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08.06.2015

19:27 Uhr

EZB-Direktor Mersch

EZB rechnet mit teurer Griechen-Rettung

Griechenland kostet extrem viel: Der EZB-Direktor Yves Mersch rechnet damit, dass die Griechenland-Rettung immer teurer werden könnte. Im EZB-Präsidium wird indes ein Ausstieg Athens aus der Euro-Zone nicht mehr ausgeschlossen.

„Je länger es dauert, desto teurer wird auch die Rettung werden.“ AFP

Yves Mersch

„Je länger es dauert, desto teurer wird auch die Rettung werden.“

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat vor einer weiteren Hängepartie bei der Rettung Griechenlands gewarnt. „Je länger es dauert, desto teurer wird auch die Rettung werden“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch am Montag bei einer Tagung in Frankfurt. „Man soll sich nichts vormachen: Wir reden nicht nur über das bestehende Programm, wir reden auch bereits über ein Nachfolgeprogramm.“

Das hoch verschuldete Griechenland ist von der Staatspleite bedroht und ringt seit Monaten mit den internationalen Geldgebern um neue Finanzhilfen. Das aktuelle Hilfsprogramm läuft Ende Juni aus. Mersch verteidigte den Kurs der EZB, griechische Banken mit Notkrediten über Wasser zu halten.

Die sogenannten Ela-Hilfen werden zwar von der nationalen Zentralbank vergeben, müssen aber regelmäßig von der EZB genehmigt werden. Streng genommen ist dies nur als vorübergehendes Instrument für im Grunde gesunde Banken gedacht.

Nutznießer niedriger Zinsen

Staat

Der Staat verschuldet sich günstig. Für Steuerzahler bedeuten niedrigere Zinsausgaben des Staates tendenziell eine Entlastung.

Unternehmen

Unternehmen können sich günstig finanzieren. Das sichert und schafft Arbeitsplätze.

Häuslebauer

Wer einen Baukredit benötigt oder eine Anschlussfinanzierung, freut sich über niedrige Zinsen.

Dass diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist im EZB-Rat umstritten. Zuletzt betrug das Ela-Volumen für Griechenland 80,7 Milliarden Euro. Mersch betonte, Ela werde in nationaler Verantwortung vergeben. Eine nationale Zentralbank dürfe allerdings nicht zu hohe Risiken eingehen: „Das eigene Finanzsystem zu retten, darf nicht Risiken für das gesamte europäische Finanzsystem mit sich bringen.“

Ein Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone würde nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Christian Noyer nicht für Instabilität in der Währungsunion sorgen. Eine solche Entwicklung würde nicht für die Euro-Zone sondern für Griechenland selbst ein Problem verursachen, sagte Noyer am Montag im kanadischen Montreal.

Für das von der Pleite bedrohte Land drängt die Zeit Noyer zufolge extrem, eine Vereinbarung mit den internationalen Kreditgebern zu erreichen. "Es ist eine Frage von Tagen", sagte der französische Notenbank-Gouverneur. Denn jedwede Einigung Ende Juni müsse noch von verschiedenen nationalen Parlamenten genehmigt werden.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte die jüngsten Vorschläge der für die Gläubiger maßgeblichen Institutionen EU-Kommission, IWF und Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag als "absurd" zurückgewiesen

Von

dpa

Kommentare (7)

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Herr Manfred Zimmer

08.06.2015, 18:36 Uhr

Wer ist eigentlich dafür zuständig, die Forderung nach dem Kassensturz zu stellen?

Was wurde "gemacht"?
Was hat es gekostet?
Was hat es gebracht?

Wenn ich mit der letzten Frage anfangen darf, dann stelle ich fest: Nichts!
Wenn jemand dieser einfachen Feststellung etwas entgegen setzen kann, lese ich seine Argumentation sehr gerne und aufmerksam.

Es hat Hunderte von Milliarden €, die Vernichtung der Altersversorgung der kleinen Leute in Deutschland, quasi die Enteignung der Sparer um "die Früchte", den Zins und letztlich auch den Zusammenbruch des deutschen Finanzsektors. Gleichzeitig hat die EZB nicht nur die Manipulation des Zinses durchgeführt, sondern auch die Bankenaufsicht übernommen, um festzustellen wie weit sie ihre Spielchen noch treiben kann.

Die eigentliche Macht in der EUhaben nicht die Politiker, sondern die EZB. Man kann sogar noch mehr präzisieren. Die Macht liegt in der Hand von Herrn Draghi. Er ist von keinem Bürger gewählt, hat keine Rechenschaft abzulegen. Er wird nicht einmal kontrolliert.

Was würde "gemacht"? Nicht nur die EZB hat Milliarden € nach Griechenland geschaufelt, sondern auch unsere Regierung hat hier Steuern eingetrieben und an "Griechenland" gezahlt. Ob die Zahlungen überhaupt in Griechenland ankamen, dass darf angezweifelt werden - zumindest wenn man von den vollständigen Zahlungen spricht.

Es ist gewiss nicht überzogen, wenn man feststellt, dass "alles aus dem Ruder gelaufen" ist. Die große Frage ist, wie man das Schiff wieder ins Fahrwasser zurück bringt. Kluge Leute kommen mit einem Vorschlag: "mit einem Lotsen!"

Ein Lotse zeichnet sich damit aus, dass er über Erfahrung verfügt, ein Fachmann ist, über Ortskenntnisse verfügt.

Wenn wir jetzt den direkten Vergleich wagen, dann müssen wir feststellen, dass solche Qualitäten weder bei deutschen Politikern noch bei ausländischen Politikern vorhanden sind.

Herr Manfred Zimmer

08.06.2015, 18:50 Uhr

Was Frau Merkel betr4ifft, so wissen wir, dass sie ihre Erfahrungen aus dem Sozialismus der ehemaligen DDR mitbringt und Dr. Schäuble seine Erfahrungen ausschließlich im deutschen Bundestag sammelte - der Organisation der verantwortungslosen Politiker. Man könnte so jeden einzelnen deutschen Politiker in die Prüfung nehmen, auf diese Aufgabe hin bezogen, findet man bei niemandem ein gutes Haar, das ihn als "Lotsen" qualifizieren könnte.

Was Juncker, oder überhaupt die Luxemburger angeht, muss man feststellen, dass diese Nummer, die hier gespielt wird, eindeutig zu groß ist. Nicht einmal unser Bundesverfassungsrichter Vosskuhle kann eine derart große Zahl richtig lesen.
Auf die Lügengeschichten des Herrn Juncker will ich nicht einmal mehr
eingehen.

Herr Manfred Zimmer

08.06.2015, 19:02 Uhr

"Der EZB-Direktor Yves Mersch rechnet damit, dass die Griechenland-Rettung immer teurer werden könnte. "

Sehen wir den Einwand positiv. Mersch sagt damit aus, dass jede Griechenland-Rettung immer teurer werden könnte. Daraus folgt, dass "Griechenland" niemehr so "billig" wird wie heute, wenn "der Stecker raus gezogen wird". Jede andere Entscheidung wäre "alternativlos" teurer.

Was hier den Bürgern als Rettung untergeschoben wird hat nicht nur kein definiertes Ziel, sondern beinhaltet nur die Steuereintreibung zum Füllen der hiesigen Steuerkasse zum Kapitaltransfer in ein Land, dass selbst darüber nachdenkt, den dortigen Steuerhinterziehern mit einer Amnestie entgegenzukommen. Die entgangenen Steuern würde quasi z.B. aus Deutschland aufgefüllt.

Es muss erlaubt sein, ob überhaupt jemand denkt oder jemals gedacht hat.

M.E. krankt das System nicht nur in Griechenland sondern auch hier daran, dass keine Überwachungsmechanismen installiert sind und Politiker glauben "die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben" oder es bereits ausreicht, wenn unfähige Leute behaupten, dass sie "nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet hätten".

Man muss sich den Spruch von Frau Merkel nur noch einmal sich anhören. Weshalb soll dann die ehemalige DDR, aus der sie herkommt, gescheitert sein? Etwa "weil man dort nicht nach bestem Wissen und Gewissen" an den wichtigen verantwortungslosen Stellen gearbeitet hat?

Wenn diese Politiker, wenn diese EZB weiterhin die Milliarden € nach bestem Wissen und Gewissen so hinauswirft, dann scheitert nicht nur der Euro sondern auch ganz Europa.

Wenn wir es mit dem Euro, wenn wir es mit der EU ernst meinen, dann brauchen wir Fachleute und keine Politiker in den entscheidenden Funktionen. Verantwortungslose Leute in entscheidenden Funktionen haben nie eine Lösung in stürmischer See erbracht.

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