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18.06.2016

08:36 Uhr

EZB

Draghi in der Höhle des Löwen

VonJan Mallien

Aus keiner anderen Partei bekommt EZB-Chef Mario Draghi so viel Kritik wie aus der CSU. Am Freitagabend hat er in München eine Laudatio für den Ehrenvorsitzenden der Partei, Theo Waigel, gehalten. Ein Ortsbesuch.

Wird oft aus München kritisiert. Reuters

Mario Draghi

Wird oft aus München kritisiert.

MünchenEs ist eine ungewöhnliche Kulisse vor der Mario Draghi gleich sprechen wird. Ein Kinosaal in der Münchener Hochschule für Film und Fernsehen. Auf der Bühne stehen neben dem Rednerpult ein Piano und eine Gitarre. In den roten Sesseln davor sitzen die Münchner High-Society und Promis wie zum Beispiel ZDF-Abendtalker Markus Lanz oder Cherno Jobatey.
Nicht nur die Kulisse ungewöhnlich – auch der Ort. Nirgendwo ist Mario Draghi so umstritten wie in Bayern. Für viele CSU-Politiker gehören scharfe Attacken gegen ihn quasi zum guten Ton. So hatte beispielsweise der bayerische Finanzminister Markus Söder jüngst die Bundesregierung dazu aufgerufen, einen „Richtungswechsel in der Geldpolitik“ einzufordern. Die Notenbank entwickle sich „mehr zu einer Filiale der Wallstreet als zu einer europäischen Bundesbank“.

Auf den ersten Blick erscheint es deshalb ungewöhnlich, dass Draghi am Freitagabend eine Laudatio in München ausgerechnet für den CSU-Ehrenvorsitzenden Theo Waigel hält. Doch die beiden verbindet eine lange Freundschaft und der gemeinsame Einsatz für den Euro. Als Bundesfinanzminister von 1989 bis 1998 war Theo Waigel einer der Architekten der Wirtschaftsunion mit der DDR und Wegbereiter für die Einführung des Euro.

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Begonnen habe ihre Freundschaft Anfang der 90er Jahre, erzählt Draghi. Waigel sei damals deutscher Finanzminister gewesen und er selbst habe als „einfacher Bürokrat“ im italienischen Finanzministerium gearbeitet. „Die Finanzminister in Italien haben damals im Rhythmus von weniger als einem Jahr gewechselt“, erinnert sich Draghi. Bei Treffen mit der deutschen Seite sei deshalb immer ein anderer Minister dabei gewesen. „Alles hat sich geändert, nur ich war immer da.“

Es war die Zeit, als der Maastrichter Vertrag über die Währungsunion verhandelt wurde. Waigels Lebenswerk forme Europa noch heute, sagt Draghi. „Er war jemand, der langfristig dachte und seinen Überzeugungen folgte, nicht dem Zeitgeist.“ Unter seinem Einfluss habe sich die Bundesregierung für den Euro entschieden. Und ihm sei zu verdanken, dass der Euro mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt „in einen Rahmen eingebettet wurde, der Haushaltsdisziplin gewährleistete.“

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