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06.11.2014

16:13 Uhr

EZB

Draghi beflügelt die Phantasie der Märkte

In der Eurozone deuten die Zeichen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits. Auf der Pressekonferenz wies EZB-Chef Draghi außerdem Kritik an seinem Führungsstil zurück.

EZB-Chef Draghi hält mit seinen Aussagen die Märkte bei Laune. ap

EZB-Chef Draghi hält mit seinen Aussagen die Märkte bei Laune.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) bereitet weitere Schritte im Kampf gegen die gefährlich niedrige Inflation vor. Der EZB-Rat habe seine Fachabteilungen beauftragt, rasch neue Instrumente für den Notfall zu erarbeiten, sagte Notenbank-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Der EZB-Rat sei sich einig, zusätzliche Sondermittel zu nutzen, sollte die Teuerungsrate im Euroraum zu lange auf zu niedrigem Niveau bleiben. Draghi betonte jedoch: „Wir sind zuversichtlich, dass die ergriffenen Maßnahmen wirken werden.“

Draghi wies außerdem Kritik an seinem Führungsstil zurück. „Es ist normal, dass man unterschiedlicher Meinung sein kann. Das passiert überall“, sagte der Italiener. Er verwies dabei auf die Debatten über den richtigen geldpolitischen Kurs etwa in den USA, Großbritannien und Japan in den zurückliegenden Jahren. Dass der EZB-Rat gemeinsam hinter der Geldpolitik stehe, zeige sich daran, dass alle 24 darin vertretenen Zentralbanker das von ihm während der Pressekonferenz verlesene Eingangsstatement abgezeichnet und damit genehmigt hätten.
Spekuliert wird über den Kauf von Unternehmensanleihen, möglich wäre aber auch ein breit angelegter Kauf von Staatsanleihen („Quantitative Easing“/QE). Vor allem der Kauf von Staatspapieren ist umstritten. Kritiker meinen, die EZB würde damit Staatsfinanzierung mit der Notenpresse betreiben. DZ-Bank-Experte Thomas Meißner ist überzeugt: „Staatsanleihekäufe in großem Stil werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr starten.“

Mario Draghis Krisenkurs in Zitaten

Amtsantritt am 3.November 2011 in Frankfurt

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung.“

26. Juli 2012 in London

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

EZB-Sitzung am 4. Juli 2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

Nach der Leitzinssenkung am 7. November 2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern – das sehen wir nicht.“

Gespräch mit Altkanzler Schmidt am 7. November 2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

EZB-Sitzung am 3. April 2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

EZB-Sitzung am 8. Mai 2014

„Der EZB-Rat fühlt sich wohl damit, beim nächsten Mal zu handeln.“

EZB-Konferenz am 26. Mai 2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gab dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag einen Schub: Nach einem über weite Strecken trägen Handel schoss der Deutsche Aktienindex am Nachmittag auf über 9400 Punkte in die Höhe.

Das Geld im Euroraum machten die Währungshüter nicht noch billiger: Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Der Strafzins für geparktes Geld bei der EZB bleibt bei 0,2 Prozent. Von September auf Oktober war die Jahresteuerung im Euroraum leicht von 0,3 Prozent auf 0,4 Prozent gestiegen. „Das gibt der EZB Zeit, eine Pause einzulegen“, erklärte Unicredit-Volkswirt Marco Valli. Allerdings liegt die Inflation noch immer deutlich unter der EZB-Zielmarke von knapp 2,0 Prozent. Auf diesem Niveau sprechen die Währungshüter von stabilen Preisen. Billiges Geld heizt üblicherweise die Inflation an.

Doch an der niedrigen Teuerungsrate dürfte sich trotz der seit Jahren anhaltenden Geldschwemme der EZB auch nach eigener Prognose der Notenbank so schnell nichts ändern: Für 2014 erwartet die EZB bisher einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,6 Prozent. Für 2015 dann um 1,1 Prozent, 2016 schließlich um 1,4 Prozent. Draghi sagte, es deute manches darauf hin, dass die Prognosen noch einmal nach unten korrigiert werden könnten. Die neuen EZB-Vorhersagen gibt es im Dezember.

Volkswirte hatten vor der EZB-Sitzung nicht mit weiteren Maßnahmen der Notenbank gerechnet. An der Zinsschraube können die Währungshüter ohnehin nicht mehr drehen, wie EZB-Präsident Mario Draghi schon nach der Leitzinssenkung im September erklärt hatte: „Wir sind bereits am unteren Ende.“

Aktuell hofft Draghi, Geschäftsbanken über den Ankauf von Kreditpaketen (Asset Backed Securities/ABS) und Pfandbriefen entlasten zu können. Das soll den Instituten Freiräume für neue Darlehen verschaffen und so die lahmende Kreditvergabe in Schwung bringen.

Kommentare (16)

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Frau Pia Paff

06.11.2014, 17:06 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Holger Thom

06.11.2014, 17:13 Uhr

Genau wie es die Überschrift sagt: ...beflügelt die Phantasie der Märkte
Also weiter so und wie gehabt, neues Geld ins Spielcasino pumpen. Alles andere wie Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskraft im Euroraum, Bildung oder gar Umweltschutz ist Geschwätz von gestern. Es wird wohl noch eine Weile Dauern bis die nächste Blase platzt und selbst mit Gelddrucken nichts mehr geht. Dann merkt es auch der letzte Bildzeitungsleser in Deutschland, aber die Elite ist mit echten Geld schon abgetaucht, unsere Politiker sowieso.
Einen schönen Abend noch.

Herr Uwe Warschkow

06.11.2014, 17:22 Uhr

Im Prinzip hat Draghi nur das gesagt,was er immer sagt.Insofern ist es reine Phantasie, was die Märkte heute treibt.Beschlossen wurde nämlich gar nichts.Wie sagte es einst ein Kollege von mir:"Ist ja alles nur heiße Luft.".

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