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22.01.2015

17:24 Uhr

EZB-Liveblog

1.140.000.000.000 Euro

Die EZB kauft bis September 2016 monatlich 60 Milliarden Euro an Anleihen. Die Börsen jubeln. Der Euro bricht ein. Staatsanleihen aus Krisenländern erreichen historische Tiefwerte. Draghis Pressekonferenz zum Nachlesen.

EZB-Chef Mario Draghi verteidigt die Anleihekäufe vor der Presse. dpa

EZB-Chef Mario Draghi verteidigt die Anleihekäufe vor der Presse.

FrankfurtLange hat EZB-Chef Mario Draghi über den möglichen Kauf von Staatsanleihen spekuliert. Heute hat er den Worten Taten folgen lassen: Draghis Pressekonferenz offenbart einen Milliardenankauf von Staatsanleihen. Monatlich soll die EZB ab März bis Ende September 2016 rund 60 Milliarden monatlich investieren – ein Rekord. Draghis Pressekonferenz und Reaktionen im Liveblog zum Nachlesen.

+++ Samaras: Griechenland droht Ausschluss +++
Griechenland droht nach den Worten von Ministerpräsident Antonis Samaras ein Ausschluss aus dem gerade beschlossenen massiven Anleihenkaufprogramm (QE) der Europäischen Zentralbank (EZB). Ohne einen Abschluss der Prüfmission der Troika aus EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF), bei der diese die Reformfortschritte auf Basis der getroffenen Zusagen unter die Lupe nimmt, werde Griechenland nicht von dem EZB-Programm erfasst, sagte Samaras am Donnerstag in Athen. „Die heutige Entscheidung der EZB macht deutlich, dass wir ohne einen Abschluss der Prüfaktion .... ausgeschlossen werden.“

Was man mit 1,14 Billionen kaufen könnte

Viele Häuser

Metropole gefällig? Für die Gesamtsumme, die die EZB in ihr Anleihekaufprogramm steckt, gäbe es 3,8 Millionen Häuser im Wert von 300 000 Euro.

Ziemliche viele Messis

Es wäre die wohl torgefährlichste Fußballmannschaft der Welt: Mit 1,14 Billionen Euro könnte man 4560 mal den Fußballstar Lionel Messi vom FC Barcelona kaufen (Festgeschriebene Ablösesumme laut Medienberichten: 250 Millionen Euro).

Ganz, ganz viele Porsche

Würde das ganze Geld in Sportwagen investiert, der Porsche wäre der tatsächliche Volkswagen: 12,7 Millionen mal gäbe es 911 Carrera (Listenpreis rund 90.000 Euro).

Nicht so viele Hauptstadtflughäfen

Der Traum vom fliegen: 211 mal die Baukosten für den neuen Berliner Hauptstadtflughafen (Kostenrahmen bisher: 5,4 Milliarden Euro) wären drin.

+++ Bundesanleihen drehen ins Plus +++
Zehnjährige deutsche Bundesanleihen haben am Donnerstag nach der Ankündigung der EZB, ein Anleihekaufprogramm im Umfang von 60 Mrd. Euro pro Monat aufzulegen, ihre vorherigen Verluste ausgeglichen und Kursgewinne verzeichnet. Zuletzt lag die Rendite der deutschen Papiere mit 0,46 Prozent sieben Basispunkte unter Vortag. Der Bund-Future notierte mit 157,59 Prozent 78 Basispunkte höher. Die Rendite zehnjähriger US- Treasuries, die zunächst ebenfalls gefallen war, lag zuletzt mit 1,88 Prozent wieder einen Basispunkt über Vortag.

+++ Staatsanleihen einiger Krisenländer auf Rekordtief +++
Die Renditen für Staatsanleihen der Euroländer Frankreich, Spanien und Italien sind nach der Verkündung des milliardenschweren Ankaufprogramms der EZB auf ihren bislang niedrigsten Stand gefallen. Staatsanleihen dieser Länder mit zehnjähriger Laufzeit wurden von Investoren stark nachgefragt, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstagnachmittag das Ankaufprogramm verkündet hatte.

+++ EZB-Anleihenkauf beflügelt New Yorker Börse +++
Nach der Verkündung des milliardenschweren Ankaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Börsen an der New Yorker Wall Street nach oben gedreht. Der Leitindex Dow Jones, in dem 30 der wichtigsten US-Unternehmen aufgeführt werden, legte in den Minuten nach der Ankündigung am Donnerstag um 62,42 Punkte auf 17.616 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 6,07 Punkte auf 2038 Punkte, der Technologieindex Nasdaq gewann 10,72 Punkte dazu und lag bei 4668.

+++ Draghi teilt die Haftung auf +++
Die EZB wird bei ihren Anleihenkäufen nur einen kleinen Teil der Risiken innerhalb der Währungszone verteilen. Eine gemeinsame Risikohaftung werde es nur bei Wertpapieren europäischer Institutionen geben, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Solche Anleihen, zu denen etwa Papiere der Europäischen Investitionsbank zählen könnten, sollen zwölf Prozent der gesamten Käufe ausmachen. Staatsanleihenkäufe sollen sich nach dem Anteil der Euroländer am EZB-Kapital auf die einzelnen Länder verteilen. Damit wird die EZB vor allem Staatsanleihen von Deutschland, gefolgt von Frankreich und Italien kaufen.

Euro-Kurs

Kursverlauf Euro/Dollar am 22. Januar 2015.

+++ Euro bricht nach EZB-Entscheid ein +++
Der Euro hat am Donnerstag während der Pressekonferenz von Mario Draghi nachgegeben. Der EZB-Präsident hatte ein Anleihekaufprogramm im Umfang von 60 Mrd. Euro bis September 2016 angekündigt. Die Gemeinschaftswährung notierte um 15:15 Uhr MEZ 1,1 Prozent unter Vortag bei 1,1481 Dollar. „Das ist umfangreicher als erwartet in Bezug auf Größe und Dauer“, sage Neil Jones von Mizuho Bank Ltd. in London. „Die Maßnahmen von heute werden den Abwärtsdruck auf den Wert des Euro aufrechterhalten.“

Die zentralen Punkte der EZB-Anleihekäufe

Gesamtvolumen

Zunächst etwa 1,14 Billionen Euro

Laufzeit

Ab März bis mindestens Ende September 2016 und bis sich die Inflation nachhaltig angepasst hat an eine Rate von knapp 2,0 Prozent.

Was wird gekauft

unter anderem Staatsanleihen mit Investmentgrad (diese sind von mindestens guter Kreditwürdigkeit) mit einer Laufzeit von 2 bis 30 Jahren, Anleihen von EU-Institutionen und Unternehmensanleihen

Aufteilung der Käufe

Die Aufteilung der Anleihekäufe auf die einzelnen Euroländer richtet sich nach dem Landesanteil am EZB-Kapital (Bevölkerungsanzahl und Wirtschaftsleistung). Deswegen werden vor allem deutsche Bundesanleihen gekauft, gefolgt von französischen und italienischen Papieren.

Risikohaftung

Nur 20 Prozent der Anleihekäufe unterliegen einer gemeinsamen Risikohaftung. Dazu zählen die Anleihen von EU-Institutionen, auf die 12 Prozent der Käufe entfallen sollen.

+++ Bereits 219 Milliarden Euro EZB-Staatsanleihen +++
Laut eigenen Angaben hat die EZB in der Spitze bereits Staatsanleihen für 219 Milliarden gehalten. Im Dezember waren es noch 143,9 Milliarden.


+++ ARD sendet Brennpunkt +++
„Die ARD sendet heute um 20.15 Uhr einen Brennpunkt zum Thema. Der Titel „Milliardenflut der EZB: Rettung oder Ruin?“

+++ Banken kritisieren EZB-Entscheid +++
Die großen deutschen Bankenverbände halten das EZB-Vorgehen für übertrieben. „Ich kann auf breiter Front keine wirklichen Deflationsgefahren erkennen, die es zu bekämpfen gilt“, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Durch den Aufkauf von Staatsanleihen setze sich die Notenbank zudem immer mehr der Gefahr aus, neben der Geldpolitik auch Fiskalpoltik zu betreiben. „Damit setzt sie ihre Unabhängigkeit aufs Spiel.“ Fahrenschon fürchtet wie andere Politiker und Banker in Deutschland, dass durch das Vorgehen der EZB der Druck auf schwächelnde südeuropäische Länder sinkt, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen zu stärken.

+++ Deutsche Versicherer kritisieren Draghi +++
„Der Schritt der EZB ist eine Zumutung“, sagte Alexander Erdland, Präsident des Versicherungsverbands GDV. Es sei ungewiss, ob das Programm wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhofft zu mehr Investitionen und steigenden Preisen führe. „Sicher ist hingegen, dass weiterer Schaden für die Sparkultur in Deutschland angerichtet wird", erklärte Erdland. "Denn das Ankaufprogramm verstärkt den Druck auf festverzinsliche Wertpapiere, die eine Säule der privaten Altersvorsorge sind.“

Dax

Kursverlauf Dax am 22. Januar 2015.

+++Einstimmigkeit über Rechtmäßigkeit +++
Der EZB-Rat sei einstimmig der Auffassung gewesen, dass Anleihekäufe als geldpolitisches Instrument durch das Mandat der EZB gedeckt seien, sagte Draghi. „Der Rat ist einstimmig der Meinung, dass es sich bei den Wertpapierkäufen um ein gewöhnliches Instrument der Geldpolitik handelt.“ Für das beschlossene Anleihekauf-Programm habe es zwar keine einstimmige Zustimmung gegeben. Die Mehrheit sei aber so groß gewesen, dass man nicht habe abstimmen müssen. Auch über die gefundene Lösung zur Haftung für Verluste habe es Konsens gegeben.

Kommentare (61)

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Herr Niccolo Machiavelli

22.01.2015, 14:32 Uhr

Achtung, gleich kommt Eilmeldung

So spannend, wie die Frage, wer zum Papst gewählt wurde, mindestens.

Herr Manfred Zimmer

22.01.2015, 14:32 Uhr

Es ist die Pflicht derer (der Politiker) die Institution, die sie geschaffen haben, auch zu überwachen.

Dazu gehört auch ein glückloser Draghi.

Was hat der Mann "uns" bereits gekostet, was hat er gebracht?

Er hat das Geld der kleinen Leute benutzt, die Börsenengagements der "starken Hände" zu stützen.

Man muss kein Kommunist oder Sozialist sein, um zu erkennen, dass da etwas nicht stimmt. Das muss auch "alternativlos" handelnden Politiker klar sein.

Herr Manfred Zimmer

22.01.2015, 14:38 Uhr

"Verfolgen Sie sein Statement im Liveblog. "

Nicht nur dort. Verfolgen Sie auch die Märkte, insbesondere den Devisenmarkt und denken Sie daran, dass die Notenbanken bereits am Markt sind.

Wenn die Kurse dort "anfangen zu laufen", besteht die Gefahr, dass die Spekulanten die Notenbanken überrennen.

Die Wetten können schon geschlossen werden, dass die Teifstkurse zuerst getestet werden (ob die Notenbanken dort stehen) und Freitag nach Geschäftsschluss in Frankfurt geht's richtig bergab mit dem Euro.

So könnte das Szenario aussehen, wenn die Kritiker richtig liegen.

Liegen sie falsch, erblüht der Euro in neuem Glanz. Daran glaubt nicht einmal Draghi!

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