Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.06.2017

18:11 Uhr

EZB-Konferenz Sintra

Verwirrung um Draghi-Rede bewegt den Markt

Am Dienstag hat eine Rede von Mario Draghi den Euro-Kurs nach oben getrieben. Sie wurde als Signal für einen baldigen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik interpretiert. Doch einigen geht das offenbar zu weit.

Der EZB-Präsident bewegt die Märkte. Doch zu starke Ausschläge will die Notenbank vermeiden. AFP; Files; Francois Guillot

Mario Draghi

Der EZB-Präsident bewegt die Märkte. Doch zu starke Ausschläge will die Notenbank vermeiden.

SintraMario Draghi bewegt mit seinen Lippen die Märkte. Das gilt vor allem in der aktuellen Phase, wo die EZB gerade dabei ist, ihren geldpolitischen Kurs zu ändern. Optimistische und pessimistische Töne sind daher sehr genau abgewogen, um zu starke Marktreaktionen zu vermeiden. Doch das gelingt nicht immer.

In seiner Rede am Dienstag hatte sich Draghi optimistisch zum Wachstum in der Euro-Zone geäußert und gab sich zuversichtlicher, dass die Notenbank ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent wieder erreichen könne. Das sorgte zunächst für einen deutlichen Anstieg des Euro auf 1,1388 Dollar. Der Euro erreichte damit wieder das Niveau vor dem Brexit-Referendum vor rund einem Jahr. Aussagen von EZB-Insidern nahmen den anfänglichen Spekulationen auf eine straffere Geldpolitik allerdings den Wind aus den Segeln. Daraufhin fiel die Gemeinschaftswährung binnen Minuten um rund einen halben US-Cent auf 1,1326 Dollar. Dax und EuroStoxx50 notierten jeweils kaum verändert bei 12.657 und 3538 Punkten.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Anleger hätten die jüngsten Aussagen Mario Draghis überinterpretiert, sagten mit den Überlegungen des EZB-Chefs vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Präsident der Europäischen Zentralbank habe lediglich darauf hingewiesen, eine schwache Inflation für eine Weile tolerieren zu wollen. Es sei kein Signal für eine baldige Straffung der Geldpolitik. Die EZB wollte sich zu diesem Thema nicht äußern.

„Da ist wohl was schiefgelaufen bei der EZB-Kommunikation“, sagte ein Börsianer. „Mehr Verwirrung als Nutzen.“ Investoren hatten Draghis optimistische Aussagen zur Konjunktur als Fingerzeig gedeutet, dass die Notenbank im September eine Drosselung ihrer Anleihekäufe ankündigen könnte. Aktuell pumpt die Notenbank monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Baron v. Fink

28.06.2017, 19:46 Uhr

Signore Draghi sorgt für den Wohlstand in der EU, wer außer ihm sollte das leisten.
Die EZB ist die Geldmaschine für uns Investoren, geheiligt werde Sinnore Draghi,
er schafft Arbeit und Schulden für den Mob und Gewinne für uns Investoren. So funktioniert die Wirtschaft. Schulden sind des Finken Lust und des Sozens Frust. Ha Ha Ha

Herr Peter Spiegel

28.06.2017, 20:01 Uhr

Sie haben gar nichts verstanden über die Geldpolitik Herr Baron. Danke trotzdem für Ihre Bemühungen, uns dies mitzuteilen. Gehen Sie gleich noch in den Karneval?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×