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27.02.2013

04:37 Uhr

EZB-Geldpolitik

Konsumexperte sieht Inflationsgefahr

Die Europäische Zentralbank gibt den Banken der Region viel billiges Geld. Das betrachtet Konsumforscher Rolf Bürkl mit skeptischem Blick. Auch zum Run der Verbraucher auf Immobilien hat er eine Prognose.

Könnte der Wert des Geldes durch die Politik der EZB ins Schlingern kommen? dpa

Könnte der Wert des Geldes durch die Politik der EZB ins Schlingern kommen?

NürnbergDas viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) für Europas Banken könnte nach Ansicht des Konsumforschers Rolf Bürkl mittelfristig die Inflation in Deutschland anheizen.

„Es ist im Moment so, dass sich diese zusätzliche Geldmenge mehr oder weniger im Finanzbereich bewegt und weniger in Form von Investitionen und dergleichen in den realen Sektor übergeschwappt ist“, sagte der Konsumexperte des Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn diese Geldmenge natürlich in den realen Sektor überfließt, wird das sicherlich auch auf die Preise drücken.“

Die EZB will genau das vermeiden und hat deshalb stets betont, das Geld rechtzeitig wieder einzusammeln. Europas Währungshüter bieten den Geschäftsbanken derzeit Zentralbankgeld zu historisch niedrigen Zinsen an, um das Geschäft der Banken untereinander sowie das Kreditgeschäft in den Euro-Krisenländern anzukurbeln.

Für dieses Jahr sieht auch Bürkl noch keinen stärkeren Anstieg der Inflationsrate, zumal die Jahresteuerung zuletzt im Januar auf 1,7 Prozent gesunken ist. „Aber mittelfristig steckt hier schon ein Gefahrenpotenzial drin.“ Hohe Inflation gilt als Gift für das Konsumklima.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde

Zypriotische Aktien (CSE)

407 Euro

Öl (WTI)

899 Euro

Spanische Aktien (Ibex)

968 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

989 Euro

Sparbuch (Durchschnitt)

1005 Euro

Tagesgeld (Durchschnitt)

1014 Euro

US-Staatsanleihen

1029 Euro

Gold

1034 Euro

Bundesanleihen

1038 Euro

Dow Jones

1049 Euro

Silber

1052 Euro

Nikkei 225

1069 Euro

EuroStoxx 50

1149 Euro

Schweizerische Aktien (SMI)

1167 Euro

Italienische Staatsanleihen

1203 Euro

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Investment-Grade)

1242 Euro

Irische Staatsanleihen

1297 Euro

Dax

1299 Euro

Griechische Aktien (ASE)

1342 Euro

Griechische Staatsanleihen (inkl. Schuldenschnitt, ohne Rückkauf)

1452 Euro

Türkische Aktien (ISE 100)

1576 Euro

Venezolanische Aktien (IBC)

2882 Euro

In Deutschland tragen die Ausgaben der Privathaushalte knapp 60 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Für 2013 rechnet die GfK mit einem Zuwachs um ein Prozent - auch dank der anstehenden Tarifrunden.

„Das Einkommen ist natürlich eine ganz wichtige Voraussetzung für den Konsum. Im Moment zeichnet sich ab, dass die Tariferhöhungen höher sein werden als die zu erwartende Inflationsrate in diesem Jahr, also dass es auch reale Einkommenszuwächse gibt“, erläuterte Bürkl. Dies werde die Verbraucherstimmung stützen.

„Der Konsum könnte auch dadurch wachsen, dass die Verbraucher noch weiter ihr Sparen einschränken“, sagte Bürkl. Allerdings liege die Sparquote schon auf einem sehr niedrigem Niveau, weil die durch die Finanzkrise verunsicherten Bürger auch wegen der niedrigen Zinsen ihr Geld lieber für teure Anschaffungen ausgäben.

Der Run auf Immobilien könnte im Übrigen wegen des knapper werdenden Angebots nachlassen, prognostizierte Bürkl. „Wenn es im Immobilienbereich nicht mehr oder nur noch zu stark überhöhten Kosten möglich ist, das Geld anzulegen, dann werden die Verbraucher vermutlich zu anderen größeren oder werthaltigen Anschaffungen tendieren. Das kann zum Beispiel im weitesten Sinne alles sein, was mit Gold zu tun hat.“

Von

dpa

Kommentare (31)

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27.02.2013, 06:06 Uhr

O-Ton Bürkl
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Das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) für Europas Banken könnte nach Ansicht des Konsumforschers Rolf Bürkl mittelfristig die Inflation in Deutschland anheizen.
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Und wieder einer, der es noch nicht begriffen hat:

Das "viele billige Geld" der EZB ist ganz überwiegend wieder bei der EZB selbst gelandet.

Denn die Banken, die es genommen haben haben damit teure Interbankenkredite zurückgezahlt.

Diejenigen, die ihre Interbankenkredite zurückgezahlt bekommen haben, haben das zurückgeflossene Kapital ganz überwiegend bei der EZB angelegt - also der Geldmenge M3 wieder entzogen, um ihre Bilanzen zu verkürzen und so die Basel III Kapitalvorschriften erfüllen zu können.

Weshalb die Einlagen und Kontokorrentguthaben von Banken bei der EZB zwischen dem 3.1.2011 und dem 25.2.2013 von 309 auf 573 Milliarden gestiegen sind.

Im Januar 2013 lag die Geldmenge M3 um 2,8% höher als im Januar 2012.

Seit Januar 2010 steigt die Geldmenge M3 mit einer Jahresrate von lediglich 1,5%.

Was Wirtschaftslaien wie der "Konsumforscher" Rolf Bürkl nicht begreifen wollen ist, daß die EZB keine nennenswerte Geldmengenausweitung betreibt.

Was sie statt dessen tut ist Teile von Bankbilanzen in die eigene Bilanz zu übernehmen, um so die regulatorische Eigenkapitalquoten der Banken zu verbessern und sie dadurch Basel III kompatibel zu machen.

Daß dadurch auch private Risiken in letztlich öffentliche Bilanzen übernommen werden kann man gerne kritisieren.

Aber mit "Inflation" hat diese Übung nichts zu tun. Eher mit der Vermeidung einer Bilanzdepression und folgender Deflation.

+++

O-Ton Handelsblatt
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Hohe Inflation gilt als Gift für das Konsumklima.
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Ach wirklich?

Und ich dachte immer, daß bei hoher Inflation die Leute aus Angst vor weiterem Wertverlust ihres Geldes jeden Pfennig in Güter anlegen.

Und so den Konsum weiter anheizen.

Account gelöscht!

27.02.2013, 06:09 Uhr

„Wenn diese Geldmenge natürlich in den realen Sektor überfließt, wird das sicherlich auch auf die Preise drücken.“

Wenn das so wäre, gäbe es eine Deflation und keine Inflation.
"„Wenn es im Immobilienbereich nicht mehr oder nur noch zu stark überhöhten Kosten möglich ist, das Geld anzulegen, dann werden die Verbraucher vermutlich zu anderen größeren oder werthaltigen Anschaffungen tendieren. Das kann zum Beispiel im weitesten Sinne alles sein, was mit Gold zu tun hat.“
Die Immobilie ist für den Verbraucher die größte Anschaffung seines Lebens. Was sollte er Größeres kaufen?
Ulrich Fielitz

Account gelöscht!

27.02.2013, 06:11 Uhr


„Wenn diese Geldmenge natürlich in den realen Sektor überfließt, wird das sicherlich auch auf die Preise drücken.“

Wenn das so wäre gäbe es eine Deflation und keine Inflation.
"„Wenn es im Immobilienbereich nicht mehr oder nur noch zu stark überhöhten Kosten möglich ist, das Geld anzulegen, dann werden die Verbraucher vermutlich zu anderen größeren oder werthaltigen Anschaffungen tendieren. Das kann zum Beispiel im weitesten Sinne alles sein, was mit Gold zu tun hat.“
Die Immobilie ist für den Verbraucher die größte Anschaffung seines Lebens. Was sollte er Größeres kaufen?
Ulrich Fielitz

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