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29.02.2012

11:15 Uhr

EZB-Dreijahrestender

529.530.810.000 Euro für Europas Banken

Die EZB stützt die Banken des Euro-Raums mit einer neuen Mega-Geldspritze. Sie stellt ihnen für drei Jahre Billiggeld zur Verfügung. Die Banken nahmen das Angebot dankend an und griffen erneut kräftig zu.

EZB flutet die Finanzmärkte erneut mit Geld

Video: EZB flutet die Finanzmärkte erneut mit Geld

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Die Europäische Zentralbank hat den Banken des Euroraums 529,5 Milliarden Euro für drei Jahre zum Zinssatz von einem Prozent geliehen. Das liegt im Rahmen der Schätzungen. Im Schnitt hatten Analysten erwartet, dass die Banken etwa 500 Milliarden Euro nachfragen würden.

„Das Volumen zeigt, dass das Bankensystem relativ ausbalanciert ist, sagte Heino Ruland von Ruland Research. „Interessant ist, wer diesmal zugegriffen hat. Ich gehe davon aus, dass es eine Verlagerung von den süd- zu den nordeuropäischen Banken gab. Dies würde bedeuten, dass das Geld eher der Realwirtschaft zugutekommt, weil die südeuropäischen Institute die Mittel eher zur Ablösung eigener Anleihen verwendet haben.“ An dem Geldmarktgeschäft der EZB beteiligten sich 800 Banken, das waren deutlich mehr als beim letzten Mal.

Bei einem ähnlichen Geschäft im Dezember hatten 523 Banken rund 500 Milliarden Euro nachgefragt. Das Programm der EZB soll vordergründig vor allem die Banken der Eurozone stützen. Da sich diese wegen der Schuldenkrise nicht mehr vertrauen, leihen sie sich untereinander kaum noch Geld. Durch ihre Hilfe will die EZB sicherstellen, dass sich die Banken weiter refinanzieren können.

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Die Notenbank hilft mit ihrer Geldspritze aber auch indirekt den Schuldenstaaten der Eurozone. Durch die Aktion der EZB können sich die Banken Geld zu Billigkonditionen leihen und es in höherverzinsliche Staatsanleihen der Krisenländern investieren. Seit dem Geschäft im Dezember sind Anleger wieder eher bereit, höhere Risiken einzugehen. Das spiegelt sich auch in den Renditen wieder: Die Risikoprämien der Staatsanleihen von Krisenländern wie Italien und Spanien sind zum Beispiel deutlich gefallen.

Analysten erwarten, dass sich der neue Geldregen ähnlich auswirkt. Allerdings dürfte der Effekt nicht mehr ganz so stark zu spüren sein, weil sich die Situation im Vergleich zum Dezember entspannt hat.

Das Refinanzierungsgeschäft der EZB ist zweifelsohne positiv für die Risiko-Anlagen und wird die Kernmärkte zusätzlich stützen, da die Banken ihre Überschussliquidität ja irgendwo unterbringen müssen," sagt Peter Chatwell von der französischen Großbank Credit Agricole.

Die Instrumente der EZB

Veränderung des Leitzinses

Mit der Veränderung des Leitzinses reagiert die EZB in erster Linie auf die Inflation im Euro-Raum. Steigen die Preise deutlich, zieht die Notenbank die geldpolitischen Zügel in der Regel an. Höhere Zinsen verteuern aber auch Kredite. Daher können sie Gift sein für die lahmende Wirtschaft von Krisenländern wie Griechenland oder Portugal. Die EZB muss also die Inflation bekämpfen, ohne die Konjunktur in den 17 Mitgliedstaaten des Euro-Raums abzuwürgen. Die Zinspolitik ist normalerweise das herausragende Instrument der Notenbank. In Krisenzeiten greift sie aber auch zu unkonventionellen Maßnahmen.

Ankauf von Wertpapieren

Nach dem Ausbruch der Euro-Schuldenkrise 2010 hat die EZB die Notenpresse angeworfen, um im großen Stil Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten zu kaufen. Die Währungshüter reagieren damit auf steigende Renditen für Anleihen der Schuldensünder. Für Portugal, Irland, Griechenland und zuletzt auch für Spanien und Italien war es dadurch teurer geworden, sich frisches Geld zu besorgen. Nach dem Einschreiten der EZB sanken die Renditen. Die Notenbank hat derzeit Anleihen von Problemstaaten im Volumen von 156,5 Milliarden Euro in ihren Büchern stehen, die sie auf dem sogenannten Sekundärmarkt gekauft hat, also beispielsweise bei Banken. Die EZB lässt sich ihr Engagement verzinsen. Gehen die Länder pleite, bleibt sie aber zumindest auf Teilen ihrer Forderungen sitzen.

Liquidität

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor drei Jahren versorgt die EZB die Banken großzügiger mit Geld als sonst. Sie stellt ihnen Kredite mit verschiedenen Laufzeiten zur Verfügung. Zuletzt drehte die EZB den Geldhahn wieder weit auf, weil die Kreditinstitute zögern, sich gegenseitig Geld zu leihen. Banken konnten sich für sechs Monate zum Leitzins von 1,5 Prozent so viel Geld borgen wie sie wollten (Vollzuteilung). In „normalen Zeiten“ sind die Laufzeiten kürzer und es wird nur eine festgelegte Summe versteigert. Daneben vergibt die EZB Darlehen mit kürzerer Laufzeit und mit begrenzter oder voller Zuteilung. Kritiker werfen der Notenbank vor, den Markt mit Geld zu fluten und damit neuen Finanzspekulationen Vorschub zu leisten.

Intervention an Devisenmärkten

Starken Wechselkursschwankungen können die Notenbanken mit dem Kauf oder Verkauf von Devisen begegnen. Die EZB setzte dieses Instrument im Jahr 2000 ein, als der Euro gegenüber dem Dollar einen Schwächeanfall erlitt. Im Kampf gegen einen zu starken Franken, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie belastet, hatte die Schweizer Nationalbank SNB erstmals seit mehr als 30 Jahren eine Obergrenze für den Frankenkurs eingeführt, die sie unter allen Umständen verteidigen will, indem sie Franken auf den Markt wirft und damit Euro kauft. Bei massiven Attacken gegen eine Währung können allerdings auch Notenbanken in die Defensive geraten. So wettete der legendäre Hedge-Fonds-Gründer George Soros im Jahr 1992 erfolgreich gegen das britische Pfund und zwang die Bank of England in die Knie.

Kommunikation

EZB-Präsident Mario Draghi ist äußerste Aufmerksamkeit gewiss, wann immer er sich äußert. Manchmal reicht schon die Andeutung, dass die Notenbank aktiv werden könnte, um Spekulationen beispielsweise auf den Devisenmärkten zu beenden. Zugleich ist die EZB bemüht, die Märkte mit ihren Zinsentscheidungen nicht unnötig zu überraschen. Die EZB will - zumindest für Finanzprofis - berechenbar bleiben, damit nicht starke Wechselkurs- oder Aktienkursschwankungen das Vertrauen der Bürger in die Gemeinschaftswährung Euro erschüttern.

Bei dem EZB-Geschäft im Dezember hatten vor allem italienische und spanische Banken zugelangt. Zumindest einen Teil davon investierten sie in Staatsanleihen. Wie aus EZB-Statistiken hervorgeht, haben spanische Banken ihren Bestand an Staatsanleihen im Januar um 23 Milliarden Euro erhöht. Italienische Banken kauften Staatsanleihen im Wert von 21 Milliarden Euro hinzu. Doch es gab auch deutsche Bieter.

Der mit Abstand größte dürfte die Commerzbank-Tochter Eurohypo gewesen sein, die sich Finanzkreisen zufolge zehn Milliarden Euro bei der EZB lieh. Damit hat die Eurohypo teure, kurzfristige Kredite ihres Mutterkonzerns durch billiges Zentralbank-Geld ersetzt. Nach älteren Angaben finanziert die Commerzbank ihre Tochter mit 40 Milliarden Euro und lässt sich diese Kredite auch angemessen vergüten. Daher könnte die defizitäre Eurohypo erneut geneigt sein, beim EZB-Tender zuzugreifen. Entsprechende Andeutungen hatte Commerzbank-Chef Martin Blessing vor wenigen Tagen bereits gemacht.

Kommentare (49)

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Account gelöscht!

29.02.2012, 11:33 Uhr

Guten Appetit die Herren!

Therapeut

29.02.2012, 11:35 Uhr

Der Dealer hat die Junkies mit neuem Stoff versorgt.

Account gelöscht!

29.02.2012, 11:42 Uhr

History repeats!!! Viel Spass in der Zukunft wenn man in Zukunft mit 3-4 Goldmünzen wieder komplette Immobilien kaufen kann. Gibts nicht? Ja, genau wie das Wort Billionen vor Jahren noch nicht zur Debatte stand oder Staatsbankrott...

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