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11.03.2016

06:17 Uhr

EZB-Entscheidung

Fehlzündung im Währungskrieg

VonFrank Wiebe

Die Ohnmacht der Europäischen Zentralbank erleichtert der US-Notenbank das Leben. Zumindest auf kurze Sicht steht die Fed dadurch weniger unter dem Druck des Devisenmarkts.

Die Fed immer wieder für Überraschungen gut: Notenbank-Chefin Janet Yellen. dpa

US-Notenbank

Die Fed immer wieder für Überraschungen gut: Notenbank-Chefin Janet Yellen.

New YorkZum zweiten Mal innerhalb weniger Monaten hat sich gezeigt, dass Mario Draghi nicht mehr Super-Mario ist. Wenige Minuten nachdem der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) seine geldpolitische Bazooka gezündet hatte, sagte der bekannte US-Ökonom Mohamed El-Erian in New York: „Die Märkte scheinen wie gewünscht zu reagieren. Die Frage ist nur, wie lange das anhält.“

Es hielt nicht lange. Schon während Draghis Pressekonferenz gerieten Kurse und Preise wieder auf Abwege. Er äußerte sich zurückhaltend zu der Frage, ob weitere geldpolitische Schritte zu erwarten seien, um die europäische Konjunktur anzutreiben und die Gefahr sinkender Preise zu bannen. Diese Zurückhaltung führte dazu, dass die Märkte im Laufe des Donnerstags den Glauben an Draghi verloren.

Die Aktien und Anleihen waren schwächer, der Euro stärker. Damit wurde klar: Während Draghi ein paar Jahre lang die Märkte bewegen konnte, indem er redete ohne zu handeln, folgen Sie ihm jetzt nicht einmal mehr, wenn er handelt.

Wachstum über Wechselkurse

Sie tun eher das Gegenteil von dem, was er ihnen vorgeben möchte. Draghi hatte die Leitzinsen noch weiter gesenkt und eine Erweiterung seines Ankaufs von Anleihen angekündigt – beides im historischen Vergleich, vor allem in Kombination, sehr weitgehende Schritte.

Für die US-Notenbank (Fed) wird das Leben dadurch aber zumindest kurzfristig leichter. Denn auch wenn keiner das Wort ausspricht: Die Welt befindet sich längst in einem Währungskrieg. Die Lesart von El-Erian lautet: „Weil das Wachstum weltweit schwächelt, versuchen die Staaten, sich über die Wechselkurse gegenseitig Wachstum wegzunehmen.“

Genau so interpretiert er Draghis Politik, betont aber gegenüber seinen amerikanischen Zuhörern: „Wir haben das vorher genau so gemacht mit dem massiven Ankauf von Anleihen.“ Wenn Draghi aber den Euro nicht weiter drücken kann, muss sich die Fed weniger wegen eines zu starken Dollars sorgen.

Während Japan und Europa mit Minuszinsen experimentieren, versucht die Fed, die Zinsen zu erhöhen. Nach einem ersten Schritt im Dezember tagt sie erneut in der kommenden Woche. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sie dann nichts unternehmen.

Beschlüsse der EZB am 10. März 2016

Niedrigerer Leitzins

Die EZB senkt den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent. Der Schritt selbst hat wenig direkte Auswirkungen. Hierbei geht es vor allem um das damit verbundene Signal, dass die EZB entschlossen handelt.

Höherer Strafzins

Die EZB senkt den Einlagenzins im Euro-Raum von minus 0,3 auf 0,4 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine noch höhere Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Allerdings belastet dies den labilen Bankensektor. Deshalb war im Vorfeld der Ratssitzung auch über eine Staffelung des Einlagezinses diskutiert worden, ähnlich wie in der Schweiz. Dabei würde der negative Einlagenzins erst dann greifen, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine bestimmte Obergrenze überschreitet.
Draghi hat sich aber gegen ein solches Modfell entschieden. Dies sei in einer Währungsunion mit sehr unterschiedlichen Banken nur schwer umzusetzen, sagte er.

Mehr Anleihenkäufe

Die EZB weitet das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Milliarden Euro aus. Dadurch erhöht sich Gesamtvolumen bis März 2017 um 240 Milliarden auf 1,74 Billionen Euro. Anleihekäufe seien ein Signal, das der Markt versteht, hatte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding im Vorfeld gesagt.

Dieser Schritt galt aber als durchaus umstritten. Für die Deutsche Bundesbank, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik kritisch sieht, ist diese Pille schwerer zu schlucken, als die Senkung des Einlagenzinses. Draghi sagte jedoch, der EZB-Rat habe die Maßnahmen mit einer „überwältigenden Mehrheit“ beschlossen. Durch das höhere Volumen stößt die EZB bei ihren Käufen schneller an Grenzen: Ihren selbst auferlegten Regeln zufolge darf sie keine Bonds kaufen, deren Zinsen unter dem Einlagesatz liegen (jetzt minus 0,4 Prozent). Und sie darf auch nicht mehr als 33 Prozent der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes erwerben.

Bei Anleihen von internationalen Organisationen oder Entwicklungsbanken wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) weitet sie dieses Limit nun auf 50 Prozent der ausstehenden Anleihen aus.

Firmenanleihen

Um Knappheit zu verhindern, weitet die EZB außerdem die Auswahl der von ihr gekauften Anleihen aus. Im Dezember hat sie das Sortiment bereits um Anleihen von Regionen und Kommunen im Euro-Raum erweitert. Nun kauft sie außerdem auch von in Euro notierenden Unternehmensanleihen mit gutem Rating (Investment Grade).

Kredite zum Traumtarif

Die EZB weitet ihr Programm aus, mit dem sie Banken zu sehr günstigen Konditionen langfristig Geld leiht, wenn sie mehr Kredite vergeben. Ab Juni sollen vier spezielle Kreditlinien – im Fachjargon TLTRO II genannt – für die Finanzinstitute mit einer Laufzeit von vier Jahren aufgelegt werden. Die Kosten orientierten sich am Einlagenzins, den die EZB jetzt auf minus 0,4 Prozent gesenkt hat. Banken können also Geld damit verdienen, sich Geld zu leihen.

Bereits seit 2014 bieten die Währungshüter gezielte Geldspritzen an. Sie sollen Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen zu vergeben. Allerdings brauchen viele Banken gar nicht mehr Liquidität. Dies hilft deshalb wohl lediglich einigen angeschlagenen Instituten.

Noch sind die Inflationszahlen nach überwiegender Meinung zu schwach, um eine weitere Zinserhöhung zu rechtfertigen, außerdem sitzen den Amerikanern die Turbulenzen an der Börse noch in den Knochen. Aber für den Rest des Jahres, etwa im Juni oder September, ist wieder alles offen.

Eine Weile kochten in den USA unter dem Eindruck des Einbruchs an der Börse Sorgen hoch, eine Rezession könnte aufziehen, oder eine Wiederholung der Finanzkrise zeichne sich ab. Mit der Erholung der Märkte sind diese Ängste nicht völlig gebannt, aber deutlich in den Hintergrund getreten.

Außerdem zeigt sich, dass die US-Wirtschaft ungerührt von den Ängsten der Börsianer neue Jobs schafft. Dass die Löhne trotzdem kaum anziehen liegt auch daran, dass Leute in den Arbeitsmarkt zurückkehren, die sich schon resigniert daraus verabschiedet hatten.

Damit ist die Lage wieder ähnlich wie im Dezember: Das Wachstum ist mäßig, aber stetig, der Arbeitsmarkt stark und die Inflation niedriger als gewünscht. Damit sind aber weitere Zinserhöhungen denkbar, sobald sich auch nur ein Hauch von etwas mehr Inflation zeigt.

Kommentare (56)

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11.03.2016, 08:31 Uhr

Ich habs zuerst entdeckt...lalalalaaaa....;)

Jetzt kommen sie gleich wieder alle

Farmer: egal...langfristig....Prämiumaktien

Marc: Untergang....Verschwörung....Merkel

Ralph:...alles toll...ich verdien dadurch Milliarden....Gold...Muse...Fuhrpark


BITTE HBO...lasst diese Kommentarfunktion offen...es ist so witzig......:)

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11.03.2016, 08:32 Uhr

Solange wir eine marktfeindliche Grüne Wirtschaftspolitik von Energiewende über Energieeinsparzwang hin zum CO2 Verbot mit immer mehr Subventionen und damit mit immer weniger Wertschöpfung (Mehrwertschaffung) betreiben solange wird die Verschuldung der Länder weitergehen ,der Mangel und die Verarmung in den Industrieländern zunehmen. Das CO2 ist nicht nur die Basis für unser Leben (aus CO2 wird O2) sondern auch die Basis für unsere wirtschaftliche Wertschöpfungskette...also unseren Wohlstand und Fortschritt.
Die Finanzwelt wird immer mehr von diesen staatlichen Subventionen (die ja keine wirtschaftliche Wertschöpfung in sich haben da eine Subvention immer gegen den Markt gerichtet ist) abhängig und die Finanzwelt will auch diese Subventionen die von der Politik nur ausgegeben werden (Geld der Steuerzahler) und nicht mühsam erwirtschaftet werden müssen. Somit schaltet diese Grüne Subventionspolitik die gesamt wohlstandsschaffende wirtschaftliche Wertschöpfungskette = Marktwirtschaft aus. Was bleibt für die Gesellschaft ist erst die Abhängigkeit von diesen Subventionslobbygruppen und wenn die Subventionen = Steuergelder verschwendet sind kommt der Mangel und die Armut über die bis dato verblendet und abgezockte Subventionsgesellschaft die die Freiheit ihrer eigenen Marktwirtschaft = Gesellschaft nicht mehr zu schätzen wusste uns sich in die Hand der Lobby- NGOs und Politik Subventionen begeben hat.

Account gelöscht!

11.03.2016, 08:33 Uhr

Noch geiler wäre aber carlos santos,,,auch mit seinen vielen Leerzeilen dazwischen....LOL

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