Rekapitalisierung her?
Ich kann nicht glauben, dass so einer Chefökonom einer Notenbank ist.
Traumtänzer sind offensichtlich bei der EZB am Ruder, die glauben, man könne sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.
Bei der FED haben sie in den sauren Apfel gebissen und die Banken rekapitalisiert. Europa hat überhaupt nichts gemacht.

Account gelöscht!

12.07.2013, 10:43 Uhr

"Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Peter Praet, ist optimistisch, dass die europäischen Banken gerettet werden können, ohne die Steuerzahler erneut zu belasten"

Ohne jetzt beleidigend wirken zu wollen. Der erkennt nicht mal das Problem, dass die Banken selber das Problem sind.

Diese Aussage war nicht mehr noetig:

"Mein erster Eindruck ist, dass der Rekapitalisierungsbedarf überall vom Privatsektor gestemmt werden kann“, sagt Praet im Interview mit dem Handelsblatt."

Wir Buerger bezahlen halt dafuer...

"Die jüngste Ankündigung der EZB, die Zinsen „auf lange Zeit“ niedrig zu lassen oder sogar erneut zu senken, verteidigt Praet. Er sieht darin ein „starkes Signal"

Die Buerger noch mehr in die Pflicht zu nehmen...wirklich genial!

Wir bezahlen nicht nur fuer seine Ideen, sondern auch fuer das Gehalt dieses EZB-Chefoekonoms. Und bei all unserem finanziellen Input, ist dies sein Output?????

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×