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27.05.2014

16:13 Uhr

EZB-Konferenz

Krugman fordert mehr Inflation in der Eurozone

US-Nobelpreisträger Paul Krugman warnt vor den Risiken einer niedrigen Preissteigerung. Sie könne schnell in eine „politische und ökonomische Falle führen“. EZB-Chef Draghi zeigt sich ebenfalls entschlossen.

US-Nobelpreisträger Paul Krugman plädiert für mehr Inflation in der Eurozone. Reuters

US-Nobelpreisträger Paul Krugman plädiert für mehr Inflation in der Eurozone.

SintraUS-Ökonom Paul Krugman rät den Europäern zu mehr Inflation. „Es gibt zunehmend Indizien dafür, dass Volkswirtschaften, die in einen starken Abschwung mit niedriger Inflation geraten, allzu leicht in eine ökonomische und politische Falle geraten“, sagte der Wirtschaftsnobelpreisträger am Dienstag bei einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra. In einem solchen Fall hielten sich wirtschaftliche Schwäche und niedrige Inflation gegenseitig in Gang.

„Deshalb kann ein relativ hohes Inflationsziel in normalen Zeiten als Versicherung angesehen werden - als ein Weg, mögliche sehr schlechte Folgen zu verhindern“, sagte Krugman. Für den Euroraum strebt die EZB mittelfristig Teuerungsraten von knapp unter 2,0 Prozent an. Auf diesem Niveau sehen die Währungshüter stabile Preise gewahrt.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

Seit Monaten liegt die Inflation im Euroraum allerdings deutlich unter dieser Marke, im April bei 0,7 Prozent. Einige Ökonomen warnen daher vor einer Deflation - also einem Preisverfall auf breiter Front, der die Konjunktur abwürgen könnte. EZB-Präsident Mario Draghi hatte bekräftigt, die Notenbank werde nicht zulassen, dass die Inflation zu lange zu niedrig bleibe. „Wir sind uns bewusst, dass eine zu lange Periode niedriger Inflationsraten Risiken birgt“, sagte Draghi in Sintra. Draghi bekräftigte, die EZB werde im Rahmen ihres Mandates ihren Beitrag zu einem stabilen Umfeld in Europa leisten: „Die EZB wird alles tun, was möglich ist.“




Kommentare (10)

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27.05.2014, 16:51 Uhr

"...Risiken einer niedrigen Preissteigerung. Sie könne schnell in eine „politische und ökonomische Falle führen“."

Genau! Nur eine noch wesentliche schnellere und entschlossene Enteignung von Sparern und zukünftigen Rentnern wird die EU und den Euro retten.

Die angebliche Gefahr von Lowflation ist ja, das man Anschaffungen zurückstellt, weil sie in einem Jahr nur 1% teurer sein könnten. Wer solch einen geistigen Dünnpfiff verbreitet, sollte seines akademischen Titels entzogen werden.

Das die Staaten in diese fatale Schuldenfalle erst durch die voodoo-ökonomischen Ratschläge eines Paul Krugmann gekommen sind, verschweigen wir dabei aber lieber. Was kann nun helfen? Noch geringere Zinsen, noch mehr Schulden, die finale Euthanasie der Sparer und ein Rosenkranz zum Schuldenguru Keynes gebetet muss erstmal als kicking-the-can-down-the-road für eine Woche ausreichen.

Account gelöscht!

27.05.2014, 17:08 Uhr

Herr Krugman ist leider blind auf dem einen Auge, denn höhere Inflationen bedingen auch höhere Zinsen und dann ist es fraglich ob die Zinsen für marode Staatsanleihen auf dem niedrigen Niveau gehalten werden können! Dann käme es zur Nagelprobe für die EZB, die dann jede Menge Staatsanleihen kaufen müßte, analog FED. Denn sonst ist die Staatskrise, bisher müßsam durch Draghis Verbalkünsten weggeredet - er mußte bisher nicht wirklich Geld in die Hande nehmen-, wieder voll da! Das ist der Unterschied ,den der "Ami" Krugman ausblendet!

Account gelöscht!

27.05.2014, 17:17 Uhr

Krugmann ist Jude u. wittert Geschäfte!

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