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17.08.2015

16:11 Uhr

EZB

Draghi drosselt die Anleihenkäufe

Die EZB und die Notenbanken erwarben seit März Staatsbonds im Wert von 269,9 Milliarden Euro. Draghi will mit der Geldschwemme Banken dazu bewegen, mehr Kredite an die Wirtschaft zu vergeben. Nun drosselt er das Tempo.

Der EZB-Chef will mit der Geldschwemme Banken im Euro-Raum dazu bewegen, weniger in Anleihen zu investieren. AFP

Mario Draghi

Der EZB-Chef will mit der Geldschwemme Banken im Euro-Raum dazu bewegen, weniger in Anleihen zu investieren.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat das Tempo ihres über eine Billion Euro schweren Programms zum Kauf von Staatsanleihen geringfügig gesenkt. Die EZB und die nationalen Notenbanken erwarben seit dem Beginn der Käufe am 9. März Staatsbonds im Volumen von inzwischen 269,9 Milliarden Euro, wie die Euro-Wächter am Montag in Frankfurt miteilten. In der Woche zum 14. August nahmen sie für 10,2 Milliarden Euro Staatsanleihen in ihre Bücher. In der Woche zuvor waren es noch Bonds für 10,8 Milliarden Euro gewesen.

EZB-Chef Mario Draghi will mit der Geldschwemme Banken im Euro-Raum dazu bewegen, weniger in Anleihen zu investieren und stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft zu vergeben. Die Idee: Durch die Käufe sollen die Anleiherenditen sinken, wodurch Bondinvestments im Vergleich zur Kreditvergabe an Attraktivität einbüßen. Mit mehr Darlehen an die Wirtschaft würde die Konjunktur und damit auch die aktuell sehr niedrige Inflation angeheizt. Allerdings blieb bislang das Wachstum in der Euro-Zone eher kraftlos : Im zweiten Quartal legte es zum Vorquartal lediglich um 0,3 Prozent zu. Auch die Inflation ist mit nur 0,2 Prozent im Juli noch längst nicht nach dem Geschmack der EZB. Sie sieht stabile Preise mittelfristig bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Die Währungshüter wollen Monat für Monat im Schnitt Wertpapiere - Pfandbriefe („Covered Bonds“) und Hypothekenpapiere („ABS“) eingerechnet – im Volumen von rund 60 Milliarden Euro erwerben, aktuell während der Urlaubszeit etwas weniger. Das Gesamtprogramm soll mindestens bis September 2016 laufen und dann eine Größenordnung von 1,14 Billionen Euro haben. Griechische Staatsanleihen sind momentan vom Kaufprogramm ausgeschlossen.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

17.08.2015, 17:35 Uhr

Neben dem Euroraum schadet Draghi allen Märkten weltweit, denn seine riesigen Käufe verursachen Ungleichgewichte. Global muß man somit Mehrfinanzierungen aushalten, weil im Euroraum weniger finanziert werden kann - und Staaten sowie staatsähnliche Institutionen Probleme deswegen bekommen.

Dem Mann fehlt jedes Verantwortungsbewußtsein - wie auch den Regierungen unterm kranken Euro.

Herr reiner tiroch

18.08.2015, 08:43 Uhr

was für spannende nachrichten? heute drosselt er, morgen gibt er Gas, damit er übermorgen wieder etwas weniger kauft? und das, owohl ja garkeiner verkaufen wollte? dafür gibt es heute soviel zum Säue füttern, damit er etwas weniger kauft, um Morgen doch wieder etwas mehr zu nehmen.

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