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29.04.2015

12:52 Uhr

EZB-Daten

Banken vergeben wieder mehr Kredite

Die Kreditvergabe der Banken in der Euro-Zone hat im März leicht zugelegt. Auch die Geldmenge M3 als Indikator für Inflation und Deflation ist gestiegen – mehr als Experten erwartet hatten.

Die Banken haben an Privatpersonen und Unternehmen wieder mehr Kredite vergeben. dpa

Die Banken haben an Privatpersonen und Unternehmen wieder mehr Kredite vergeben.

Frankfurt Die Finanzhäuser vergaben im Berichtsmonat insgesamt 0,1 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen und private Haushalte als im Vorjahresmonat, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten mit einer Stagnation gerechnet. Die EZB hatte im Herbst ihr Wertpapier-Kaufprogramm gestartet, mit dem der Kreditfluss angeschoben werden soll.

Volkswirte äußerten sich positiv. Aus unserer Sicht scheinen die Daten zu zeigen, dass wir jetzt eine Trendumkehr bei der Kreditvergabe sehen, sagte Christian Lips von der NordLB. Darin spiegele sich auch eine erste Wirkung des Staatsanleihen-Kaufprogramms der EZB wider. Alles spricht dafür, dass wir uns in einer zyklischen Erholungsphase befinden. Citi-Volkswirt Guillaume Menuet zufolge macht sich langsam eine spürbare Lockerung der Kreditvergabe-Bedingungen bemerkbar.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Die EZB hatte im Herbst ihr Wertpapier-Kaufprogramm gestartet, mit dem der Kreditfluss angeschoben werden soll. Am 9. März begann sie zudem mit dem großangelegten Ankauf von Staatsanleihen. Damit soll bis September 2016 über eine Billion Euro in das Bankensystem gepumpt werden. Ein Ziel der Währungshüter: Die Finanzhäuser sollen ihr Engagement in Staatsanleihen reduzieren und stattdessen mehr Kredite an Unternehmen und Privatleute vergeben. In den ersten sieben Wochen erwarben die Währungshüter bereits für insgesamt 85 Milliarden Euro öffentliche Schuldtitel.

Geldmenge nimmt zu

Das Wachstum der für das Euro-Währungsgebiet wichtigen Geldmenge M3 lag im März bei 4,6 Prozent. Experten hatten mit einem Plus von 4,3 Prozent gerechnet. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Januar bis März) nahm M3 um 4,1 Prozent zu.

Die Geldmenge M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge gilt als Anzeichen für eine potenzielle Inflationsgefahr. Die Verbraucherpreise waren zuletzt jedoch rückläufig im Währungsraum: Im März verbilligten sich Waren und Dienstleistungen um 0,1 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Frau Nelly Sachse

29.04.2015, 12:03 Uhr

Wird bei der vermehrten Kreditvergabe auch die Kreditwürdigkeit und die Rückzahlungsfähigkeit von Firmen und Privatkunden geprüft, oder ist es bereits ein Erfolg, wenn mehr Gelder verteilt werden?
Wäre ich ein Bürger in Italien oder Spanien würde ich eine Firma gründen, viele Arbeitsplätze versprechen und hohe Kredite aufnehmen. Das würde doch sicher Draghi freuen. Da hätten seine Maßnahmen der lockeren Geldpolitik Erfolg.

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