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09.06.2017

14:23 Uhr

EZB-Notenbanker Nowotny

Bald Diskussion über Zukunft der Anleihenkäufe

Laut EZB-Ratsmitglied Nowotny will die EZB auf ihren nächsten beiden Zinstreffen vermutlich über die Zukunft der billionenschweren Anleihenkäufe sprechen. Das Programm ist vorerst bis Ende 2017 angelegt.

Das EZB-Ratsmitglied geht davon aus, dass die Zentralbanker bei den kommenden beiden Zinstreffen über die Zukunft der Anleihenkäufe sprechen werden. Reuters

Ewald Nowotny

Das EZB-Ratsmitglied geht davon aus, dass die Zentralbanker bei den kommenden beiden Zinstreffen über die Zukunft der Anleihenkäufe sprechen werden.

WienDie EZB wird laut Ratsmitglied Ewald Nowotny voraussichtlich bald über die Zukunft ihrer billionenschweren Anleihenkäufe beraten. „Ich nehme an, dass wir sowohl im Juli wie dann im September bei den Policy Meetings über dieses Thema sprechen“, sagte Österreichs Notenbankgouverneur am Freitag in Wien. Die Märkte erwarteten, dass die Käufe nach 2017 zurückfahren werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte auf ihrem Ratstreffen am Donnerstag in Tallinn einen ersten vorsichtigen Schritt in Richtung Kurswende gewagt. Sie strich in ihrem Ausblick die Option auf noch tiefere Schlüsselzinsen.

Nowotny unterstrich: „Es ist wichtig, Märkte auch entsprechend vorzubereiten auf die Maßnahmen.“ Experten gehen davon aus, dass die EZB den Börsen mehrere Monate Zeit geben wird, sich auf abschmelzende Anleihenkäufe einzustellen. Nach Einschätzung der Volkswirte der Großbank UBS werden die Währungshüter wahrscheinlich die Märkte im Juli auf eine Entscheidung im September vorbereiten, die Käufe ab Januar 2018 über sechs bis neun Monate hinweg ausklingen zu lassen.

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EZB-Präsident Mario Draghi schließt anders als noch im April weitere Zinssenkungen zunächst aus und sieht die Wirtschaft im Euro-Raum optimistischer. Doch noch hält sich der Notenbankchef alle Türen offen.

Derzeit erwerben die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro im Monat. Die im März 2015 gestarteten Käufe sollen noch bis mindestens Ende 2017 laufen und dann einen Gesamtumfang von 2,28 Billionen Euro erreichen. Mit den Transaktionen will die EZB die Inflation nachhaltig in Richtung ihres Ziels von knapp unter zwei Prozent hieven. In Deutschland sind die Käufe umstritten.

Volkswirte zum EZB-Zinsausblick und zur Draghi-PK

Jörg Krämer (Commerzbank)

„Heute gab es von der EZB Zuckerbrot und Peitsche. Auf der einen Seite hat Draghi den Deutschen das Zuckerbrot gereicht, indem er die Konjunkturrisiken zum ersten Mal seit langem als ausgewogen bezeichnet hat und die Option einer weiteren Zinssenkung gestrichen hat. Die Peitsche ist der Verweis auf die hartnäckig niedrige Inflation, die nach Draghis Worten eine sehr lockere Geldpolitik notwendig macht. Ich bin mehr denn je der Meinung, das die EZB ihren Leitzins nach dem erzwungenen Ende ihrer Anleihekäufe nicht rasch anheben wird.“

Jan Bottermann (National-Bank)

„Wie erwartet hat die EZB heute keine materiell nachhaltige Kurskorrektur vorgenommen, sondern nur ihr Wording angepasst. Was die EZB auf keinen Fall wollte, ist eine Erwartungshaltung im Sinne baldiger Zinserhöhungen zu schüren. In den letzten Wochen und Monaten haben sich zwar die Stimmungsindikatoren für die Euro-Zone stärker belebt als mit Blick auf die ungelösten strukturellen Probleme zu erwarten stand. Nach wie vor funktioniert die Währungsunion suboptimal, da sich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bei konstanten Wechselkursen auseinanderentwickelt.“

Neil Wilson (Etx Capital)

„Mario Draghi ist ein vorsichtiger Mensch. Die EZB sendet gemischte Signale aus. Doch insgesamt sieht es so aus, als ob die Währungshüter den Aufschwung für gefestigter halten.“

Holger Schmieding (Berenberg Bank)

„Die EZB bewegt sich im Kriechgang auf den Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik zu. Als weiteren Mini-Schritt hat sie heute auf den ausdrücklichen Hinweis verzichtet, sie könne ihre Leitzinsen noch weiter absenken. Das hat ohnehin niemand mehr erwartet. Derzeit belässt sie ihre Zinsen und monatlichen Anleihekäufe noch unverändert. Das ist auch gut so. Denn trotz des robusten Wachstums verharrt der Inflationsdruck in der Eurozone bislang auf sehr niedrigem Niveau. Deshalb kann die EZB es sich leisten, die Wirtschaft langsam auf den Ausstieg vorzubereiten. Im September kommt der nächste Schritt. Dann wird die EZB vermutlich ankündigen, dass sie ab Januar 2018 ihre Anleihekäufe langsam auslaufen lassen wird.“

Ralf Umlauf (Helaba)

„Insgesamt ist das veränderte Wortwahl im Zinsausblick ein weiterer Trippelschritt in Richtung geldpolitischer Normalisierung. Mit baldigen Zinsveränderungen ist aber nicht zu rechnen.“

Marcel Fratzscher (DIW-Chef)

„Die EZB hat vorsichtig die geldpolitische Wende eingeleitet, wenn auch nur mit Worten. Sie hat die Kommunikation geändert und die Ankündigung, notfalls ihre expansive Geldpolitik auszuweiten, gestrichen. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Vielen in Deutschland mag die geldpolitische Wende zu langsam gehen. Viele unterschätzen aber die Tragweite der EZB-Entscheidung, die zum ersten Mal seit über zehn Jahren eine nachhaltige Straffung der Geldpolitik signalisiert. Die EZB handelt richtig, den Ausstieg aus ihrer expansiven Geldpolitik graduell und nicht abrupt vorzubereiten, damit keine schädliche Verunsicherung entsteht, sondern Unternehmen und Investoren langfristig planen können. Die EZB muss auch in Zukunft eine Politik der kleinen Schritte verfolgen, um unnötige Volatilität in den Märkten zu vermeiden.“

Volker Wieland (Wirtschaftsweise)

„Endlich hat die EZB die asymmetrische Ausrichtung ihres Zinsausblicks aufgegeben. Der EZB-Rat erwartet nun nicht mehr, dass die Notenbankzinsen weiter gesenkt werden könnten, sondern lediglich dass sie weiter auf dem aktuellen Niveau verharren. Eine minimale und lange überfällige Anpassung, aber bei weitem nicht das, was notwendig wäre. Angesichts der deutlichen Erholung im Euro-Raum in den letzten Jahren wäre es längst an der Zeit, die Politik aus dem Krisenmodus herauszuholen. Die EZB sollte eine Strategie und Zeitplan für das Auslaufen der massiven Wertpapierkäufe kommunizieren.“

Sorgen macht Nowotny die zuletzt eher schwache Inflationsentwicklung im Währungsraum. „Das ist eine erhebliche Herausforderung für die Politik der EZB“, sagte er. Es bestehe das Risiko, dass die Inflationsraten noch geringer ausfallen. So könne ein steigender Euro inflationsdämpfend wirken. Die vor allem von der Ölpreisentwicklung angetriebene Teuerung hatte sich im Mai deutlich abgeschwächt. Aktuell rechnen EZB-Fachleute selbst für das Jahr 2019 nur mit einer Inflation von 1,6 Prozent.

Von

rtr

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