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06.05.2015

10:10 Uhr

EZB-Rat, Zinsen und der Euro

Zieht Draghi die Zügel an?

VonJan Mallien

Der EZB-Rat ringt heute um die Sicherheiten für Notkredite an griechische Banken. Er könnte die Anforderungen anheben. Doch Mario Draghi steckt in einem Dilemma.  

Die EZB steckt bei den Ela-Notkrediten in einem Dilemma. dpa

Mario Draghi

Die EZB steckt bei den Ela-Notkrediten in einem Dilemma.

FrankfurtIm EZB-Rat steht heute eine intensive Debatte über Griechenland bevor. Die Mitglieder müssen nicht nur über den Rahmen an Notkrediten für die griechischen Banken entscheiden. Auch die Frage der dafür zu hinterlegenden Sicherheiten dürfte eine große Rolle spielen.

Die Ela-Notkredite sind das letzte Rettungsseil für die griechischen Banken. Denn diese sind von den normalen Refinanzierungsgeschäften der EZB faktisch ausgeschlossen, da die EZB  griechische Staatsanleihen und staatlich garantierte Bankanleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptiert.

Für Ela-Notkredite gelten hingegen geringere Sicherheitsanforderungen. Einige EZB-Ratsmitglieder – allen voran Bundesbank-Chef Weidmann – fürchten die dadurch entstehenden Risiken. Sie wollen deshalb die  Abschläge auf Sicherheiten erhöhen, die griechische Banken als Gegenleistung für Notfallliquidität hinterlegen müssen. Dies würde die Sicherheiten verringern und so den Zugang zu Ela-Notkrediten erschweren.

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

Manche Ökonomen rechnen damit, dass die EZB bereits am heutigen Mittwoch eine Entscheidung trifft. „Die EZB wird  die Anforderungen vermutlich etwas verschärfen“, sagt der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Sie könne dies tun, ohne die griechischen Banken in die Pleite zu treiben, wenn sie  gleichzeitig den Rahmen für Notfallkredite der griechischen Zentralbank an griechische Banken (ELAs) etwas anheben würde.

Ob es tatsächlich dazu kommt, ist aber ungewiss. Der EZB-Rat kann mit einer Zwei-Drittel –Mehrheit die Ela-Kredite stoppen oder härtere Auflagen durchsetzen. Derzeit gibt es im Rat dafür aber keine Mehrheit, heißt es in Notenbankkreisen. Letztlich hänge die Entscheidung von Mario Draghi ab. Wenn er sich zu diesem Schritt entscheiden sollte, würde der Rat ihm folgen.  

Kommentare (11)

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Herr Joachim Buch

06.05.2015, 10:25 Uhr

Kuhhandel wohin das Auge reicht. Mit einem normalen Geschäftsgebaren hat das alles schon lange nichts mehr zu tun.

Herr Esboern Schmidt

06.05.2015, 10:30 Uhr

Hoffentlich fliegt ihnen das westliche Scheeball- u. Betrugssytem bald um die Ohren. Mensch ist man im Westen erst mit dem Abitur, dies wurde bei Phönix in der Sendung, Unter den Linden vor 2 Tagen gesagt.

Herr Heinz Keizer

06.05.2015, 11:01 Uhr

mein Mitleid mit Draghi hält sich in Grenzen. Er hat doch sich und die EZB widerrechtlich in diese missliche Lage manöveriert.

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