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22.10.2015

12:23 Uhr

EZB-Konferenz

Draghi gewährt ganz neue Einblicke

VonJan Mallien

Die EZB will offenbar einen weiteren Schritt gehen, um transparenter zu werden. Wie der aussieht? Das wird Mario Draghi heute vielleicht verraten. Der EZB-Chef könnte den Anlegern künftig seinen Terminkalender öffnen.

Der EZB-Chef will mehr Transparenz. AFP

Mario Draghi

Der EZB-Chef will mehr Transparenz.

FrankfurtFür viele Notenbanker war Transparenz lange ein Fremdwort. Fast wie bei Geheimdiensten sollte von der eigenen Arbeit möglichst wenig an die Öffentlichkeit dringen. Doch seit der Finanzkrise hat die Europäische Zentralbank ebenso wie andere große Notenbanken enorm an Macht gewonnen - und steht damit auch stärker unter Rechtfertigungsdruck.

Nun steht die EZB offenbar kurz davor, die Terminkalender von EZB-Chef Draghi und den anderen Direktoriumsmitgliedern zu veröffentlichen, wie die Börsen-Zeitung unter Berufung auf Notenbankkreise meldet. Entsprechende Überlegungen seien bereits weit fortgeschritten. Als wahrscheinlich soll demnach gelten, dass die Terminkalender künftig rückblickend für drei Monate veröffentlicht werden. Die EZB wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Das Thema könnte aber auf der Pressekonferenz von EZB-Chef Draghi nach der heutigen Ratssitzung auf Malta eine Rolle spielen.

EZB-Krisenkurs unter Draghi in Zitaten

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

4.7.2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

(Draghi legt sich nach der EZB-Sitzung vom 4.7.2013 erstmals in der Geschichte der Notenbank auf künftige Zinsentscheidungen fest)

7.11.2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern - das sehen wir nicht.“

(Draghi am 7.11.2013 nach der Senkung des Leitzinses von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent)

7.11.2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

(Draghi am 7.11.2013 in Hamburg bei einer Diskussion mit dem Altkanzler. Schmidt hatte gesagt, auf Draghi könne man sich verlassen)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

Transparenz ist aber bei weitem nicht das einzige Thema, das den Chef der Notenbank derzeit umtreibt. So liegt die Inflation im Euroraum wieder an der Nullgrenze. Im September schrumpfen die Preise gar um 0,1 Prozent. Damit gerät das EZB-Inflationsziel von knapp zwei Prozent in immer weitere Ferne. Der spanische Notenbankchef Linde bezeichnete die schwache Inflation in der Euro-Zone als „besorgniserregend" und brachte verstärkte Geldspritzen der EZB ins Gespräch. Vermutlich wird Draghi in dieser Hinsicht die Fantasie der Märkte weiter beflügeln. Die meisten Ökonomen rechnen allerdings noch nicht damit, dass er eine Ausweitung der Anleihekäufe verkündet.

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