Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2015

13:08 Uhr

EZB-Ratssitzung

Draghis Drahtseilakt

VonStefan Kreitewolf, Jan Mallien

Auf der heutigen Ratssitzung wird die EZB wohl Anleihekäufe beschließen – trotz Kritik der Bundesbank. EZB-Chef Draghi will eine möglichst große Mehrheit überzeugen – und könnte bei der Gestaltung Kompromisse machen.

Sigmar Gabriel zu Anleihekäufen

"Wir brauchen mehr Wachstum"

Sigmar Gabriel zu Anleihekäufen : "Wir brauchen mehr Wachstum"

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Düsseldorf/FrankfurtMario Draghi und der Europäischen Zentralbank (EZB) steht heute ein historischer Tag bevor. Seit Monaten diskutieren Experten darüber, wann die Notenbank den Kauf von Staatsanleihen (Quantitative Easing, kurz: QE) beschließt. Heute ist vermutlich der Zeitpunkt gekommen. Alles andere wäre eine riesige Überraschung.

Mario Draghis Krisenkurs in Zitaten

Amtsantritt am 3.November 2011 in Frankfurt

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung.“

26. Juli 2012 in London

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

EZB-Sitzung am 4. Juli 2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

Nach der Leitzinssenkung am 7. November 2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern – das sehen wir nicht.“

Gespräch mit Altkanzler Schmidt am 7. November 2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

EZB-Sitzung am 3. April 2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

EZB-Sitzung am 8. Mai 2014

„Der EZB-Rat fühlt sich wohl damit, beim nächsten Mal zu handeln.“

EZB-Konferenz am 26. Mai 2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

Seine Entschlossenheit zu handeln hat Draghi jüngst im Handelsblatt-Interview unterstrichen: Die EZB sei in technischen Vorbereitungen, „um Umfang, Tempo und Zusammensetzung unserer Maßnahmen Anfang 2015 zu verändern, sollte dies notwendig werden'“.

Die jährliche Inflationsrate in der Euro-Zone ist im Dezember auf minus 0,2 Prozent gefallen – und liegt damit meilenweit entfernt vom EZB-Zielwert von nahe zwei Prozent. Mit Staatsanleihekäufen könnte die EZB durch verschiedene Impulse die Inflation anfachen. Allerdings ist QE innerhalb des EZB-Rates umstritten.

Als schärfster Kritiker gilt Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Er zweifelt an der Wirksamkeit von QE und hat wiederholt vor Haftungsrisiken für deutsche Steuerzahler gewarnt. Dies könnte Einfluss auf die Gestaltung eines QE-Programms haben. Die EZB-Ratsmitglieder ringen vor allem um vier Fragen: 1. Wie viele Staatsanleihen kauft die EZB? 2. In welchem Zeitraum? 3. Wer haftet dafür? 4. Was kauft die EZB?

1. Volumen
Wie viel Geld nimmt die EZB für Anleihekäufe in die Hand? Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg liegt die Konsensschätzung bei 550 Milliarden Euro. Allerdings berichtet Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise, dass EZB-Direktorium habe am Mittwoch den Kauf von Vermögenswerten, vor allem Staatsanleihen, im Umfang von monatlich 50 Milliarden vorgeschlagen. Wenn diese bis Dezember 2016 laufen würden, entspräche das einem Volumen von etwa 1,1 Billion Euro.

2. Zeitraum
Doch noch ist unklar, ob die Käufe auf ein oder zwei Jahre terminiert werden. Wenn es nur ein Jahr würde, wäre der Umfang der Lockerung viel kleiner.

3. Haftung
Bundesbank-Chef Jens Weidmann hat kritisiert, dass durch QE Ausfallrisiken entstehen und dafür letztlich auch die deutschen Steuerzahler haften. In diesem Punkt könnte EZB-Chef Draghi den Kritikern entgegenkommen. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) berichtete am Wochenende, dass die EZB die Staatsanleihekäufe von den nationalen Notenbanken nach festgesetzten Quoten abwickeln lassen könnte. Die Risiken würden dann in den Bilanzen der nationalen Notenbanken bleiben.

4. Zusammensetzung

Hauptsächlich wird die EZB Staatsanleihen kaufen. Sie sind mit Abstand der größte Markt. Das ist deshalb von Vorteil, da es in kleineren Märkten durch Käufe schneller zu Verzerrung kommt. Allerdings könnte die EZB zu einem gewissen Umfang auch Unternehmensanleihen kaufen.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas Behrends

22.01.2015, 13:24 Uhr

Prima, Ihr Hornochsen von der EZB !

Kauft doch im großen Stil die griechischen, irischen, belgischen, italienischen, spanischen und französischen Staatsanleihen auf und gleich noch "faule" Unternehmensableihen hinterher, damit Euer Gelddruckverein in Kürze explodiert und der EURO in Folge gleich mit.

Was QE bedeutet ist für Sie unter www.youtube.com zu sehen:

Einfach Suchbegriff "quantitative easing explained" eingeben und der Unterhaltung der Bären folgen.

Viel Spaß dabei !

Herr Hans Schwab

22.01.2015, 13:25 Uhr

Mögliche QE Auswirkungen auf EURUSD: http://growthaces.com/articles/daily-forex-analysis-eurusd-qe-scenarios-size-matters

Herr Manfred Zimmer

22.01.2015, 13:35 Uhr

Bei aller Kritik, Draghi ist ein Fuchs. Mit dieser Strategie der Staatsfinanzierung, auch wenn er es anders verkaufen will, gibt er Zucker denen, die ihn überwachen sollen.

Fragen Sie einmal einen Drogenabhängigen, was er von einem Drogenhändler hält.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×