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24.05.2016

19:22 Uhr

EZB-Finanzstabilitätsbericht

Wovor Draghi zittert

VonJan Mallien

In ihrem Finanzstabilitätsbericht listet die Europäische Zentralbank die wichtigsten Risiken für das Währungssystem in Europa auf. Ungemach droht dem Euro vor allem durch einen Konjunktureinbruch außerhalb der Euro-Zone.

Der EZB-Chef hat derzeit viele Sorgen. AFP; Files; Francois Guillot

Mario Draghi

Der EZB-Chef hat derzeit viele Sorgen.

FrankfurtDas größte Risiko für das Euro-System lauert aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit nicht in Europa, sondern in China. In ihrem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht warnt die Notenbank davor, dass eine neuerliche Panik an den Finanzmärkten dort eine Kettenreaktion auslösen kann. Ähnlich wie zu Jahresbeginn könnte dies zu einer Flucht aus dem Risiko führen und auch die Öl- und Rohstoffpreise drücken. „Ein stärker als erwarteter Einbruch im Wachstum in China könnte zu einem parallelen Einbruch in anderen Schwellenländern führen“, heißt es. Vor allem Länder, die Öl und andere Rohstoffe exportieren, seien anfällig.

Grund zur Sorge sieht die EZB auch wegen der hohen privaten Schulden. „In mehreren Schwellenländern liegt die private Verschuldung auf einem historischen Höchststand und ein großer Teil davon ist in Fremdwährung notiert.“ Dies könnte sich als Problem erweisen. Denn mit jedem Prozent, um das die heimische Währung nachgibt, steigt dann die Schuldenlast. Dies hat in der Vergangenheit schon oft Finanzkrisen angeheizt.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Viele Schwellenländer sind außerdem stark vom Öl- und Rohstoffsektor abhängig, wo die Preise im Zuge der Turbulenzen in China stark nachgegeben haben. Das führt zu wegbrechenden Steuereinnahmen und höheren Schulden. Die EZB konstatiert außerdem eine größere Anfälligkeit des weltweiten Finanzsystems gegenüber dem Energiesektor. Viele Projekte im Öl- und Gasgeschäft sind kreditfinanziert. Eine längere Phase niedriger Ölpreise werfe daher Fragen über die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle von Ölfirmen auf.

Doch nicht nur Schwellenländer und Ölpreis bereiten der Notenbank Kopfschmerzen. Als zweites großes Risiko sieht die EZB die schwachen Gewinnaussichten für Banken und Versicherungen und den Berg an Krediten, den viele Institute vor sich herschieben. „Das Niedrigzinsumfeld, die schwache Wirtschaftsentwicklung und das herausfordernde Marktumfeld haben die Gewinne der Banken gedrückt,“ konstatiert sie.

Betroffen sind aber nicht nur die Banken. Auch der wachsende Bereich der Investmentfonds wird von der EZB als Risikofaktor gesehen. Seit der Finanzkrise 2008 hat sich die Größe dieses Sektors verdoppelt. Das rasche Wachstum könne zu Instabilität führen, weil der Sektor immer stärker mit dem Rest des Finanzsystems verwoben sei. Nicht zuletzt bereitet auch die Staatsverschuldung der EZB Sorge.

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