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27.07.2015

12:53 Uhr

EZB-Geldflut

Banken vergeben wieder mehr Kredite

Erfreuliche Nachrichten für EZB-Chef Mario Draghi: Mit seinen Anleihen-Aufkäufen wollte er das Kreditgeschäft antreiben. Das Programm scheint allmählich zu fruchten, Firmen und Haushalte erhalten wieder mehr Kredite.

So richtig rund läuft es für die EZB noch nicht. dpa

Die Euro-Skulptur vor der ehemaligen EZB-Zentrale in Frankfurt

So richtig rund läuft es für die EZB noch nicht.

FrankfurtDie große Geldflut der Europäischen Zentralbank schiebt die Kreditvergabe in der Euro-Zone allmählich an. Die Banken reichten im Juni insgesamt 0,6 Prozent mehr Darlehen an Firmen und Haushalte als vor einem Jahr aus, wie die EZB am Montag mitteilte.

Für ihren Präsidenten Mario Draghi sind das positive Nachrichten. Denn die EZB will mit dem im März gestarteten Anleihen-Kaufprogramm das Kreditgeschäft antreiben und damit der Wirtschaft auf die Sprünge helfen. Schon im Mai hatte die Darlehensvergabe leicht zugelegt. Noch im April stagnierte sie.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

So richtig rund läuft es für die EZB allerdings noch nicht. Denn die an Firmen ausgereichten Darlehen stiegen im Juni bereinigt um Kreditverbriefungen und -verkäufe zum Vormonat lediglich um drei Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das nur ein minimales Plus von 0,1 Prozent.

„Auch im Juni haben die Daten zur tatsächlichen Kreditentwicklung im Euro-Raum die Hoffnungen auf einen stärkeren Kreditimpuls für die Konjunktur nicht bestätigt“, kommentierte Volkswirt Johannes Mayr von der Bayerischen Landesbank. Die Bilanzlage bei Banken und Unternehmen stünde einer dynamischen Erholung der Konjunktur nach wie vor entgegen. In vielen Länder dämpft beispielsweise eine hohe Zahl fauler Kredite die Bereitschaft der Institute, Firmen mehr Darlehen zu vergeben.

Kräftig gestiegen sind hingegen die Kredite an Haushalte. Sie legten binnen Jahresfrist bereinigt um 1,7 Prozent zu. Dabei stiegen die Verbraucherkredite etwas stärker an als die Hypothekendarlehen. Die für den Euroraum wichtige Geldmenge M3 nahm im Juni um 5,0 Prozent zu. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (April bis Juni) erhöhte sie sich um 5,1 Prozent.

M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Ein starker Anstieg von M3 wird von Fachleuten als Indikator für wachsende Inflationsgefahren gesehen. Dies spielt aber momentan keine Rolle: Die Teuerung lag im Juni lediglich bei 0,2 Prozent. Ziel der EZB sind aber knapp zwei Prozent. Eine solche Inflationsrate sieht sie als ideal für die Konjunktur an.

Von

rtr

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