Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2015

21:31 Uhr

EZB-Mitglied Yves Mersch

Plädoyer für europäische Kapitalmarktunion

EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch macht sich für eine europäische Kapitalmarktunion stark. Nicht zuletzt die Finanzaufsicht, das Insolvenzrecht und die Kapitalertragssteuerregeln sollten stärker angeglichen werden.

Yves Mersch ist nicht der Einzige innerhalb der EZB, der eine stärkere Zusammenführung der Finanzmärkte fordert. AFP

Yves Mersch ist nicht der Einzige innerhalb der EZB, der eine stärkere Zusammenführung der Finanzmärkte fordert.

FrankfurtEZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch hat sich für eine stärkere Vereinheitlichung der Finanzmärkte im Rahmen einer europäischen Kapitalmarktunion ausgesprochen. "Es gilt, auch politisch schwierige Bereiche anzugehen", sagte Mersch laut Redetext am Sonntag in Osnabrück. Dazu zählten die Offenlegungspflichten von Unternehmen, die Finanzaufsicht, das Insolvenzrecht und eine EU-weite Angleichung der Kapitalertragssteuerregeln. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hatte eine stärkere Zusammenführung der Finanzmärkte gefordert.

Die EU-Kommission will in den kommenden fünf Jahren einen grenzüberschreitenden europäischen Kapitalmarkt schaffen. EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill will dazu im Februar einen Vorschlag veröffentlichen. Durch einheitliche Rahmenbedingungen soll es Firmen leichter sein, in Europa Aktien, Anleihen und andere Anlageinstrumente an Investoren zu verkaufen. Auch die Abhängigkeit der Firmen von Bankkrediten soll so verringert werden.

Die zentralen Punkte der EZB-Anleihekäufe

Gesamtvolumen

Zunächst etwa 1,14 Billionen Euro

Laufzeit

Ab März bis mindestens Ende September 2016 und bis sich die Inflation nachhaltig angepasst hat an eine Rate von knapp 2,0 Prozent.

Was wird gekauft

unter anderem Staatsanleihen mit Investmentgrad (diese sind von mindestens guter Kreditwürdigkeit) mit einer Laufzeit von 2 bis 30 Jahren, Anleihen von EU-Institutionen und Unternehmensanleihen

Aufteilung der Käufe

Die Aufteilung der Anleihekäufe auf die einzelnen Euroländer richtet sich nach dem Landesanteil am EZB-Kapital (Bevölkerungsanzahl und Wirtschaftsleistung). Deswegen werden vor allem deutsche Bundesanleihen gekauft, gefolgt von französischen und italienischen Papieren.

Risikohaftung

Nur 20 Prozent der Anleihekäufe unterliegen einer gemeinsamen Risikohaftung. Dazu zählen die Anleihen von EU-Institutionen, auf die 12 Prozent der Käufe entfallen sollen.

"Unter dem Begriff Kapitalmarktunion verstehe ich mehr, als nur ein bisschen am bestehenden Regelwerk herumzufeilen", sagte Mersch. Generell müsse die Regulierung der Finanzmärkte so harmonisiert werden, dass ein einheitlicher europäischer Kapitalmarkt reibungslos funktioniere.

In Europa koste beispielsweise eine grenzüberschreitende Wertpapiertransaktion mindestens zehnmal so viel wie in den USA, kritisierte Mersch. Außerdem sollten in einer Währungsunion mittelfristig beim grenzüberschreitenden Einsatz von Kreditkarten keine Kosten mehr anfallen. "In einer Währungsunion sollte es im Zahlungsverkehr überhaupt keine 'Roaming'-Gebühren geben", sagte Mersch.

Darüber, wie eine Kapitalmarktunion umgesetzt werden kann, wird in der EU bereits heftig diskutiert. So fordert Großbritannien eine Rückübertragung von Kompetenzen aus Brüssel an die Nationalstaaten. Auch die Frage, ob zur Durchsetzung einer Kapitalmarktunion eine neue Aufsichtsbehörde notwendig ist, birgt Zündstoff. Ein Verzicht darauf würde beispielsweise Großbritannien als dem größten Finanzmarkt in der EU entgegenkommen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×