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05.09.2014

15:44 Uhr

EZB-Krisenkurs in der Kritik

„Hilft der Realwirtschaft kaum“

Die EZB kämpft mit aller Macht, um einen Rückfall der Euro-Zone in die Rezession zu verhindern. Doch gewirkt haben die Maßnahmen bislang noch nicht. Die Mini-Inflation und die Konjunktur nähren die Sorgen der Experten.

Börse am Mittag

EZB will Kreditpakete von Banken aufkaufen

Börse am Mittag: EZB will Kreditpakete von Banken aufkaufen

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Frankfurt/BerlinDer Krisenkurs der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nach Einschätzung von Volkswirten in Deutschland weitgehend wirkungslos. „Auch das jetzt beschlossene Maßnahmenpaket zeigt, dass die EZB letztlich immer nach demselben Muster agiert“, schrieb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer am Freitag in Frankfurt veröffentlichten Analyse. „Die EZB ist leider nicht bereit hinzunehmen, dass Wirtschaftswachstum und Inflation nach dem Platzen einer Schuldenblase naturgemäß niedrig sind.“

Indem sie ihre Geldpolitik immer weiter lockere, helfe sie kaum der Wirtschaft, sondern heize in erster Linie die Preise von Wertpapieren und Immobilien an. „Das Finanzrad dreht sich immer schneller, die Realwirtschaft im Euro-Raum kommt kaum von der Stelle.“

Fünf Fragen – Vom ABS-Plan bis zu Anleihekäufen

Ist eine weitere Lockerung auf dem Weg?

Nachdem die EZB ein beispielloses Stützungspaket im Juni angekündigt hat, hatten die meisten Analysten erwartet, dass die Währungshüter sich bis Ende des Jahres mit neuen Maßnahmen zurückhalten. Aber die im zweiten Quartal ins Stocken geratene Wirtschaft, eine schwächere Inflation und die Krise in der Ukraine haben das Bild verändert.

Wird es Veränderungen bei den Langfristkrediten geben?

Die EZB könnte die Konditionen der gezielten Langfristkredite, das Kernstück ihres Pakets vom Juni, attraktiver machen, sagen Analysten. Eine Zinssenkung würde das nach den Worten Draghi bereits „sehr, sehr attraktive Angebot” noch interessanter machen. Die erste Runde der TLTRO-Tender findet diesen Monat statt.

Was passiert mit der Inflation?

Die EZB wird außerdem neue Konjunkturprognosen veröffentlichen. Sie erwartet derzeit, dass die Teuerung sich in den nächsten zweieinhalb Jahren allmählich beschleunigt und von 0,7 Prozent in diesem Jahr auf 1,1 Prozent 2015 und 1,5 Prozent im letzten Quartal 2016 steigen wird.

Kommt eine quantitative Lockerung?

Nach der Jackson-Hole-Rede von Draghi sagten Analysten von Berenberg bis JPMorgan Chase & Co., dass die Wahrscheinlichkeit für großvolumige Anleihekäufe zugenommen habe. Draghi hatte zusicherte, dass der Rat „alle verfügbaren Instrumente nutzen wird, um mittelfristig die Preisstabilität zu gewährleisten”. Die meisten Analysten sind der Meinung, dass ein QE, sofern es geschehen sollte, 2015 kommen werde.

Was hat Draghi den Staats- und Regierungschef gesagt?

Der EZB-Präsident hat sich in den vergangenen Wochen mit dem französischen Staatspräsidenten Francois Hollande und dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi getroffen sowie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert. In Jackson Hole sagte Draghi, dass die Fiskalpolitik der Regierungen neben Geldpolitik und Strukturreformen „eine größere Rolle” bei der Unterstützung des Wachstums im Euroraum spielen könnte.

DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier schrieb in einer Analyse vom Freitag von „Aktionismus der EZB“ und einem „immer hektischer erscheinenden Eingreifen“ der Notenbank. Als Kernproblem macht er aus, dass der Reformprozess in den beiden wichtigsten Euro-Partnerländern Deutschlands, Frankreich und Italien, „bereits in den Anfängen stecken geblieben“ sei.

Die EZB hatte am Donnerstag den Leitzins überraschend auf das neue Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Gleichzeitig beschloss der EZB-Rat den Ankauf von Kreditpaketen und Pfandbriefen, um die lahmende Kreditvergabe endlich in Schwung zu bringen.

Kommentare (5)

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Herr Oberst Grievous von König

05.09.2014, 16:14 Uhr

Jörg Krämer: „Die EZB ist leider nicht bereit hinzunehmen, dass Wirtschaftswachstum und Inflation nach dem Platzen einer Schuldenblase naturgemäß niedrig sind.“

...

Ja... man sehe nur die USA und UK, dass QE nicht bringt:
Wirtschaftswachstum um die 4,0%+ dank QE.
Europa 0.0%- (wenn es ein gutes Quartal ist)

Herr Jürgen Schürmann

05.09.2014, 16:59 Uhr

Der Kracher ist doch der Ankauf von ABS Papieren und Pfandbriefen mit einem Volumen von 500 Mrd Euro.
Die marginale Zinssenkung ist Gesamtwirtschaftlich unerheblich.
Draghi ist neben Merkel eindeutig einer der gefährlichsten Protagonisten unserer Zeit. Beide stehen für vertragsbrechende Entscheidungen, mit eklatanten Auswirkungen auf unser aller Zukunft.

Herr Stubenkastl Johann

05.09.2014, 17:46 Uhr

Man will die Deflation bekaempfen? Das Einzige was den wirtschaftlich schwachen Laendern wirklich helfen koennte? Wenn man ueberhoehte nicht konkurrenzfaehige Produktionskosten durch Inflation noch hoeher machen will, dann ist dies durch Dummheit nicht mehr zu ueberbieten und sehr "draghisch". Sorry fuer die klaren Worte!

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