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21.12.2015

17:11 Uhr

EZB

Drei Risiken für Draghi

VonJan Mallien

Das neue Jahr könnte für Mario Draghi ungemütlich werden. Ungemach droht nicht nur aus den Schwellenländern. Der EZB-Chef hat zunächst auf eine neue große Geldspritze verzichtet. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Dem EZB-Chef steht ein schwieriges Jahr bevor. Reuters

Mario Draghi

Dem EZB-Chef steht ein schwieriges Jahr bevor.

FrankfurtEZB-Chef Mario Draghi ist böse Überraschungen gewöhnt. Die Euro-Zone ist so labil, dass selbst kleine Erschütterungen die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht bringen können. 2016 droht gleich von mehreren Seiten Ungemach: Die Krise in den Schwellenländern, die Zinswende in den USA aber auch die politischen Umwälzungen in Europa könnten das ohnehin schwache Wachstum in der Euro-Zone abwürgen. Das würde die EZB unter Zugzwang setzen.

Das wohl größte Risiko ist die Krise in den Schwellenländern. Dort liegt die private Schuldenquote inzwischen bei rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung – und damit deutlich höher als vor dem Ausbruch der Schwellenländer-Krise 1997/98. Besonders bedrohlich ist die Lage in China. Dort ist vor allem die Verschuldung der Unternehmen seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 rasant gestiegen.

EZB-Krisenkurs unter Draghi in Zitaten

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

4.7.2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

(Draghi legt sich nach der EZB-Sitzung vom 4.7.2013 erstmals in der Geschichte der Notenbank auf künftige Zinsentscheidungen fest)

7.11.2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern - das sehen wir nicht.“

(Draghi am 7.11.2013 nach der Senkung des Leitzinses von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent)

7.11.2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

(Draghi am 7.11.2013 in Hamburg bei einer Diskussion mit dem Altkanzler. Schmidt hatte gesagt, auf Draghi könne man sich verlassen)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet deshalb, dass viele staatliche Unternehmen in China zunehmend unter Stress geraten. Die chinesische Wirtschaft werde deshalb für mehrere Jahre vergleichsweise wenig wachsen. Auch für andere Schwellenländer könnte die hohe Verschuldung des Privatsektors zum Problem werden. Das würde vor allem die exportabhängige deutsche Wirtschaft hart treffen, die bisher der Motor des Wachstums in der Euro-Zone ist.

Das zweite Risiko ist die Zinswende in den USA. Die US-Notenbank Fed hat am Mittwoch erstmals seit fast zehn Jahren den Leitzins angehoben. Damit laufen die beiden größten Notenbanken der Welt in unterschiedliche Richtungen: Während die Fed in der Geldpolitik die Zügel strafft, hat die EZB sie erst im Dezember erneut gelockert. Bislang hat es das nur sehr selten gegeben.

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