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12.02.2016

16:03 Uhr

EZB

Lockerung im März wahrscheinlich

Die EZB peilt für das Gesamtjahr 2016 eine Inflationsrate von 1,0 Prozent an. Diese Vorhersage wackelt aber. Die Forderungen nach einer erneuten Lockerung der Gelpolitik werden lauter.

Während die Währungshüter als Idealwert für die Wirtschaft mittelfristig knapp zwei Prozent Inflation anstrebt, waren die Preise im Januar wegen des Ölpreis-Verfalls nur um 0,4 Prozent gestiegen. dpa

Der Sitz der EZB in Frankfurt

Während die Währungshüter als Idealwert für die Wirtschaft mittelfristig knapp zwei Prozent Inflation anstrebt, waren die Preise im Januar wegen des Ölpreis-Verfalls nur um 0,4 Prozent gestiegen.

FrankfurtIm EZB-Rat finden Forderungen nach einer erneuten Lockerung der Geldpolitik Notenbankern zufolge immer mehr Gehör. Doch die Bereitschaft zu radikalen Schritten sei angesichts der Konjunkturerholung im Währungsraum eher begrenzt, sagten Top-EZB-Notenbanker rund einen Monat vor der nächsten Zinssitzung zu Reuters. Eine weitere leichte Verschärfung der Strafzinsen sei ein wahrscheinlicher Schritt. Er solle dann als Teil eines Bündels von Maßnahmen zugeschnitten werden.

„Nichts zu machen im März ist sehr unwahrscheinlich“, sagte ein Notenbank-Gouverneur der 19-Länder-Gemeinschaft. Unter anderem würden die langfristigen Inflationserwartungen sinken. Es gehe auch um die Glaubwürdigkeit der Zentralbank. „Ich glaube, eine Senkung des Einlagensatzes ist ziemlich unstrittig.“

An den Märkten wird mittlerweile mit zwei Zinsschritten gerechnet auf minus 0,55 Prozent zum Jahresende. Erst im Dezember setzte die Notenbank den Satz auf minus 0,3 von zuvor 0,2 Prozent herab. Ein negativer Satz bedeutet, dass Geschäftsbanken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Während die Euro-Zentralbank als Idealwert für die Wirtschaft mittelfristig knapp zwei Prozent Inflation anstrebt, waren die Preise im Januar wegen des Ölpreis-Verfalls nur um 0,4 Prozent gestiegen. Für das Gesamtjahr 2016 peilten die Währungshüter noch im Dezember eine Inflationsrate von 1,0 Prozent an. Diese Vorhersage wackelt aber. Wird sie zur Zinssitzung im März kassiert, würde dies Befürwortern einer weiteren Öffnung der Geldschleusen neue Argumente liefern. Zentralbank-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich gesagt, eine abwartende Haltung berge die Gefahr, dass die Teuerungsrate auf Dauer zu niedrig bleibe.

Einige Notenbanker halten allerdings nur eine Senkung des Einlagensatzes für nicht ausreichend. „Das würde nicht genug sein. Und es wäre ein Fehler zu signalisieren, dass wir uns auf normale Schritte verlassen“, sagte ein weiterer Notenbank-Gouverneur. Denn noch auf Jahre werde die EZB-Politik unkonventionell bleiben. Das milliardenschwere Anleihen-Kaufprogramm sei das Aushängeschild der EZB-Instrumente. Jedes Maßnahmenbündel müsse dies als Komponente enthalten.

Andere Notenbanker raten indes zur Vorsicht: „Den Einlagensatz um mehr als zehn Basispunkte zu senken, würde die Ertragskraft der Banken schmälern“, so ein hochrangiger Notenbanker. Das sei keine populäre Idee angesichts dessen, was im Bankensektor aktuell geschehe. Die Aktien vieler europäischer Institute sind in den vergangenen Wochen an der Börse eingebrochen.

Von

rtr

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