Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.04.2017

10:32 Uhr

EZB-Präsident

Mario Draghi bleibt Minuszinsen treu

Die US-Notenbank erhöht die Zinsen und kündigt bereits ein Abschmelzen ihres billionenschweren Anleiheprogramms an. Und was macht EZB-Chef Draghi? Er hält stur an seiner Niedrigszinspolitik fest. Das sorgt für Ärger.

EZB-Präsident Mario Draghi bleibt dabei: Anleihen werden weiter im großen Stil gekauft, die Zinsen bleiben bei 0,0 Prozent. Reuters

Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi bleibt dabei: Anleihen werden weiter im großen Stil gekauft, die Zinsen bleiben bei 0,0 Prozent.

FrankfurtEZB-Präsident Mario Draghi sieht noch keinen Anlass für ein Ende der ultralockeren Geldpolitik der Notenbank. Obwohl die wirtschaftliche Erholung zunehmend auch auf eigenen Beinen stehe, sei es „zu früh, Erfolg auszurufen“, sagte Draghi am Donnerstag bei einer Konferenz in Frankfurt. Die Wirtschaft habe sich in den vergangenen Jahren maßgeblich dank der Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) erholt.

Die zuletzt anziehende Inflation halten die Währungshüter noch nicht für nachhaltig. Sie streben mittelfristig ein stabiles Preisniveau bei einer Rate von knapp unter 2,0 Prozent an. Die Inflationsdynamik sei „weiterhin abhängig von der Fortsetzung unserer aktuellen Geldpolitik“, bekräftigte Draghi. Ihre milliardenschweren Anleihenkäufe will die EZB bis Ende 2017 weiterführen.

Die Zinsen sollen mindestens bis dahin auf extrem niedrigem Niveau bleiben, derzeit liegt der Leitzins bei null Prozent. Der Einlagezins für Einlagen von Banken bei der Notenbank beträgt sogar minus 0,4 Prozent. Mit den auf 2,28 Billionen Euro angelegten Käufen von Wertpapieren will die Notenbank Geldhäuser unter anderem dazu anregen, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Das stützt die Konjunktur und soll so auch die nach dem Geschmack der EZB immer noch zu niedrige Inflation anheizen.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Mit gigantischen Wertpapierkäufen hatten die Notenbanken in den USA und Europa versucht, die Wirtschaft anzukurbeln. Der Geldsegen hatte die Aktienmärkte auf Rekordhöhen getrieben. Die US-Notenbank Fed will nun aber von diesem Kurs abweichen. Sie sendete gestern Signale, eine Verringerung ihrer aufgeblähten Bilanz anzustreben.

Die meisten Fed-Mitglieder halten eine Änderung der Reinvestionspolitik im Jahresverlauf für angemessen. Im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise waren Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Volumen von mehr als vier Billionen Dollar erworben worden. Zinszahlungen und Tilgungen auf diese Papiere werden bislang stets reinvestiert, sodass das Volumen unverändert bleibt.

Kommentare (46)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr J.-Fr. Pella

06.04.2017, 10:51 Uhr

Da die deutschen Politiker, außer Sprüche, gegen die EZB nichts unternehmen,
kann man vermuten, dass auch sie, Erfüllungsgehilfen des Großkapaitals sind.
Also, der "kleine" Sparanleger braucht ja auch nichts, Hauptsache den Millionären und Milliardären passiert nichts.
Weiter so....
the stupid Germans.

Herr Hofmann Marc

06.04.2017, 10:54 Uhr

Das wird bitter für die EU und Euro Bürger enden...Schulden und Verluste werden sich somit in EU-Euro Land anhäufen...bei nur wenigen Eliten, die von dieser Politik profitieren...Eliten, die zuvor eh schon wie Dagobert Duck im Geld und Gold,Luxus geschwommen sind....die können ihr Geld weltweit Anlegen und von den Niedrigzinsen der EZB profitieren...Das Guthaben hingegen wird halt dann in den USA bei steigenden Zinsen angelegt....die einzigen, die weiter wie eine Weihnachtsgans ausgenommen werden (über Steuern und Abgaben) und für die immer weniger Erspartes/Wohlstand übrig bleibt ist das gemeine Volk..

Herr Thomas Trenkler

06.04.2017, 11:26 Uhr

Es ist absolut naiv anzunehmen, dass die EZB jemals die Zinsen wieder anheben wird. Es ist weiterhin vollkommen illusorisch, dass die EZB jemals das Anleihenkaufprogramm (d.h. die Staatsfinanzierung über die Druckerpresse) wieder einstellen kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×