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08.06.2017

10:35 Uhr

EZB-Ratssitzung

Mario Draghis Balanceakt

VonJan Mallien

Nicht nur klassische Verfechter einer straffen Geldpolitik wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann plädieren für einen baldigen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Doch welche Signale sendet EZB-Präsident Mario Draghi?

Der EZB-Rat mit Präsident Mario Draghi berät sich heute in Tallin. Reuters

Mario Draghi

Der EZB-Rat mit Präsident Mario Draghi berät sich heute in Tallin.

FrankfurtViele Sparer sehnen ein schnelles Ende der lockeren Geldpolitik in der Euro-Zone herbei. Mario Draghi könnte hierfür am heutigen Donnerstag ein Signal setzen. Nach der Ratssitzung in der estnischen Hauptstadt Tallin allerdings dürfte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) allenfalls leise Andeutungen einer geldpolitischen Wende machen.

Viele Ökonomen erwarten, dass die Notenbank ihre Kommunikation vorsichtig anpasst. Dies gilt als wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Konkrete Ankündigungen zum Abschmelzen der billionenschweren Anleihenkäufe der Notenbank werden allerdings noch nicht erwartet. Auch an den Leitzinsen, die auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen, dürfte nicht gerüttelt werden.

„Letztlich steuert die EZB unserer Einschätzung nach in Trippelschritten in Richtung einer Abkehr von der gegenwärtigen ultra-expansiven Geldpolitik“, sagt Zinsstratege Christian Reicherter von der DZ Bank.

Chefvolkswirt Holger Schmieding von der Berenberg Bank geht davon aus, dass sich die Notenbank zuversichtlicher zur Konjunktur äußern wird: „Ich erwarte, dass die EZB bei der Risikobilanz angesichts der jüngsten Konjunkturentwicklung auf neutral schalten wird.“ Bisher betont die EZB die Abwärtsrisiken.

Noch einen Schritt weiter würde die EZB gehen, wenn sie auch ihren Zinsausblick anpasst. Bisher geht sie davon aus, dass die Zinsen für längere Zeit „auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben“. Wenn Draghi den Passus „oder einem niedrigeren Niveau bleiben“ streicht, schließt er damit de facto weitere Zinssenkungen aus.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Derzeit hat die EZB nicht nur den Leitzins auf null Prozent gesenkt, sondern kauft auch für monatlich 60 Milliarden Euro vornehmlich Staatsanleihen der Euro-Länder. Damit will sie die Inflation im gesamten Währungsraum in Richtung ihres Ziels von knapp unter zwei Prozent bringen. Die Käufe sind bis Dezember 2017 terminiert.

Kommentare (25)

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G. Nampf

08.06.2017, 10:46 Uhr

²Bisher geht sie davon aus, dass die Zinsen für längere Zeit „auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben“."


Es würde schon reichen, diese unsäglichen Negativzinsen abzuschaffen bzw. zu verringern.

Herr Holger Narrog

08.06.2017, 11:01 Uhr

Aufgrund seines bisherigen Verhaltens scheint das Ziel des Herrn Draghi zu sein, die italienischen Staatsschulden zu Lasten der Deutschen Sparer abzubauen. Risiken nimmt Herr Draghi dabei offensichtlich in Kauf. Diesem Ziel ist Herr Draghi noch nicht näher gekommen.

Insofern rechne ich bis zum Dienstzeitende Herrn Draghis mit keiner, max. minimaler Kursänderung.

x y

08.06.2017, 11:13 Uhr

Hört endlich auf Draghi soviel Gewichtung zu geben.

Er arbeitet für das Großkapital und ist auch nur eine Marionette.
Sein Job ist es die Umverteilung von unten nach oben zu beschleunigen.

Kommt die nächste Marionette läuft das Programm genauso weiter.

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