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11.03.2016

15:55 Uhr

EZB-Kredite für Banken

Draghis Buchstabensuppe

VonJan Mallien

Die Europäische Zentralbank mag es kryptisch – TLTRO II heißt ihr neues Kreditprogramm. Hinter dem Akronym verbirgt sich etwa eine Prämie für Banken, die mehr Kredite vergeben. Doch Ökonomen sind skeptisch.

Klingt kryptisch, dahinter steckt dennoch ein Begriff: „Targeted Longer-Term Refinancing Operations“. Dabei handelt es sich um spezielle Langfrist-Kredite für Banken. Imago

TLTRO II

Klingt kryptisch, dahinter steckt dennoch ein Begriff: „Targeted Longer-Term Refinancing Operations“. Dabei handelt es sich um spezielle Langfrist-Kredite für Banken.

Frankfurt am MainMario Draghi hat es wieder geschafft: Obwohl viele Marktbeobachter schon mit einer Lockerung der Geldpolitik gerechnet hatten, konnte der EZB-Präsident sie am Donnerstag verblüffen. Denn Die angekündigten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank gehen weiter, als viele erwartet hatten. Zu den Überraschungen gehören zum Beispiel langfristige Kredite für die Banken im Euroraum. Oder kurz gesagt: TLTRO II.

Hinter dem unaussprechlichen Akronym verbirgt sich der englische Begriff „Targeted Longer-Term Refinancing Operations“. Das Instrument gleicht einer Revolution: Denn die EZB zahlt Banken eine Prämie, wenn sich ihre Kreditvergabe besser entwickelt. Das sei eine „verbotene Subventionspolitik zur Stützung von Zombie-Banken und konkursgefährdeten Staaten,“ wettert der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, in der „Bild“-Zeitung.

Konkret legt die EZB ab Juni vier Kreditlinien auf. Banken können sich dann bis zu einer Laufzeit von vier Jahren Geld leihen. Dafür zahlen sie den jeweiligen Leitzins zum Zeitpunkt der Zuteilung von aktuell null Prozent. Die Prämie wird fällig, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Dafür muss sich ihre Kreditvergabe zwischen Februar 2016 bis Februar 2018 besser entwickeln, als im vergangenen Jahr. Es reicht bereits, wenn sich der Rückgang der Kreditvergabe einer Bank verringert.

Beschlüsse der EZB am 10. März 2016

Niedrigerer Leitzins

Die EZB senkt den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent. Der Schritt selbst hat wenig direkte Auswirkungen. Hierbei geht es vor allem um das damit verbundene Signal, dass die EZB entschlossen handelt.

Höherer Strafzins

Die EZB senkt den Einlagenzins im Euro-Raum von minus 0,3 auf 0,4 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine noch höhere Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Allerdings belastet dies den labilen Bankensektor. Deshalb war im Vorfeld der Ratssitzung auch über eine Staffelung des Einlagezinses diskutiert worden, ähnlich wie in der Schweiz. Dabei würde der negative Einlagenzins erst dann greifen, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine bestimmte Obergrenze überschreitet.
Draghi hat sich aber gegen ein solches Modfell entschieden. Dies sei in einer Währungsunion mit sehr unterschiedlichen Banken nur schwer umzusetzen, sagte er.

Mehr Anleihenkäufe

Die EZB weitet das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Milliarden Euro aus. Dadurch erhöht sich Gesamtvolumen bis März 2017 um 240 Milliarden auf 1,74 Billionen Euro. Anleihekäufe seien ein Signal, das der Markt versteht, hatte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding im Vorfeld gesagt.

Dieser Schritt galt aber als durchaus umstritten. Für die Deutsche Bundesbank, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik kritisch sieht, ist diese Pille schwerer zu schlucken, als die Senkung des Einlagenzinses. Draghi sagte jedoch, der EZB-Rat habe die Maßnahmen mit einer „überwältigenden Mehrheit“ beschlossen. Durch das höhere Volumen stößt die EZB bei ihren Käufen schneller an Grenzen: Ihren selbst auferlegten Regeln zufolge darf sie keine Bonds kaufen, deren Zinsen unter dem Einlagesatz liegen (jetzt minus 0,4 Prozent). Und sie darf auch nicht mehr als 33 Prozent der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes erwerben.

Bei Anleihen von internationalen Organisationen oder Entwicklungsbanken wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) weitet sie dieses Limit nun auf 50 Prozent der ausstehenden Anleihen aus.

Firmenanleihen

Um Knappheit zu verhindern, weitet die EZB außerdem die Auswahl der von ihr gekauften Anleihen aus. Im Dezember hat sie das Sortiment bereits um Anleihen von Regionen und Kommunen im Euro-Raum erweitert. Nun kauft sie außerdem auch von in Euro notierenden Unternehmensanleihen mit gutem Rating (Investment Grade).

Kredite zum Traumtarif

Die EZB weitet ihr Programm aus, mit dem sie Banken zu sehr günstigen Konditionen langfristig Geld leiht, wenn sie mehr Kredite vergeben. Ab Juni sollen vier spezielle Kreditlinien – im Fachjargon TLTRO II genannt – für die Finanzinstitute mit einer Laufzeit von vier Jahren aufgelegt werden. Die Kosten orientierten sich am Einlagenzins, den die EZB jetzt auf minus 0,4 Prozent gesenkt hat. Banken können also Geld damit verdienen, sich Geld zu leihen.

Bereits seit 2014 bieten die Währungshüter gezielte Geldspritzen an. Sie sollen Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen zu vergeben. Allerdings brauchen viele Banken gar nicht mehr Liquidität. Dies hilft deshalb wohl lediglich einigen angeschlagenen Instituten.

Ein Beispiel: Eine Bank hat im vergangenen Jahr ihre Kreditvergabe von 100 auf 90 Milliarden Euro um zehn Prozent heruntergefahren. Wenn sie diese nun bis 2018 von 90 auf 85 Milliarden senkt, liegt der jährliche Rückgang im Schnitt unter dem vorherigen Trend von zehn Prozent – sie bekommt die Prämie. Diese wiederum entspricht maximal der Höhe des Einlagenzinses. Der liegt fortan bei minus 0,4 Prozent. Das heißt: Wenn eine Bank entsprechend viele Kredite vergibt, bekommt sie für das von der EZB geliehene Geld pro Jahr 0,4 Prozent Zuschuss. Wenn eine Bank die Bedingungen erfüllt und sich 100 Milliarden Euro bei der EZB leiht, wären das immerhin 400 Millionen Euro.

Für die EZB selbst hat das keine großen finanziellen Auswirkungen. „Durch die Langfristkredite steigt die Überschussliquidität der Banken“, sagt Commerzbank-Analyst Schubert. Auf die Überschussliquidität, die die Banken bei der EZB parken, müssen sie ebenfalls einen Strafzins von minus 0,4 Prozent zahlen. Bislang mussten Banken für Übernachteinlagen bei der EZB einen Strafzins von 0,3 Prozent zahlen.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

11.03.2016, 16:21 Uhr

Wer Signore Draghi kennt der weiß, dass er immer noch ein Kaninchen aus dem Hut zaubern kann. Und Leute, die der Meinung sind er hätte gestern bereits sein Pulver verschossen (das haben die gleichen Leute übrigens vor 1 Jahr auch schon gesagt), die werden Super-Mario erst noch richtig kennen lernen.

Baron v. Fink

11.03.2016, 16:33 Uhr

Es scheint als wären wie Teilnehmer in einem Drama in dem alle untergehen.
Es ist einfach nicht möglich für einerseits Deutschland und andererseits Staaten
wie Griechenland Geldpolitik zu machen. Der Herr Draghi hat keine Chance und
mit ihm der Bürger, egal wo er wohnt.

Herr Ernst Thoma

11.03.2016, 16:49 Uhr

Finanz- und Geldpolitik für ganz Europa? Oder anders gesagt: Wenn 5 Leute Lungenentzündung haben, dann müssen auch die gesunden 22 Menschen Antibiotika schlucken ? Wie heisst es in einem alten griechischen Sprichwort: Gegen Dummheit kämpfen selbst Götter vergebens !

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