Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.07.2015

14:32 Uhr

EZB

Noch keine klare Wende bei Niedrig-Inflation

Seit März pumpt die Europäische Zentralbank mit Anleihen-Käufen Milliarden in das Finanzsystem, um Konjunktur und Inflation anzukurbeln. Eine klare Wende im Kampf gegen die Niedrig-Inflation sieht die EZB noch nicht.

Im Juni lag die Teuerung in der Euro-Zone lediglich bei 0,2 Prozent. dpa

Europäische Zentralbank

Im Juni lag die Teuerung in der Euro-Zone lediglich bei 0,2 Prozent.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank kann trotz ihrer Geldflut noch keine klare Wende im Kampf gegen die niedrige Inflation im Euro-Raum ausmachen. Zwar werde die Teuerung im weiteren Jahresverlauf allmählich anziehen, hieß es in einem am Montag veröffentlichten EZB-Bericht. „Allerdings bleibt es auf Grundlage der bisher beobachteten Entwicklungen zu früh, um aus statistischer Sicht einen Wendepunkt in der Basis-Inflation auszumachen.“

Dazu seien noch mehr Daten erforderlich. Die EZB pumpt seit März mit dem Kauf von Staatsanleihen Milliarden in das Finanzsystem. Banken sollen so angeregt werden, mehr Kredite zu vergeben, um Konjunktur und Inflation anzukurbeln. Dieses Ziel ist noch längst nicht erreicht: Im Juni lag die Teuerung in der Euro-Zone lediglich bei 0,2 Prozent.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Die Währungshüter streben aber eine Rate von knapp zwei Prozent an, die sie als ideal für die Wirtschaftsentwicklung ansehen. Im Juni hatte die EZB ihre Inflationsprognose für 2015 leicht auf 0,3 Prozent von 0,0 Prozent angehoben. Im nächsten Jahr rechnet sie mit 1,5 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.07.2015, 16:20 Uhr

Nicht neu und in USA etwa weit verbreitet ist die These von der vor uns liegenden Flaute, die sehr lange, vermutlich viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, andauerte, und zwar weltweit - vielleicht mit Ausnahme der Schweiz, Singapur und etlichen Ländern mit vernünftiger bis Null-Besteuerung.
Wohl dem, der sein Vermögen gesichert und keinesfalls in Euroland hat.

Herr Peter Spiegel

27.07.2015, 17:50 Uhr

80 Milliarden Euro monatlich, viel zu wenig und daher sinnlos.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×