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19.02.2016

13:20 Uhr

EZB

Ende der Geheimniskrämerei

VonYasmin Osman

Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank stellt es Banken künftig frei, die von ihr vorgeschriebenen zusätzlichen Kapitalpuffer zu veröffentlichen. Bislang wollte die Zentralbank das verhindern.

Die Bankenaufsicht der EZB stellt es den Banken künftig frei, ob sie ihre zusätzlichen Kapitalpuffer veröffentlichen wollen. dpa

Europäische Zentralbank

Die Bankenaufsicht der EZB stellt es den Banken künftig frei, ob sie ihre zusätzlichen Kapitalpuffer veröffentlichen wollen.

FrankfurtDie Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) übt sich in mehr Transparenz: Die Aufseher stellen es Banken künftig frei, die zusätzlichen Kapitalpuffer zu veröffentlichen, die ihnen von der EZB vorgeschrieben werden. „Wir werden damit aufhören, Banken zu entmutigen, die Kapitalquoten öffentlich zu machen“, sagte Korbinian Ibel, der für Querschnittsthemen zuständige Generaldirektor der EZB-Bankenaufsicht.

Bislang hatte die EZB versucht, Banken davon abzuhalten, diese Extra-Puffer zu veröffentlichen. Bei Investoren stieß diese Heimlichtuerei jedoch auf Kritik: Viele Banken finanzieren sich über riskante Anleihen, die Verluste erleiden, wenn eine Bank diese individuellen Kapitalquoten nicht mehr erfüllt. Das Risiko solcher Hybrid-Anleihen können Investoren aber nur dann einstufen, wenn sie diese individuellen Kapitalvorschriften kennen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Deshalb hatte im Dezember auch die in London ansässige EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA alle europäischen Aufsichtsbehörden dazu aufgefordert, für mehr Transparenz zu sorgen. „Da wir Mitglied der EBA sind, werden wir diese Empfehlungen vollständig umsetzen“, sagte Ibel. Die EZB werde die Quoten allerdings nicht selbst veröffentlichen. Dies sei Aufgabe der Banken, die Höhe der angeordneten Kapitalpuffer dann auch selbst erklären könnten. „Mehr und mehr Banken werden diese Quoten künftig veröffentlichen“, ist sich Ibel sicher.

Den Anfang hatten vor kurzem Deutsche Bank und Commerzbank gemacht. Beide Großbanken müssen auf Geheiß der EZB eine Kapitalquote von 10,25 Prozent vorweisen. Auch der Verband der deutschen Privatbanken, der BdB, hatte sich kürzlich für Transparenz ausgesprochen. Auch in Italien ist eine Veröffentlichung üblich, dort wird dies aber auch gesetzlich von der Börsenaufsicht so vorgeschrieben.

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