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08.09.2016

16:18 Uhr

EZB-Ratssitzung

Draghi bleibt sich treu

Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins im Euro-Raum auf dem Rekordtief von null Prozent. Draghi zeigte sich sehr überzeugt von der Wirkung seiner Geldpolitik. Die Märkte sehen das anders.

Der Italiener ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank. Reuters

Mario Draghi

Der Italiener ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank.

FrankfurtEuropas Währungshüter verschärfen ihren Anti-Krisen-Kurs entgegen den Erwartungen vorerst nicht. „Unsere Geldpolitik ist absolut wirksam“, betonte EZB-Präsident Mario Draghi nach der Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt. Es gehe nun um die reibungslose Umsetzung der bereits beschlossenen Maßnahmen im Kampf gegen die Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euro-Raum.

Draghi ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass die Notenbank notfalls nachlegen würde: „Es steht außer Frage, dass wir gewillt sind zu handeln, fähig sind zu handeln und die Möglichkeiten haben, das zu tun.“ Die Anleger blieben skeptisch. Weil es nicht zu der erwarteten Ausweitung des Anleihekaufprogramms kam und Draghi betonte, dass nicht einmal darüber diskutiert worden sei, ob man über eine Ausweitung sprechen solle, sackte der Dax ab. Während der Pressekonferenz verlor der deutsche Leitindex 1,5 Prozent, erholte sich danach aber immer etwas auf 1,03 Prozent Verlust.

Prognose vom Börsen-Experten

EZB hält bis Ende 2017 an großer Geldflut fest

Prognose vom Börsen-Experten: EZB hält bis Ende 2017 an großer Geldflut fest

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Zunächst hält die EZB unverändert Kurs. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Banken überschüssiges Geld bei der Notenbank, müssen sie dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Draghi stimmte die Märkte erneut auf einen längeren Zeitraum extrem niedriger Zinsen ein.

Das seit März 2015 laufende Programm zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren weiteten die Währungshüter zunächst nicht aus. Bis mindestens März 2017 will die EZB unverändert Monat für Monat 80 Milliarden Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere stecken, insgesamt 1,74 Billionen Euro. Gut eine Billion ist schon investiert. Seit Juni stehen auch Unternehmensanleihen auf dem Einkaufszettel.

Über eine Ausweitung der Anleihenkäufe sei im EZB-Rat am Donnerstag nicht diskutiert worden, sagte Draghi. Die Notenbank habe ihre Experten jedoch damit beauftragt, Optionen für eine reibungslose Umsetzung des Programms zu prüfen.

Was Ökonomen zur Draghi-Pressekonferenz sagen

Marcel Fratzscher, Präsident DIW

„Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik der EZB ist deutlich gestiegen. Die Abschwächung der Wirtschaft und vor allem der Inflation in der Euro-Zone versetzen die EZB in die schwierige Lage, über weitere Optionen nachdenken zu müssen. Ich erwarte, dass die EZB noch im Dezember eine Verlängerung des Anleihen-Kaufprogramms über März 2017 hinaus bekanntgeben wird. Vor allem halte ich eine Ausweitung der Ankäufe von Unternehmensanleihen für immer wahrscheinlicher. Ich erwarte zudem, dass die EZB früher oder später auch wieder griechische Staatsanleihen als Teil des Anleihenkaufprogramm erwerben wird.“

Shilen Shah, Investec Wealth & Investec

„Trotz des Marktgetöses durch das Brexit-Votum geht die EZB davon aus, dass der Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone wahrscheinlich nur moderat negativ sein wird. Auf jegliche Ausweitungen des EZB-Anleihekaufprogramms gab es nur Andeutungen. Denn Draghi signalisierte, dass es derzeit keinen Extra-Stimulus geben werde. Doch da die Anleihen knapp sind, die die Kriterien des Kaufprogramms erfüllen, könnte dies die Zentralbank zum Handeln bewegen, bevor das Programm wie geplant im März 2017 endet.“

Holger Sandte, Nordea Bank

„Dass die EZB heute nicht geldpolitisch nachgelegt hat, war keine Überraschung. Mario Draghi hat die Tür für eine weitere Lockerung offen gelassen, ohne aber ganz konkrete Hinweise darauf zu geben. Ich rechne damit, dass die Anleihekäufe noch einmal verlängert werden. Der EZB-Einlagensatz wird allenfalls noch einmal leicht gesenkt und dann wohl lange Zeit negativ bleiben.“

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim

„Die EZB sieht bei der Konjunktur eher Abwärtsrisiken. Gleichzeitig kündigt sie eine Neubewertung der Geldpolitik an. Dies kann bereits auf der nächsten Sitzung der Fall sein, aber spätestens Ende des Jahres wird sie unserer Meinung nach eine Verlängerung des Ankaufprogramms beschließen. EZB will weiter expansiv bleiben.“

Ulrich Wortberg, Helaba

„Die EZB hat die hohen Erwartungen des Marktes nicht erfüllen können. Allerdings hebt Präsident Draghi auf der Pressekonferenz die Handlungsbereitschaft der Zentralbank hervor. Die EZB werde die Entwicklungen genau beobachten und - falls erforderlich - alle Instrumente innerhalb ihres Mandats nutzen, um Unsicherheiten einzudämmen und die Ziele zu erreichen. Die wirtschaftliche Erholung setze sich fort, allerdings gebe es weiterhin Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum. Die Einsetzung des angesprochenen Ausschusses, der Optionen für eine reibungslose Umsetzung des QE-Programms prüfen soll, könnte als Hinweis auf bevorstehende Änderungen des Regelwerks verstanden werden.“

Alexander Krüger, Chefökonom Bankhaus Lampe

„Die EZB hat heute nicht weiter nachgeladen. Verglichen mit ihrer Ratssitzung im Juli bleibt geldpolitisch alles unverändert. Die vom Markt erhoffte Verlängerung des Wertpapier-Kaufprogramms über März 2017 hinaus und die Anpassung einiger seiner Stellschrauben sind damit ausgeblieben. Die EZB signalisierte aber Handlungsbereitschaft, die sie wegen der niedrig bleibenden Inflationsrate aus unserer Sicht spätestens im Dezember in die Tat umsetzen wird. Wir erwarten eine Leitzinssenkung und volumenmäßig unveränderte Wertpapierkäufe bis Ende 2017.“

Otmar Lang, Chefvolkswirt Targobank

„Die Europäische Zentralbank verschärft ihr Quantitative-Easing-Programm vorerst nicht. Doch das ist wahrscheinlich nur eine Atempause im geldpolitischen Harakiri - die Türen für weitere monetäre Lockerungen bleiben sperrangelweit geöffnet. Europas oberste Notenbank steht eigentlich vor der geldpolitischen Kapitulation. Doch das kann sie sich nicht leisten. Auch wenn ihre Medizin nicht wirkt, muss die EZB immer wieder die Dosis erhöhen, um nicht völlig an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Nur der leiseste Verdacht, dass Mario Draghi von seinen Maßnahmen selbst nicht mehr überzeugt ist, würde die Marktzweifel anfachen und Spekulanten Tür und Tor öffnen. Die EZB ist Gefangene ihrer eigenen Politik.“

Weil allmählich die Papiere knapp werden, die die EZB nach ihren eigenen Regeln erwerben darf, könnte die Notenbank gezwungen sein, die Bedingungen für die Anleihenkäufe zu lockern. Derzeit darf die EZB keine Anleihen kaufen, deren Zinsen unterhalb des Einlagensatzes von derzeit minus 0,4 Prozent liegen. Außerdem hat sie sich auferlegt, höchstens 33 Prozent einer jeweiligen Emission zu kaufen.

Kommentare (21)

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Frau Annette Bollmohr

08.09.2016, 16:43 Uhr

"Draghi zeigte sich sehr überzeugt von der Wirkung seiner Geldpolitik."

Na klar. Tät' ich an seiner Stelle auch.

Rainer von Horn

08.09.2016, 17:16 Uhr

Zitat aus Dantes göttlicher Komödie:

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.“

Account gelöscht!

08.09.2016, 17:23 Uhr

EZB-RATSSITZUNG
Draghi bleibt sich treu
Datum:
08.09.2016 13:45 UhrUpdate: 08.09.2016, 16:18 Uhr
Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins im Euro-Raum auf dem Rekordtief von null Prozent. Draghi zeigte sich sehr überzeugt von der Wirkung seiner Geldpolitik. Die Märkte sehen das anders.

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Europäische Union mit viel Aufschwung ... :-)))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))

DRAGHI mit seine EZB und Zinspolitik erfolgreich... :-))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))

EUROPA mit mehr Inflation... :-)))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))

Spanien mit eine Neue Regierung... :-)))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))

EUROPA innerhalb der EU schafft Arbeitsplätzen für 30 MILLIONEN DAUER-ARBEITSLOSEN...

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ADE EUROPA, ADE....
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wer schreibt das Lied zu ende ?

Der letzter Europäer macht das Licht aus vor dem Verlassen des europäischen Kontinent !

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