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23.01.2015

06:23 Uhr

EZB nach Kaufankündigung

„Draghi muss nachlegen“

VonJan Mallien

ExklusivDie EZB will bis September 2016 für 1,1 Billionen Euro Anleihen kaufen. Der US-Top-Ökonom Adam Posen hält das für zu wenig. Im Interview lässt Posen auch Bundesbank-Chef Weidmann nicht ungeschoren davonkommen.

Adam Posen leitet das Peterson Institute for International Economics in Washington. Er ist Anhänger einer aktiven Geldpolitik. Als Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der Bank von England (2009 - 2012) begleitete Posen dort den Einstieg in das QE-Programm. Er hat gemeinsam mit dem früheren Fed-Chef Ben Bernanke ein Reformprogramm für die Geldpolitik der US-Notenbank verfasst und ein Standardwerk über die Wirtschaftskrise in Japan in den 1990er Jahren geschrieben. Reuters

Adam Posen leitet das Peterson Institute for International Economics in Washington. Er ist Anhänger einer aktiven Geldpolitik. Als Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der Bank von England (2009 - 2012) begleitete Posen dort den Einstieg in das QE-Programm. Er hat gemeinsam mit dem früheren Fed-Chef Ben Bernanke ein Reformprogramm für die Geldpolitik der US-Notenbank verfasst und ein Standardwerk über die Wirtschaftskrise in Japan in den 1990er Jahren geschrieben.

Der US-Ökonom Adam Posen begrüßt die geplanten Staatsanleihekäufe (Quantitative Easing, QE) der EZB. Anders als der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, der am Mittwoch im Handelsblatt-Interview eindringlich vor QE gewarnt hat, sieht Posen dies positiv. Wenn es nach ihm ginge, sollte die EZB sogar noch viel mehr tun.

Herr Posen, die EZB hat massive Staatsanleihe-Käufe beschlossen. Was halten Sie davon?
Das ist definitiv die richtige Entscheidung. Die EZB musste handeln, wenn sie der Wirtschaft in der Euro-Zone helfen will und ihr gesetzliches Mandat ernst nimmt. Ihr Ziel ist eine Inflation von nahe zwei Prozent. Dieses Mandat hat sie viele Monate lang ignoriert.

Reichen die beschlossenen Anleihekäufe aus?
Sie sind ein hilfreicher Anfang. Es ist aber nicht sinnvoll, Umfang und Zeitraum der Anleihekäufe einzuschränken. Die EZB muss nachlegen. Sie sollte im Idealfall so lange Anleihen kaufen, bis die Inflation wieder bei ungefähr zwei Prozent liegt.

Die zentralen Punkte der EZB-Anleihekäufe

Gesamtvolumen

Zunächst etwa 1,14 Billionen Euro

Laufzeit

Ab März bis mindestens Ende September 2016 und bis sich die Inflation nachhaltig angepasst hat an eine Rate von knapp 2,0 Prozent.

Was wird gekauft

unter anderem Staatsanleihen mit Investmentgrad (diese sind von mindestens guter Kreditwürdigkeit) mit einer Laufzeit von 2 bis 30 Jahren, Anleihen von EU-Institutionen und Unternehmensanleihen

Aufteilung der Käufe

Die Aufteilung der Anleihekäufe auf die einzelnen Euroländer richtet sich nach dem Landesanteil am EZB-Kapital (Bevölkerungsanzahl und Wirtschaftsleistung). Deswegen werden vor allem deutsche Bundesanleihen gekauft, gefolgt von französischen und italienischen Papieren.

Risikohaftung

Nur 20 Prozent der Anleihekäufe unterliegen einer gemeinsamen Risikohaftung. Dazu zählen die Anleihen von EU-Institutionen, auf die 12 Prozent der Käufe entfallen sollen.

1,1 Billionen Euro sind nicht genug?
Nein, im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ist das Programm viel kleiner als das, was die USA, Großbritannien und Japan unter vergleichbaren Umständen gemacht haben. Gerade wenn die Kreditvergabe so stark über das Bankensystem läuft wie in Europa, sind für den gleichen Effekt aber sogar mehr Anleihekäufe nötig als in einer stärker kapitalmarktbasierten Volkswirtschaft wie den USA.

Haben die Anleihekäufe in der Euro-Zone überhaupt einen Effekt auf die Inflation?
Sie helfen ein bisschen. Zum Beispiel, indem sie den Wechselkurs drücken. Außerdem verknappt die EZB damit das Angebot an Staatsanleihen. Investoren haben dann einen Anreiz ihr Geld verstärkt in andere Vermögenswerte zu stecken, deren Preise steigen.

Die eigentliche Ursache der aktuellen Krise waren spekulative Blasen. Provoziert die EZB mit QE nicht neue Übertreibungen, zum Beispiel am deutschen Immobilienmarkt?
Erstens sind die Häuserpreise in Deutschland seit 1995 über viele Jahre kaum gestiegen. Die Deutschen finanzieren die Häuser außerdem nur zu einem geringen Anteil über Kredite. Der zweite, noch wichtigere Punkt, ist: Wenn Deutschland Anzeichen für eine Blase am Häusermarkt sieht, können die Bankregulierer und Aufseher das direkt angehen. Deutschland darf nicht den Rest Europas als Geisel nehmen, um eine Blase am eigenen Häusermarkt zu bekämpfen.

Kommentare (72)

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Herr Ha Ho

23.01.2015, 07:29 Uhr

Europa sollte wieder nur ein Kontinent bleiben und mehr auch nicht...

Von den Geldverbrennern in den USA braucht sich kein deutscher Bundesbankchef was sagen lassen.

Das System kollabiert, es wird nur noch verwaltet bis dahin. Auch wenn es erst in 5, 10 oder 20 Jahren knallt. Es wird knallen.

Herr Josef Weyh

23.01.2015, 07:38 Uhr

Leider stimmt das auch!!!!!

Herr Ercole Domenico

23.01.2015, 07:41 Uhr

Eine Währungsunion ohne Fiskalunion kann nicht überleben!
So einfach ist es, egal was der arme Draghi versucht.
Wir brauchen eine Fiskalunion nach dem Vorbild Bundesrepublik Deutschland oder Schweiz.

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