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20.04.2016

20:46 Uhr

EZB-Politik

Der Traum vom „Helikoptergeld“ verblasst

Das sogenannte „Helikoptergeld“ könnte der EZB dabei helfen, die Inflation anzuheizen. Das Gedankenspiel hat längst Einzug erhalten in die Diskussion über die Geldpolitik. Eine Einigung ist jedoch unwahrscheinlich.

Die Zentralbank müsste ein neues Instrument schaffen, über diejenigen hinaus, die derzeit laut ihren Statuten erlaubt sind. Getty Images

Die Zentralbank müsste ein neues Instrument schaffen, über diejenigen hinaus, die derzeit laut ihren Statuten erlaubt sind.

FrankfurtSollte Mario Draghi je beabsichtigen, Helikopter-Geld regnen zu lassen, dürfte der Präsident der Europäischen Zentralbank wohl Probleme haben, vom Boden abzuheben. In der Debatte über eine Form von Anreizen, die nach Ansicht vieler nicht in Einklang mit dem Vertrag der Europäischen Union steht, könnte sogar die Option mit den geringsten rechtlichen Hürden einen politischen Streit auslösen, der zum Untergang des Euro beiträgt. Diese Ansicht wird auch von Ökonomen vertreten, die sagen, dass eine derartige Debatte notwendig sei, um zu verhindern, dass der Währungsblock in einen endgültigen Niedergang abgleitet.

Das Konzept, freies Bargeld vom Helikopter abzuwerfen, wie von US-Nobelpreisträger Milton Friedman ersonnen, hat sich in diverse Ideen gewandelt, die von einer Koordinierung der Geld- und Fiskalpolitik bis hin zu von der Zentralbank ausgestellten Schecks an die Bürger reichen. Letztere Option erhält im Euroraum die größte Aufmerksamkeit, wo es Verbote für die Staaten gibt, Überziehungskredite bei den Zentralbanken in Anspruch zu nehmen oder ihnen direkt Anleihen zu verkaufen.

Streng genommen schließe Artikel 123 des Vertrags von Lissabon nicht aus, den Menschen direkt Bargeld zukommen zu lassen, sagt Adair Turner, früherer Vorsitzender der britischen Finanzdienstleistungsaufsicht und nun beim Institute for New Economic Thinking. „In Europa erhalten Sie, sobald Sie darüber reden, Geld zu schaffen und auszugeben, die Frage: ’Wer erhält es?’ Die Tatsache, dass das Vertrauen unter den Ländern mangelhaft ist, verstärkt die Probleme, etwas zuzustimmen, was technisch möglich und wirtschaftlich notwendig ist.“

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Wenn der EZB-Rat sich ab Mittwoch in Frankfurt trifft, dürfte die Debatte, was möglicherweise als Nächstes kommen könnte, wenn die gegenwärtige Runde der Bondkäufe und Negativzinsen die Wirtschaft nicht vor Deflation bewahren kann, in die Diskussion einfließen. Die Währungshüter haben ihr Inflationsziel seit mehr als drei Jahren nicht erreicht und wiederholt das Datum verschoben, wann sie damit rechnen.

Das Thema könnte auf Draghis Pressekonferenz nach der Sitzung aufkommen. Als er im März nach Helikopter-Geld gefragt wurde, bezeichnete er es als „interessante Idee“. Als dies in einigen Kreisen für Unruhe sorgte – Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nannte die Idee absurd – spielten EZB-Notenbanker es herunter. Der britische Notenbankgouverneur Mark Carney beteiligte sich am Dienstag an der Debatte als er gegenüber britischen Parlamentariern sagte, dass es zu einem „sich verschlimmernden Schneeballsystem“ führen kann.

Turner hält das Anwerfen der Druckerpresse für eine gute Idee. Er sieht die Währungsunion vor schwerwiegenden sozialen und wirtschaftlichen Problemen stehe, die aggressiv angegangen werden müssen, bevor der Konsens, der sie zusammenhält, auseinander fällt.

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