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12.05.2015

17:02 Uhr

EZB erhöht Ela-Hilfskreditrahmen

Weitere 1,1 Milliarden Euro für Hellas-Banken

Die Europäische Zentralbank hat laut Insidern den Notkreditrahmen für griechische Banken abermals erhöht. Das Gesamtvolumen der Ela-Hilfen wurde um 800 1,1 Milliarden Euro auf inzwischen 80 Milliarden Euro aufgestockt.

Griechische Banken sind zur Geldversorgung zunehmend auf die Notkredite ihrer heimischen Notenbank angewiesen. dpa

Griechenland

Griechische Banken sind zur Geldversorgung zunehmend auf die Notkredite ihrer heimischen Notenbank angewiesen.

AthenDie Europäische Zentralbank (EZB) belässt Insidern zufolge die griechischen Banken weiter am Geldtropf. Die Obergrenze für Liquiditätshilfen der Athener Notenbank für Hellas-Geldhäuser sei um 1,1 Milliarden auf inzwischen 80 Milliarden Euro erhöht worden, erfuhr Reuters am Dienstag von Insidern aus der Bankenbranche. Zu Wochenbeginn hatten die Euro-Finanzminister Fortschritte bei den zähen Gesprächen im Schuldenstreit mit Athen festgestellt.

Die Banken des von der Pleite bedrohten Mittelmeerlandes sind inzwischen stark auf die Liquiditätsspritzen – im Fachjargon „Ela“ genannt – der Athener Notenbank angewiesen. Denn die Institute sind von der direkten Geldversorgung über die EZB weitgehend abgeschnitten, da diese seit einiger Zeit bonitätsschwache griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheiten für frisches Geld annimmt.

Chronologie: Griechenland in der Schuldenkrise

März 2010

Das Parlament in Athen verabschiedet ein Sparprogramm. Bis 2013 will die Regierung im Haushalt 30 Milliarden Euro einsparen. Steuererhöhungen etwa auf Alkohol, Tabak, Benzin oder Luxusgüter sowie das Einfrieren der Renten sollen den Haushalt entlasten. Zudem wird für alle, die 2009 mehr als 100 000 Euro verdient haben, eine einprozentige Luxussteuer fällig. Massenproteste folgen. Die Euro-Länder sagen ein erstes Hilfspaket unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu, das im ersten Jahr ein Volumen von 45 Milliarden Euro haben soll.

April - Mai 2010

Griechenland beantragt offiziell ein Hilfsprogramm. Die Eurogruppe beschließt Notkredite in Höhe von 110 Milliarden Euro und verlangt im Gegenzug einen harten Sparkurs.

Oktober 2011

Nach einem EU-Doppelgipfel steht ein zweites Rettungspaket: Griechenlands private Gläubiger sollen freiwillig einem Schuldenschnitt von 50 Prozent zustimmen. Zudem soll es Kredithilfen von 100 Milliarden Euro geben und Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird.

Februar - März 2012

Das griechische Parlament stimmt einem Sparpaket über 14 Milliarden Euro zu, das auf Druck der internationalen Geldgeber mehrfach verschärft wird. Die Einschnitte sehen unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor sowie Entlassungen von 150 000 Staatsbediensteten bis 2015 vor.

November 2012

Athen billigt ein neues Sparpaket in Höhe von 13,5 Milliarden Euro als Voraussetzung für weitere Hilfen aus dem Ausland.

Juli 2013

Um eine Kredittranche von 6,8 Milliarden Euro zu erhalten, stimmt das Parlament in Athen weiteren Sparmaßnahmen zu. Es sieht unter anderem die Entlassung von 15 000 Staatsbediensteten vor. Bei Weiteren 25 000 Beamten werde die Einkommen gekürzt.

März 2014

Nach langen Verhandlungen Griechenlands mit den internationalen Geldgebern der Troika aus EU, IWF und EZB geben die Euro-Finanzminister neue Hilfen von insgesamt mehr als 8,3 Milliarden Euro frei. Das Geld solle in drei Raten ausgezahlt werden.

Januar 2015

Die Linkspartei Syriza unter Alexis Tsipras gewinnt die Parlamentswahl. Seine Popularität verdankt er der Ablehnung des vereinbarten Sparkurses.

Februar 2015

Finanzminister Gianis Varoufakis beantragt weitere Unterstützung. Im dritten Anlauf einigen sich die Euro-Finanzminister grundsätzlich auf eine Verlängerung der Finanzhilfen.

März 2015

Athen legt eine Liste mit Reformen vor, die pro Jahr drei Milliarden Euro einbringen sollen. Es geht vor allem um den Kampf gegen Steuerhinterziehung. Die internationalen Geldgeber halten die Liste für unzureichend und verlangen Nachbesserungen. Ein drittes Rettungspaket ist im Gespräch.

April 2015

Griechenlands stellvertretender Finanzminister Dimitris Mardas wehrt sich gegen Spekulationen, wonach eine Zahlungsunfähigkeit unmittelbar bevorsteht. Demnach kann sein Land am 9. April die Rate an den Weltwährungsfonds (IWF) überweisen.

April 2015 (2)

Vor einem Moskau-Besuch des Ministerpräsidenten weist Varoufakis Gerüchte zurück, Griechenland könnte Kredite außerhalb der EU wie etwa in Russland oder China aufnehmen.

Die europäischen Währungshüter entscheiden mittlerweile wöchentlich über die Aufstockung der Ela-Hilfen. Mit der Erhöhung in Einzelschritten hält EZB-Präsident Mario Draghi den Druck auf Athen aufrecht, mit den internationalen Kreditgebern eine Lösung im Schuldenstreit zu finden.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Heinz Keizer

12.05.2015, 18:09 Uhr

"Mit der Erhöhung in Einzelschritten hält EZB-Präsident Mario Draghi den Druck auf Athen aufrecht, mit den internationalen Kreditgebern eine Lösung im Schuldenstreit zu finden"

Der Witz ist gut. Dazu noch der Joke mit dem IWF-Kredit. Wie hoch inzwischen die Target II Verbindlichkeiten seit in den letzten Monaten gestiegen sind, erfahren wir auch nicht mehr. Aber die Atmosphäre bei den Gesprächen ist besser geworden.

Frau Nelly Sachse

13.05.2015, 10:57 Uhr

Wissen eigentlich die Steuerzahler der nördlichen EU-Staaten, daß sie mit ihren Steuergeldern für die Staatsfinanzierung von Griechenland durch die EZB irgendwann einmal bluten werden ?

Herr Günter Niemann

13.05.2015, 11:54 Uhr

Im Teaser: "... Das Gesamtvolumen der Ela-Hilfen wurde um 800 1,1 Milliarden Euro auf inzwischen 80 Milliarden Euro aufgestockt."
Was ist denn nun richtig? +800 oder +1.100 Mrd Euro?
Im Text ist von 1.100.000.000 EURO die Rede.
Der Saldo von 80 Mrd (80.000.000.000) EURO ist erschreckend, dürfte lediglich M. Draghi nicht sonderlich belasten.
Verdächtig, dass die aktuellen Zahlen zu Target-II nicht kommuniziert werden.

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