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20.07.2017

08:57 Uhr

EZB-Ratssitzung

„In die Märkte ist wieder Leben eingekehrt“

VonJan Mallien

Die Wirtschaftslage im Euro-Raum ist gut. Mario Draghi muss daher die Märkte heute langsam auf eine weniger expansive Geldpolitik vorbereiten. Doch gleichzeitig will der Notenbankchef starke Ausschläge vermeiden.

Börse Frankfurt

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FrankfurtWenn Mario Draghi an diesem Donnerstag vor die Presse tritt, wird er eines sehr genau im Hinterkopf haben: Seine Rede im portugiesischen Sintra Ende Juni – die ein kleines Beben an den Märkten auslöste. Draghi hatte sich optimistisch über die Wirtschaft im Euro-Raum geäußert und die weiter niedrige Inflation vor allem auf temporäre Faktoren zurückgeführt. Das interpretierten Investoren als Signal dafür, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schneller straffen könnte.

Stimmen aus der Notenbank sprachen später von einem Missverständnis. Draghi habe lediglich zur Sprache gebracht, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, sagt Achim Stranz, Chefanlagestratege bei Axa Investment Managers. „Das derzeitige Anleihekaufprogramm der EZB ist nicht unendlich“, sagt er.

Zentralbanken und Negativzinsen

Japan

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,1 Prozent

Schweiz

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,75 Prozent (15.01.2016)

Einlagenzinssatz für Banken: gestaffelt -0,75 Prozent

Dänemark

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,05 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,65 Prozent

Schweden

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,5 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,5 Prozent

Euro-Zone

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,4 Prozent

Dennoch haben die Märkte sehr sensibel reagiert. Das hängt damit zusammen, dass sich die EZB derzeit in der Phase des Umsteuerns in der Geldpolitik befindet. Das hat bisweilen zur Folge, dass selbst kleine Änderungen eine große Wirkung entfalten können, wenn sie die langfristigen Erwartungen beeinflussen. Auf der Ratssitzung der Notenbank an diesem Donnerstag könnten sich Mario Draghi und seine Kollegen wiederum ein kleines Stück in Richtung Ausstieg bewegen – doch in der jetzigen Phase ist jeder Schritt ein Balanceakt.

Es sei wieder Leben in die Geldmärkte des Euro-Raums zurückgekehrt, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Das ist normal, wenn man bedenkt, dass die EZB bald ankündigen dürfte, ihre Anleihekäufe im kommenden Jahr schrittweise einzustellen.“ Viele Ökonomen rechnen damit, dass die Notenbank dies bei ihrer Sitzung im September verkündet. Bislang kauft die EZB für monatlich 60 Milliarden Euro Staatsanleihen der Euro-Länder. Damit will sie die Inflation im Währungsraum in Richtung des mittelfristigen Ziels von knapp unter zwei Prozent bringen.

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Von ihrem Inflationsziel ist die EZB aber noch weit entfernt. Zuletzt stieg die Teuerungsrate im Euro-Raum um nur 1,3 Prozent – und im Juni hatte die Notenbank ihre Inflationsprognosen für die nächsten Jahre gesenkt. Das hatte dazu geführt, dass zunächst die Anleihekurse stiegen und die Renditen sanken. Mit seiner rhetorischen Kehrtwende zur Inflation in Sintra erwischte Draghi dann die Investoren auf dem falschen Fuß, die auf noch länger laufende Anleihekäufe der EZB und somit auf steigende Anleihekurse gewettet hatten.

Der Chefvolkswirt der Berenberg-Bank, Holger Schmieding, erwartet, dass die EZB ihren Stimulus nur sehr gemächlich einschränkt. Dies werde sie wohl auch am Donnerstag klarmachen. Im Vorfeld der Ratssitzung haben sich führende Notenbanker unterschiedlich geäußert.

Kommentare (12)

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Herr Holger Narrog

20.07.2017, 09:17 Uhr

Das Ziel von Herrn Draghi war/ist nach meiner persönlichen Einschätzung eine Inflation von 5 - 7% bei niedrigen Zinsen um die italienischen Schulden und Staatsschulden zu Lasten der Deutschen Sparer zu reduzieren.

Diesem Ziel ist Herr Draghi nicht näher gekommen. Ich denke nicht das Herr Draghi persönlich die Zinsen erhöhen möchte oder die Anleihekäufe einstellen möchte. Herr Draghi steht unter Druck seiner Kollegen in der EZB und einigen Regierungen nordeuropäische Länder. So gibt er sich den Anschein der Kompromissbereitschaft.

Herr Michael Mouse

20.07.2017, 10:53 Uhr

Wer oder was genau sind eigentlich diese "Märkte" ?
Was stellen die her ?

Herr Rudi Rastlos

20.07.2017, 10:54 Uhr

Ein Tollhaus diese EZB !
Keine Angst, bis zur Wahl in Deutschland ändert sich nichts.
Merkel braucht keine unschönen Bilder mit Bärtchen.
Ein altes Sprichwort : Der Krug geht solange zum Wasser bis er bricht !
Es könnten auch de Königs neue Kleider sein ( kennen aber nur die älteren Jahrgänge ).
Als dann... eine schöne ruhige Woche/Monate noch.
Frage: Wer manipuliert eigentlich stetig den Goldpreis, obwohl physisches Gold sehr knapp ist....na dämmert es ?

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