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16.05.2014

13:07 Uhr

EZB

Risiken niedriger Zinsen sind beherrschbar

Die EZB hatte betont, dass die Zinsen niedrig blieben oder sogar noch niedriger ausfielen. Die EZB hat mehrere Maßnahmen im Kampf gegen die niedrige Inflation und zum Ankurbeln der Wirtschaft parat.

die EZB-Zentrale in Frankfurt: Die EZB versorgt die Finanzinstitute derzeit üppig mit Liquidität. dpa

die EZB-Zentrale in Frankfurt: Die EZB versorgt die Finanzinstitute derzeit üppig mit Liquidität.

WarschauDie EZB hält laut ihrem Direktor Benoit Coeure die mit sehr niedrigen Zinsen verbundenen Risiken für beherrschbar. Die EZB habe betont, dass die Zinsen niedrig blieben oder sogar noch niedriger ausfallen könnten, sagte der Franzose am Freitag auf einer Konferenz in Warschau. Da die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzinstitute zugleich üppig mit Liquidität versorge, könne es zu Risiken am Finanzmarkt kommen. „Doch wir haben die Mittel, sie abzuwehren. Das ist im Prinzip also kein Thema.“

Wie Reuters von Insidern erfahren hat, bereitet die EZB für ihre Ratssitzung im Juni mehrere Maßnahmen im Kampf gegen die niedrige Inflation und zum Ankurbeln der Wirtschaft vor. Zu den erwogenen Optionen gehören eine Senkung des bereits historisch niedrigen Zinsniveaus von 0,25 Prozent, Strafgebühren auf das bei der EZB geparkte Geld der Geschäftsbanken sowie zielgerichtete Liquiditätsspritzen für Banken.

Niedrige Inflation: Wie reagiert die EZB?

Was spricht für ein Eingreifen der EZB?

Die Inflation im Euro-Raum lag im Mai bei 0,5 Prozent – und damit weit entfernt von der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen niedrig zu halten oder noch unter das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, die Notenbank werde sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall stemmen.

Warum sind sinkende Preise schlecht?

Für Verbraucher sind sinkende Preise zunächst erfreulich, schließlich bekommt man mehr für sein Geld. Die Gefahr ist, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Ökonomen nennen das Deflation. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen hinauszögern - in der Erwartung, dass es in den nächsten Monaten noch günstiger für sie wird. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

Wie real ist die Deflations-Gefahr?

„Eine handfeste Deflation ist in der Eurozone eine sehr weit entfernte Gefahr“, meint Berenberg-Volkswirt Christian Schulz. Das betont auch regelmäßig das EZB-Spitzenpersonal. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Mitte März erklärt, er halte die Risiken von Preis- und Lohnrückgängen auf breiter Front im Euroraum für sehr begrenzt.

Was kann die EZB tun?

Bei den Zinsen hat die EZB den Boden fast erreicht. Mit einem Leitzins von 0,25 Prozent ist Zentralbankgeld für die Banken im Euroraum bereits extrem günstig. Ob eine weitere Zinssenkung die Geldinstitute dazu bewegen würde, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln, ist umstritten. Denkbar wäre, dass die EZB den Zins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank parken, unter Null senkt. Theoretisch möglich wäre auch, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas?

Theoretisch animiert das billige Geld Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Konsumieren - beides kurbelt die Konjunktur an und erhöht so den Preisauftrieb. Doch gerade in den kriselnden Eurostaaten in Südeuropa blieb die Kreditvergabe zuletzt schwach. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann die EZB mit noch billigerem Geld dagegen so gut wie nichts ausrichten.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

16.05.2014, 13:26 Uhr

Selbstverständlich ist das Risiko beherrschbar. Vor allem, weil vornehmlich die Deutschen betroffen sind. Die anderen haben Immobilien! Und der Michel unterliegt einem propagandistischen €U-Trommelfeuer von allen Seiten, dass er die Zusammenhänge einfach nicht begreifen kann. Es hilft ihm ja auch niemand: keine Partei, kein Politiker, die Leitmedien inkl. HB vernebeln auch nur. "Koste es, was es wolle" in Bezug auf den € bedeutet genau das: Bis nichts mehr da ist. Das wird und das "politische Projekt" ja wohl wert sein. Es lebe die verlogene, undemokratische, totalitär denkende EUSSR! HOCH! HOCH! HOCH!

Account gelöscht!

19.05.2014, 19:14 Uhr

Risiken durch Zinsen unterhalb der Inflationsrate und die damit einhergehenden Spekulationsblasen sind leider für niemanden beherrschbar. Ökonomische Gesetze werden sich immer als stärker erweisen als die Macht einer Notenbank. Das süße Gift des billigen Geldes wird keinesfalls zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen führen. Falls dies das neue Geschäftsmodell der EZB sein sollte, dann wird dieses genauso platzen wie die Blase am Neuen Markt.

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