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10.03.2016

08:29 Uhr

EZB-Ratssitzung

Die fünf Erwartungen an Mario Draghi

VonJan Mallien, Andrea Cünnen

Einlagezins senken, Anleihenkäufe aufstocken: Der EZB-Chef steht vor der Ratssitzung am heutigen Donnerstag unter Druck. Wird Mario Draghi diesmal wieder die Kapitalmärkte enttäuschen?

EZB-Geldpolitik

Wird EZB-Chef Draghi die Geldpolitik weiter lockern?

EZB-Geldpolitik: Wird EZB-Chef Draghi die Geldpolitik weiter lockern?

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FrankfurtVor der Ratssitzung am Donnerstag steht Mario Draghi unter Zugzwang. Im Februar fielen die Preise im Euro-Raum im Jahresvergleich um 0,2 Prozent. So stark abwärts ging es seit einem Jahr nicht mehr. Was viele Bürger freut, ist für die Notenbank ein Problem. Denn es droht eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang. Das EZB-Ziel einer Inflation von knapp zwei Prozent rückt in immer weitere Ferne.

„Die Erwartungen der Märkte an die Wundertüte des Chefs der Europäischen Zentralbank sind deshalb hoch“, meint Jens Kramer, leitender Volkswirt bei der NordLB. Investoren rechnen nicht nur mit einer Senkung des Einlagenzinses, sondern auch mit mehr Anleihekäufen. Im Dezember noch hatte Mario Draghi die Märkte enttäuscht, die auf eine deutlichere Lockerung der Geldpolitik gesetzt hatten. „Wir können uns keine weitere Enttäuschung leisten“, sagt Janet Henry, Chefvolkswirtin der britischen Großbank HSBC.

Vor allem fünf Maßnahmen stehen zur Diskussion:

1. Den Einlagezinssatz senken

Schon jetzt liegt der Einlagezins im Euro-Raum bei minus 0,3 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter Ökonomen, rechnen die meisten mit einer Senkung um 0,1 Prozentpunkte auf minus 0,4 Prozent. Auch eine deutlichere Senkung auf minus 0,5 Prozent ist möglich. 

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Damit rechnet zum Beispiel Commerzbank-Analyst Michael Schubert. „Eine Rücknahme um nur 10 Basispunkte dürfte für viele im Rat in der aktuellen Situation zu wenig sein, auch weil dann eine negative Marktreaktion wie im Dezember zu erwarten wäre.“  Auch Kramer von der NordLB geht fest von einer weiteren Senkung um 20 Basispunkte aus.

Dass sich die Notenbanker darauf einigen, den Einlagezins zu senken, gilt als wahrscheinlich. Die Lösung ist am wenigsten umstritten. Für die Bundesbank etwa, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik skeptisch sieht, wäre diese Pille leichter zu schlucken als andere Maßnahmen.

Allerdings würde dies den labilen Bankensektor belasten. Denkbar wäre deshalb auch eine Staffelung des Einlagezinses, ähnlich wie in der Schweiz. Dort greift der Strafzins erst, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine Obergrenze überschreitet. Vorher gilt ein Freibetrag mit geringerem Zinssatz.

Dass die EZB Kramer  den Einlagensatz staffelt, glaubt auch Kramer. Um den „Schmerz bei den Banken nicht zu groß werden zu lassen, glaubt auch Jan Holthusen, Leiter des Anleiheresearchs bei der DZ Bank, an einen gestaffelten Einlagensatz,. Dabei kann auch er sich eine Senkung auf minus 0,5 Prozent vorstellen.

Die Staffelung des Einlagezinses würde die Banken schonen. Sie hätten dann aber auch weniger Anreiz zur Kreditvergabe. Dies würde sich auf den Euro auswirken: Dessen Kurs dürfte weiter nachgeben. Dazu reicht es, dass ein Teil der überschüssigen Liquidität der Banken mit einem Strafzins belastet wird.

Kommentare (30)

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Herr Esboern Schmidt

10.03.2016, 09:21 Uhr

Der von unseren etablierten Parteien als Mob u. Dumpfbacken bezeichneten Bürger sollte seine letzten Guthaben vom Konto holen, dann würde sofort ein anderer Wind in der EU wehen, mit den ganzen bürgerschädlichen Manipulationen wäre schnell Schluss

Account gelöscht!

10.03.2016, 09:37 Uhr

HBO, Danke für die offene Kommentarfunktion.

Wie ich sehe, wurde diese auch schon genutzt, (...)

Was Draghi macht kann man wohl geteilter Meinung sein.
Eines steht aber fest, die Anlage in Aktien, natürlich nur in den internationalen Prämiumaktien, ist weiterhin, auch durch Draghi, alternativlos.

Gut wer die Schwäche 1.000 Punkte tiefer wieder mal genutzt hat, statt sich dem Untergang zu widmen.

(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Vinci Queri

10.03.2016, 09:39 Uhr

>> Was viele Bürger freut, ist für die Notenbank ein Problem. Denn es droht eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang.>>

Den wirtschaftlichen Niedergang wird ein DRAGHI mit seiner dämlichen Spielkasino-Politik auch nicht stoppen können.
Die Montagefabriken der Welt, insbesondere in China, stottern bereits. Als Folge kann man das Absinken der Exporte in diesen Ländern nicht mehr übersehen.

Das wiederum bedeutet ein Absinken der Nachfrage für Energieträger in diesen Ländern, und als Folge hieraus den Preisverfall der Energieträger. Die Exporteure der Energieträger werden ihre Wirtschaftsaussichten entsprechend auch nach unten korrigieren müssen.

Das Endspiel der Krise, des Dollarkraches hat angesetzt.

Die Welt steht vor GROSSEN Erschütterungen.

Und DRAGHI isdt nur ein UNNÜTZES Rädchen des bankrotten Systems.

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